Viele Schweinzüchter geraten wirtschaftlich immer stärker unter Druck. Foto: dpa

Die Landwirte dürfen nicht immer nur nach Staatlichen Hilfen rufen, wenn sie durch Wetterkapriolen Einnahmeausfälle haben. Sie müssen auch selbst vorsorgen und sich für Widrigkeiten rüsten, meint Ulrich Schreyer.

Stuttgart - Die Klagen sind bekannt: Ist es zu kalt, jammern die Landwirte zwischen Kiel und Konstanz. Regnet es zu viel, drohen Pilzbefall und Fäulnis. Und wenn die Sonne wochenlang auf Deutschlands Felder brennt, vertrocknet der Weizen noch am Halm – oder es wächst zu wenig, weil das Wasser fehlt. Wie auch immer die Landwirte unter den Wetterkapriolen zu leiden haben, der Ruf nach staatlicher Hilfe kommt fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber auch wer das Geschrei dann als zu laut empfindet, muss eines einräumen: Kaum eine andere Branche ist so sehr von der Witterung abhängig wie die Landwirtschaft.

Wetterkapriolen sind größtes Risiko

Die Wechselhaftigkeit der Witterung ist eines der größten Risiken der Landwirte. Dazu kommen die immer stärker schwankenden Preise für ihre Produkte. Verständlich ist, dass die Bauern vor allem mit Blick auf die Arbeit unter freiem Himmel eine steuerliche Risikorücklage fordern – wie sie andere Branchen, auch die Industrie, schon haben. Dass sich hierbei seit Jahren politisch nichts bewegt, ist für die Land­wirte misslich – und für die Politiker ein Eigentor. Gäbe es diese Rücklage, hätten sie ein Argument, um sich der üblichen Forderungen nach Schadenersatz bei schlechter Witterung zu erwehren.

Bauern müssen auch selbst aktiv werden

Doch auch die Bauern selbst müssen aktiv werden. Ein Beispiel dafür könnte ihr eigener Präsident sein. Joachim Rukwied setzt nicht alles auf eine Karte, sondern betreibt Ackerbau, Gemüsebau und Weinbau. Natürlich ist es einfacher, dem Rat eines Bankers zu folgen, der empfiehlt, nicht alle Eier in einen Korb zu legen, sondern das Risiko zu streuen. Folgt er dem Rat, hat der Bankkunde Ruhe. Für den Landwirt aber fängt mit einer solchen Diversifizierung die Arbeit erst an. Es ist schwieriger, sich um Ackerbau und Viehzucht gleichermaßen zu kümmern, statt sich auf einen Erwerbszweig zu konzentrieren. Doch treffen die immer wieder zu hörenden Hoffnungen auf eine Steigerung der Produktivität auf den Höfen dank der Digitalisierung zu, könnte die Landwirtschaft 4.0 eine echte Hilfe sein.

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