Bleichhilfen verleihen dem Frisée-Salat seine vornehme Blässe. Foto: z

Es sind keine grünen Männchen vom Mars in Bernhausen gelandet. Was auf einem Acker in Bernhausen wie eine Ansammlung fliegender Untertassen aussieht, macht Bittersalat milder und verdaulicher.

Bernhausen - Was ist bloß in Bernhausen los? Sind auf den Feldern etwa Außerirdische gelandet? fragen sich Leser unserer Zeitung, die dort spazieren gehen. Nein, eine Invasion der Marsmenschen hat es auf den Fildern nicht gegeben: Die hellen Hauben mit ihren antennenartigen Griffen, die in Reih’ und Glied auf Feldern des Keltenhofs stehen, sind alles andere als fliegende Untertassen. „Wir brauchen sie für den Frisée-Salat“, sagt Max Forschner, der Leiter des Vertriebs und der Kundenbetreuung des Keltenhofs.

Die Hauben aus Plastik, sagt Max Forschner, seien Bleichhilfen: „Durch sie wird der Frisée vom Sonnenlicht abgeschirmt und bildet das Chlorophyll zurück.“ Normalerweise sei Frisée grün, durch die Bleichhilfe bekomme er einen schönen gelb-weißen Kern, so wie ihn die Kunden aus der Gastronomie schätzten. Das Verfahren diene aber nicht nur der Ästhetik. Frisée ist eine Endivienart mit gekräuselten Blättern und ein sogenannter Bittersalat. „Durch die Abschottung vom Sonnenlicht bekommt er einen feineren Geschmack und er wird leichter bekömmlich“, sagt Max Forschner.

Die Produktion von Frisée, sagt der Experte, sei aufwendig:: „Es darf weder zu trocken noch zu nass sein, und auch das waschen erfordert Aufwand.“ Die Bleichhilfen könne man nicht mit einer Maschine setzen: „Jede einzelne muss mit der Hand gesetzt werden, denn jeder Salatkopf wächst anders. Wenn dies getan ist, dann sieht es bei uns aus, als seien Ufos gelandet.“

Frisée gehört zu den Endivien, einer Unterfamilie der Wegwarte. Der Verzehr der ursprünglich im Mittelmeerraum und in Frankreich verbreiteten Endivien als Salat ist bereits für die Antike verbürgt. Gaius Plinius Secundus Maior, kurz Plinius der Ältere genannt, war ein Mann mit vielen Talenten. Zur Zeit des Vesuvausbruchs im Jahre 79 war der Gelehrte, Offizier und Verwaltungsbeamte Kommandeur der römischen Flotte. Er starb in Stabiae am Golf von Neapel während einer Rettungsaktion für überlebende Opfer des Vulkanausbruchs. Als Gelehrter hatte er sich auch als Naturforscher einen Namen gemacht und unter anderem erwähnt, dass gesalzte Endivien in Essig eingelegt würden, um später gekocht als Gemüse gegessen zu werden. In Mitteleuropa ist die Endivie im 13. Jahrhundert einzelnen Gelehrten, die sie möglicherweise auf Italienreisen kennengelernt hatten, bekannt gewesen, der Verzehr ist aber erst seit dem 16. Jahrhundert belegt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: