41 Parkplätze sollen an der Schwerzstraße wegfallen. Während der Bauarbeiten können es durchaus auch 100 Plätze werden. Foto: Judith A. Sägesser

Anwohner in Plieningen und Birkach befürchten, dass der Wegfall von Stellplätzen in Hohenheim ihre eigenen gefährdet. Uni und Stadt schieben sich die Schuld an den plötzlich anberaumten Bauarbeiten gegenseitig zu.

Plieningen - Von Mittwoch an werden an der Uni Hohenheim am sogenannten Goldenen Acker, der ein Landschaftsschutzgebiet ist, 41 Parkplätze zurückgebaut. Bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind – was bis Weihnachten geschehen soll – fallen temporär sogar 100 Parkplätze weg. Anwohner befürchten, dass Studierende und Universitätsmitarbeiter auf öffentliche Stellflächen in Plieningen und Birkach ausweichen könnten. Dabei kommt die Nachricht vom Rückbau ziemlich plötzlich. Wenn auch nicht gänzlich überraschend.

Denn dass die 41 Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet nicht ewig bleiben können, ist im Grunde seit 2010 klar. „Wir haben die Parkplätze nur geduldet“, sagt Sven Matis, ein Sprecher der Stadt Stuttgart. Der Ausschuss für Umwelt und Technik (UTA) bekräftigte 2014, dass die Parkplätze dort nicht rechtens seien.

Am Montag vor zwei Wochen flatterte der Uni ein Schreiben der Stadt ins Haus, in dem es hieß, die Zeit der Duldung sei jetzt vorbei und die Bagger würden anrollen. Am Mittwoch würden dabei 40, von nächstem Montag an sogar 100 Parkplätze wegen der Bauarbeiten gesperrt sein.

Auswirkungen auf Birkach und Plieningen

Das könnte Auswirkungen auf die Bezirke Birkach und Plieningen haben, befürchtet die Bezirksvorsteherin Andrea Lindel. Zu Semesterbeginn sei die Parksituation ohnehin angespannt. „Die halbe Kirschenallee ist immer zugeparkt“, sagt sie. Zwar pendle das sich ihrer Erfahrung nach in den ersten Wochen ein. Vor allem, da die Polizei in diesem Zeitraum die Verkehrskontrollen verschärft. Ob das noch Wirkung zeigt, wenn jetzt weitere Parkplätze wegfallen, bezweifelt Bezirksvorsteherin Lindel. „In jedem Fall ist der jetzige Zeitpunkt denkbar schlecht gewählt“, sagt sie.

Günter Seyfferth lebt seit 1970 in Birkach. In seinem Stadtbezirk sei die Verkehrsbelastung zurzeit wegen des Semesterbeginns schon deutlich wahrzunehmen, berichtet er. „Die Alte Dorfstraße ist häufig vollgeparkt“, sagt er. Seyfferth ist besorgt, dass der Parkdruck auf Birkachs Straßen durch den Wegfall der Parkplätze an der Uni weiter zunehmen und den Frieden bedrohen könnte.

Prinzipiell habe er zwar Verständnis für das Thema Landschaftsschutz. „Aber man braucht doch vorher eine Alternative, wo man parken kann.“ Das sieht auch die Universität so. Die Kanzlerin der Uni Hohenheim, Katrin Scheffer, ist verärgert über die Terminwahl. Besonders jetzt bei dem Schmuddelwetter seien viele mit dem Auto unterwegs. „Außerdem war die Ankündigung der Stadt einfach sehr kurzfristig. Wie sollen wir das den Studierenden erklären?“, sagt sie.

Verwirrung um Baustart

Zunächst hat die Universität das jedenfalls falsch erklärt. Sie kommunizierte, dass die Bagger bereits vergangenen Dienstag anrollen würden. Gekommen sind allerdings keine. Dafür ist auf der Facebook-Seite der Uni Hohenheim eine heftige Diskussion entbrannt.

Besonders die Stadt gerät in die Kritik der Studenten. „Und auch auf dem Campus ist die Parkplatznot das Gesprächsthema Nummer eins“, sagt die Kanzlerin Scheffer. So schreibt eine Nutzerin auf Facebook: „Heute wurden auch wieder fleißig Strafzettel verteilt, zum Beispiel auf der Allee links vom Schloss.“ Die Stadt hole sich ihr Geld bei denen, die es ohnehin nicht „so dicke“ hätten. „Man vergrößert Jahr für Jahr die Studentenzahl und verringert dabei die Anzahl der Parkplätze“, sagt ein anderer. 53 weitere Facebook-Nutzer bekunden ihren Unmut in ähnlicher Weise.

Die Stadt sieht sich jedoch nicht in der Verantwortung für den Parkplatzmangel. Die Uni komme zu langsam mit ihrem Mobilitätskonzept voran. Dieses werde gerade „vertiefend bearbeitet“, wie es in einer Erklärung der Stadt heißt. Bei den 41 jetzt betroffenen Stellplätzen an der Schwerzstraße gebe es baurechtlich gar keine andere Möglichkeit; sie seien eben ein Sonderfall. Weiter sei es der Stadt sehr wichtig, dass die Universität gut erreicht werden kann. Man arbeite beim Mobilitätskonzept mit der Uni Hand in Hand.

Ersatzparkplätze eingerichtet

Dort klingt das jedoch etwas anders. Uni-Kanzlerin Katrin Scheffer sieht Probleme bei den Abstimmungsprozessen: „Unser Mobilitätskonzept ist seit Monaten im Grunde genommen fertig. Aber durch die vielen Detailfragen der Stadt verzögert sich alles“, sagt Scheffer.

Genau das hat sich nun offenbar bewahrheitet – wer auch immer verantwortlich dafür sein mag. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber zumindest für die Studierenden und die Anwohner. Während der Bauarbeiten wird an der Fruwirthstraße ein Provisorium zum Parken eingerichtet – dort, wo früher ein Gewächshaus stand, das abgerissen wurde. Am Mittwoch wird die Fläche geschottert. Immerhin entstehen so auf dem Areal 40 temporäre Ersatzparkplätze. Ob das reicht? Die nächsten Wochen werden es zeigen.

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