Alice C. Höfler erläutert ihren Feinstaubfilter Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Von Mehlwürmern bis Müsli ist alles dabei: 64 Projekte mit 112 Jungforschern haben es in die Landesrunde von Jugend forscht geschafft. Die Erfinderinnen und Erfinder präsentierten ihre Ideen im Haus der Wirtschaft.

Stuttgart - Auf den ersten Blick sieht das goldenen Gerät auf der Messe Jugend forscht aus, wie eine Mischung aus Miniaturfabrik und Getreidemühle. Doch es ist nichts von beidem: „Das ist ein Feinstaubfilter“, sagt Alice C. Höfler vom Hegau-Gymnasium in Singen, die die Maschine entwickelt hat. Sie ist das zweite Mal bei Jugend forscht dabei, für den Kleinofen im vergangenen Jahr gab es den zweiten Preis, dieses Jahr erweiterte sie den Ofen um einen Wasserfilter. Damit gewann sie die Landesrunde in der Kategorie „Interdisziplinär“ und darf Ende Mai mit acht weiteren baden-württembergischen Landessiegern zum Bundeswettbewerb nach Darmstadt fahren. „Ich will nach dem Abi in Stuttgart Luft- und Raumfahrtechnik studieren, deshalb wollte ich mich mit einer Lösung für das Feinstaubproblem befassen“, erklärt die 18-jährige.

Auch die Region Stuttgart ist vertreten

Mehrere Jugendliche zeigen Projekte zum Thema Feinstaub, Höfler gewann mit ihrem Ansatz. Um Luft mithilfe von Wasser effizient zu filtern, gab sie diesem verschiedene Stoffe bei und hatte bei Waschmittel den größten Erfolg. „98 Prozent des Feinstaubs konnte ich so abscheiden“, sagt Höfler, „ist ja auch logisch, wegen der Tenside. Die bewirken ja, dass sich Stoffe leichter lösen.“ Höfler kann mit sich zufrieden sein. 1450 junge Menschen aus Baden-Württemberg haben an den regionalen Wettbewerben teilgenommen, die Frauenquote lag bei 35 Prozent. Nur 112 der Teilnehmer konnten ihre Projekte in der 53. Landesrunde vorstellen – und auch dort überzeugte Höflers Projekt. Nur die Erstplatzierten kennen ihr Ergebnis bereits vor der Messe, zweite und dritte Preise werden erst danach verliehen.

Auch die Stuttgarter Region ist in der Landesrunde vertreten: Jonas Gaiser von der Gottlieb-Daimler-Schule 1 in Sindelfingen präsentiert eine computergestützte Billardhilfe, mit der er später einen 3. Preis in der Kategorie „Technik“ gewinnen wird. „Gute Billardspieler haben ein Auge dafür, in welchem Winkel sie die Kugel anstoßen müssen, um sie einzulochen“, sagt der 21- jährige, „für alle anderen habe ich diese Hilfe entwickelt.“ Über einer kleinen Billardtischattrappe hat er einen Farbsensor und einen Beamer aufgehängt, um die Spitze des Queues ein farbiges Klebeband gewickelt. „Der Sensor erkennt die Farben von Queue und Kugeln und berechnet so den Verlauf, den die Kugel nehmen wird, wenn man jetzt zustößt“, sagt Gaiser und greift sich den Queue. Sobald er sich der weißen Kugel nähert, zeichnet der Beamer blaue Linien auf den Tisch. Als die Linie hinter der angepeilten gelben Kugel auf das Loch zeigt, stößt Gaiser und tatsächlich rollt die Kugel folgsam hinein. „Sie können es gern selbst probieren“, sagt er und legt eine blaue Kugel auf den kleinen Billardtisch. Die Kugel knallt gegen die Bande und rollt davon. „Naja“, meint Gaiser trocken, „mittig treffen muss man schon noch selbst“.

Mehlwürmer können Styropor abbauen

Die Jury gibt auf der Messe Feedback und Tipps. Der interdisziplinäre Juror Thorsten Kreß sagt, dass Alter und Anzahl der Schüler in der Bewertung des Projektes keine Rolle spielten. „Den höchsten Preis bekommen nicht zwingend die kompetentesten Schüler mit dem schwierigsten Thema, sondern die, die sorgfältig und wissenschaftlich korrekt gearbeitet haben“, so Kreß. „Wichtig ist auch der Eigenanteil der Arbeit.“ Der wissenschaftliche Nutzen sei eher zweitrangig, „das wäre ja sonst eine sehr wirtschaftlich ausgerichtete Bewertung.“

Immerhin ist Bosch langjähriger Partner des Wettbewerbs, trotzdem scheint es bei Jugend forscht eher um Spaß am Experimentieren zu gehen.

An einem weiteren Stand ringeln sich Käferlarven in zwei Plastikbehältern um Styroporteile herum. „Mehlwürmer können Styropor biologisch abbauen“, erklären Lukas und Marvin Weisvom Johannes-Kepler-Gymnasium Leonberg. „Wenn man Stärke hinzufügt, geht es noch schneller.“ Die Abbaumethode sei allerdings gerade bei großen Mengen an Styropor nicht besonders effizient „Es entsteht genau so viel Kohlendioxid, wie wenn man das Styropor einfach verbrennen würde“, sagt Lukas Weis. Bei kleinen Mengen könne der Einsatz der Mehlwürmer jedoch sinnvoll sein. Für die beiden Schüler gibt es später einen zweiten Preis in der Kategorie Biologie.

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