Simone Gunkel und ihr Team bieten in Esslingen Medienkompetenz für alle Gesellschaftsschichten an. Foto: Ines Rudel

Simone Gunkel hat mit ihrem Konzept das einstige Auslaufmodell Landesfilmdienst so umgestaltet, dass ihre Einrichtung heute ein gefragtes und gefördertes Bildungszentrum ist. Das Haus in Esslingen will sich nun noch mehr für Interessierte öffnen.

Esslingen - Vom Selbermachen lernt man am meisten. Dieses Credo der Geschäftsführerin Simone Gunkel hat den Verein Landesfilmdienst Baden-Württemberg (LFD) in den letzten Jahren vom einstigen insolvenzgefährdeten Filmverleih zu einer beispielhaften Bildungseinrichtung für alle Gesellschaftsschichten gemacht.

Seit 2013 sitzt der Verein in Esslingen im Haus einer ehemaligen Gaststätte. Hier werden Workshops und Kurse etwa zu Fotografie, Ton, Schnitt, Teambuilding, zu Musikvideos, Schauspielerei, Stop-Motion oder Hörspielen gegeben. Die Zielgruppe reicht vom Kindergartenkind bis zum Senior. „Wir arbeiten mit Einrichtungen wie Jugendhäusern, Kindergärten, Seniorenheimen und Unternehmen zusammen. Unser Konzept hat immer die große Überschrift Bildung, dahinter steckt auch, dass man sich ausprobiert und durchschaut, wie Medien funktionieren“, sagt Gunkel.

Beispiele sind etwa der Film „My Städtle“ über Esslingen, ein Musikvideo zu dem Song Happy

oder ganz aktuell ein Song und Musikclip von Mädchen einer Förderschule. „Das Wichtigste ist, dass die Teilnehmer zusammen mit unseren Experten die Medien erstellen.“

Vom Filmverleih zur Bildungseinrichtung

Ohne Zweifel übernimmt sie mit ihrem sechsköpfigen Team eine Arbeit, die an anderer Stelle offensichtlich verpasst wurde. Hinter einem Umwandlungsprozess wie dem des Landesfilmdienstes mit seiner 67-jährigen Geschichte steckt natürlich mehr als nur ein Motto. Gunkels Idee, den einstigen Verleih zu einer Bildungseinrichtung umzuwandeln, wurde vor acht Jahren noch mit einer gewissen Skepsis aufgenommen. Die studierte Betriebswirtschaftlerin musste sich durchsetzen, im Verein und später als Geschäftsführerin auch im Kultusministerium. Dort konnte sie überzeugen und bekam Mittel. Die Fördersumme hat sich in den letzten acht Jahren bis heute deutlich erhöht – auch daran sieht man, wie hoch das Ministerium die Arbeit des Hauses in Esslingen einschätzt. Der Landesfilmdienst setzt da an, wo es praktisch wird. „Das fängt im Kleinen an, etwa wie man mit dem Handy filmt und fotografiert, geht über soziale Medien, was ist wichtig zu beachten, was darf ich urheberrechtlich, was sollte ich besser lassen?“, so die 47-Jährige. „Medienkompetenz sollte eigentlich in den Schulen gelernt werden“, findet sie.

Warum Medienbildung so wichtig ist, erlebt sie täglich. „Was hinter Scripted Reality Formaten steckt, ist nicht jedem klar. Dahinter blicken ist das eine. Aber uns geht es auch darum aufzuzeigen, dass das oft kein Hexenwerk ist. Man kann lernen, wie man Drehbücher schreibt, wie Schnitte Inhalte verzerren können oder wie Musik und Bild zusammenwirken und vieles mehr. Und wenn die Teilnehmer am Ende stolz fragen, ob wir den Song oder Film mit ihren Namen veröffentlichen können, ist das der Ritterschlag für uns. Es gibt den Teilnehmern Selbstvertrauen, auch weil sie sich besser auskennen.“

In einem Clip stellt der Landesfilmdienst seine Bereiche vor:

Selbermachen, aktiv sein und nicht am Rand stehen und zugucken – Das Motto für den Landesfilmdienst ist auch Simones Gunkels Lebensmotto. Das Motto einer Kämpferin. Seit ihrer Kindheit hat sie eine Gehbehinderung. „Mir wurde früh gesagt, dass ich nie Fahrrad fahren oder schwimmen könnte. Ich habe mir immer gedacht, was die anderen können, das kann ich auch.“ Heute ist Gunkel begeisterte Radfahrerin und klettert in ihrer Freizeit. „Ich würde wahrscheinlich im Rollstuhl sitzen, wenn ich mir nicht immer wieder denken würde, mach’s selber und lern’ was dabei.“

Eine ihrer ersten Amtshandlungen als Geschäftsführerin war es, den Auszug von den alten Räumen in der Urbanstraße in Stuttgart anzugehen. „Das war überteuert, und wir hatten keinen Platz für Workshops. In Esslingen bin ich zum Glück fündig geworden.“

Angefangen hat sie mit ihrem Team hier auf einer Ebene, mittlerweile bespielt der Landesfilmdienst in dem Gebäude in der Neckarstraße das ganze Haus und hat die Räumlichkeiten liebevoll renoviert. Im Keller ist ein Tonstudio untergebracht, hier lagern Requisiten, die technische Ausrüstung und Filme, oben sind Schnittplätze, Büros, eine große Küche und Veranstaltungsräume.

„Wir wollen uns noch mehr öffnen und laden Menschen ein, die gerne etwas weitergeben wollen. Das kann auch ein Whisky-Tasting, eine Lesung oder ein Kunst-Workshop sein. Anfangen werden wir mal mit einem Karaoke-Abend. Platz haben wir ja jetzt genug.“

Hintergrund und Termine

Dachverband: Von insgesamt 16 Landesfilmdiensten bundesweit sind heute bei der Dachorganisation Konferenz der Landesfilmdienste noch sieben vertreten.

Kosten: Die Angebote sind mehrheitlich kostenlos. Vereinzelt werden Kurse für bis zu 25 Euro angeboten. Teilnehmen kann jeder, eine Mitgliedschaft im Verein ist nicht vorausgesetzt. Die Teilnahme einkommensschwacher Personen wird gefördert.

WorkshopAm 13. November um 18 Uhr veranstaltet der Landesfilmdienst Baden-Württemberg einen Workshop zum Thema „Krimihörspiel“. Neckarstraße 53, Esslingen.

Weitere Infos unter
www.lfd-bw.de und auf Facebook und Instagram.

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