Forschungsministerin Johanna Wanka wirbt für die duale Ausbildung. Foto: dpa

Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt passen nicht immer gut zusammen. Deshalb bleiben Lehrstellen unbesetzt und Bewerber ohne Ausbildung. Auch im Südwesten verschärft sich die Problematik. Wir leuchten aus, wo Lehrstellennot und Bewerbermisere am größten ist.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft und die Unternehmen im Südwesten tun sich zunehmend schwer, ihre Lehrstellen zu besetzen. Das haben sowohl das Bundesforschungsministerium als auch der baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag am Mittwoch mitgeteilt. Laut Berufsbildungsbericht gab es 2016 einen Höchststand mit 43 500 unbesetzten Ausbildungsplätzen in Deutschland; zugleich fanden 20 600 ausbildungswillige Bewerber bundesweit keinen Lehrbetrieb. Forschungsministerin Johanna Wanka erwartet, dass sich die Lage in den kommenden Jahren noch verschärft und begründete dies mit der guten Konjunktur auf der einen und den schrumpfenden Jahrgangsstärken bei den Schulabgängern auf der anderen Seite.

Für die Südwest-Wirtschaft verschärft sich der Fachkräftemangel

Laut Bundesinstitut für Berufsbildung war auch der Ausbildungsmarkt im Südwesten unausgeglichen. 2016 blieben etwa in Balingen 15,3 Prozent der Lehrstellen unbesetzt, in Konstanz-Ravensburg waren es 12,8 Prozent. In Stuttgart, Ulm, Waiblingen und Freiburg blieb jeder zehnte Ausbildungsplatz offen. Mannheim und Heilbronn schnitten mit nur 3,9 beziehungsweise vier Prozent unbesetzt gebliebenen Lehrstellen am besten ab. Trotz des großen Angebors gingen auch viele Bewerber leer aus: In Waiblingen fand mehr als jeder fünfte Jugendliche keinen Ausbildungsplatz, in Heidelberg waren es mehr als 17 Prozent, in Stuttgart waren es zwölf Prozent.

Vor allem Kleinbetriebe sind frustriert und verzichten schon auf Ausbildungsangebote

Ministerin Wanka hält die reagionale Unwuchten und die Passprobleme zwischen Lehrstellenangebot und Bewerbernachfrage für ein zentrales Problem. „Jugendliche haben selten so gute Chancen auf einen interessanten Ausbildungsplatz und attraktive Berufsperspektiven gehabt wie heute“, betonte sie. Dennoch blieben Stellen offen und Bewerber unversorgt, obwohl im statistischen Mittel 104 Lehrstellen auf 100 Schulabgänger kommen. Vor allem Klein- und Kleinstbetriebe fühlten sich unterdessen häufig entmutigt und verzichteten auf weitere Ausbildungsangebote, weil sie jahrelang keine Bewerbungen mehr erhalten hätten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezifferte diese Zahl auf 14 000 Betriebe.

Die Südwest-Wirtschaft stellt sich darauf ein, dass der Fachkräftemangel noch gravierender wird. Bis zum Jahr 2030 werden nach einer Prognose des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertages in Stuttgart jährlich im Schnitt 257 000 Fachleute fehlen. 2016 rechnete die Organisation noch mit einer Lücke von 240 000 Fachkräften. „Viele Unternehmen suchen schon heute händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern“, sagte Marjoke Breuning, IHK-Chefin der Region Stuttgart. Aktuell fällt der Fachkräftemangel mit 57 000 Menschen laut ihren Angaben noch relativ gering aus. Die größten Engpässe werden 2030 in den Regionen Stuttgart und Karlsruhe sowie im Nordschwarzwald erwartet.

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