Heimat ist in Deutschland ein immer noch etwas sperriger Begriff. Foto: Frank Eppler

Der Winnender Kunstsalon besteht seit 20 Jahren. Zur Feier des Jubiläums gibt es eine Ausstellung im Rathausfoyer. Das Thema, passend zu den Heimattagen: Heimat und miteinander leben.

Winnenden -

Wenn der Winnender Kunstsalon zur Vernissage einlädt, ist volles Haus garantiert. Und so war der Andrang im Foyer des Rathauses groß, als die Künstler aus Anlass des 20-jährigen Bestehens ihrer Gruppe zur Jubiläumsschau baten. Passend zu den Heimattagen, die dieses Jahr in der Stadt gefeiert werden, hat die Ausstellung den Titel „Heimat und miteinander leben“. Die zwölf beteiligten Künstlerinnen und Künstler haben dazu unterschiedlichste Arbeiten aus ihrem Fundus beigesteuert, sowohl was die Techniken angeht, als auch ihre Vorstellungen von Heimat.

Eva Schwanitz hat den Winnender Kunstsalon ins Leben gerufen und zwar in ihrer eigenen Wohnung. Dort traf man sich, wie es der Name schon verrät, im Salon, diskutierte über alles Mögliche, plante und organisierte gemeinsame Ausstellungen.

Zwölf Künstler stellen aus

Die Kulturamtsleiterin Sybille Mack erinnerte in ihrer Begrüßung zur Jubiläumsvernissage an die Anfänge: „Seit 2016 gibt es den Off Space in der Unterführung am Kronenplatz.“ Nicht leicht zu bespielen sei dieser Off Space, doch es sei dem Kunstsalon ein ums andere Mal gelungen, Spektakuläres in die Beton-Tristesse zu zaubern.

„Zum Begriff Heimat haben wir Deutschen ein gebrochenes Verhältnis“, betonte Eva Schwanitz in ihrer Einführung zur Jubiläumsausstellung. Im Deutschland des 20. Jahrhunderts wurde der Begriff bekanntlich von den Nazis auf das Scheußlichste missbraucht, was bis heute Auswirkungen hat. Schwingt doch beim Thema Heimat auch immer der Gedanke von der Ausgrenzung jener mit, die offenbar nicht dazu gehören.

„Nur in der Fremde ist der Fremde ein Fremder“, zitierte die Künstlerin dazu Karl Valentin. In ihrem eigenen Beitrag zur Ausstellung zeigt Eva Schwanitz, welches Resultat Ausgrenzung haben kann. Zwei hochformatige Holzschnitte, einer in weiß-schwarz, der andere in rot-schwarz, zeigen zum einen das Dachgebälk der Stadtkirche, zum anderen einen Schützengraben. Die Kirche als ein Wahrzeichen der Stadt steht für Heimat, der Graben für den Krieg, ein Resultat von Feindschaft unter Fremden.

Heimat aus der Vogelperspektive

Die aus Tschechien stammende Künstlerin Jaro Benoni hat zwei Landschaften aus der Vogelperspektive mitgebracht. Eines zeigt das Dorf ihrer Großmutter, wo sie als Mädchen die Ferien auf dem Land verbrachte. „Sieht sehr idyllisch aus, aber Wein wird da nicht angebaut“, meinte ein sachkundiger Betrachter augenzwinkernd.

Das andere Bild zeigt eine Stadt von oben, geometrisch angeordnete Häuserblöcke und Grünzonen, alles etwas unscharf. Nur ein Eckhaus, ein großes Gebäude und ein Park sind messerscharf dargestellt. „Da hat sie sicher gewohnt, das ist der Spielplatz und dort die Schule. Und das ist der Weg dahin“, deuten ein paar Ausstellungsbesucher das Bild. Die Gebäude sind durch eine gestrichelte rote Linie miteinander verbunden.

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