Gewusst wie: Aus alten Büchern werden beeindruckende Kunstwerke. Foto:  

Schüler und Patienten des Winnender Schlosses schaffen gemeinsam erstaunliche Werke. Zum 21. Mal sind Jugendliche dazu für eine Woche zu Gast im Psychiatrischen Landeskrankenhaus. Die Klinik will damit mehr Transparenz schaffen und Vorbehalte in der Bevölkerung abbauen.

Winnenden - Die weißen Figuren auf der Bühne fallen sofort ins Auge, sobald man den Festsaal des Winnender Schlosses betritt. Filigran sind sie und wie in der Bewegung eingefroren. Eine lässt einen Drachen an einer Schnur steigen, eine andere hält ihren Regenschirm mit beiden Händen fest, der von starkem Wind umgeklappt wird. Wieder eine andere Figur erinnert an Marilyn Monroe in dem Film „Das verflixte siebente Jahr“, weil ihr der Wind den Rock lüpft.

Zwei Lehrerinnen sind von Anfang an dabei

Aus Draht, Drahtgeflecht, Zeitungspapier und Gipsbinden sind die Figürchen gefertigt. Ihre Schöpfer sind bereits mit einem neuen Projekt beschäftigt. Still ist es im Festsaal des Winnender Schlosses, konzentriert arbeiten Patientinnen des Zentrums für Psychiatrie zusammen mit Schülerinnen und Schülern der achten und neunten Klassen der Geschwister-Scholl-Realschule. „Das ist eine ganz andere Atmosphäre hier. Statt des üblichen Tohuwabohus unter den Schülern arbeiten hier alle ganz ruhig und konzentriert“, sagt die Lehrerin Cornelia Fischer, die zusammen mit ihrer Kollegin Barbara Obermüller eine der fünf Gruppen des diesjährigen Kunstprojekts im Schloss anleitet. „Wir sind von Anfang an mit dabei, das ist für uns ein fester Termin.“

Von Anfang an, das heißt seit 21 Jahren. Christiane Pust vom Sozialdienst des Krankenhauses hat das Projekt damals ins Leben gerufen, um damit Vorbehalte gegenüber der Psychiatrie abzubauen. Mit Erfolg. „Wir spüren, wie die Vorurteile, die zum Teil vorhanden sind, schnell kleiner werden“, sagt Fabienne Kolwe, die zusammen mit ihrer Kollegin Caren Hammer dieses Jahr die Leitung übernommen hat. Christiane Pust ist im vergangenen Frühjahr in den Ruhestand getreten.

Bei „30 Blätter“ haben die Teilnehmer freie Hand

Dieses Jahr herrsche eine fast kontemplative Stimmung in den Gruppen, befinden die beiden Mitarbeiterinnen des Sozialdienstes. „Die Gruppen sind ein bisschen kleiner als sonst, wodurch die Atmosphäre entspannter ist“, sagt Fabienne Kolwe. 43 Schüler der Kastenschule, der Schule beim Jakobsweg und der Geschwister-Scholl-Realschule teilen sich mit 22 Patienten die fünf Gruppen, die von Lehrern der Schulen und Mitarbeiterinnen des Schlosses angeleitet werden.

Eine Gruppe hat freie Hand, was sie wie gestalten will. Nur das Format der „30 Blätter“ ist auf DIN A5 beschränkt. „Es gibt bei dem Konzept keine Vorgaben zu Motiven oder Techniken. Man darf an jedem Tag neu beginnen oder an einem Blatt weitermachen. Und wenn man es zwischendurch komplett weiß streicht“, sagt Eva Schellhorn, die wie ihre Kollegin Katharina Stadlbauer in Nürtingen Kunsttherapie studiert.

Ausstellung und Verkauf am Wochenende

Bis Freitag wird noch gearbeitet. So werden im Spielehaus im Schlossgarten Neues aus alten Büchern gefaltet und im Schloss mit Acrylfarben gemalt und Linolschnitte angefertigt. Am Freitag beginnt dann um 11 Uhr die große Ausstellungseröffnung im Festsaal.

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