Jedes Jahr bringen Abschlussklausuren jede Menge Stress für die Abiturienten. Foto: dpa/Sebastian Kahnert

Jetzt haben die Kultusminister es doch geschafft und sich auf einheitlichere Standards für die Oberstufe und das Abitur verständig. Das ist nicht die einzige weitreichende Innovation, auf die die Länder sich geeinigt haben.

Stuttgart - Die Länder haben sich auf mehr Gemeinsamkeit beim Abitur, auf eine wissenschaftliche Beratungskommission für Bildungsfragen und bessere Statistiken verständigt. Das haben die Vorsitzende der Kultusministerkonferenz Stefanie Hubig (SPD) aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württembergs Schulministerin Susanne Eisenmann (CDU) und der Hamburger Bildungssenator Ties Rabe (SPD) nach einer virtuellen Sitzung erklärt. Dabei wurde über eine Ländervereinbarung beraten, in der eine gemeinsame Grundstruktur des Schulwesens und eine gesamtstaatliche Verantwortung der Länder festgehalten wurde.

Bis 2025 soll das Abi einheitlicher gestaltet werden

Einen der wichtigsten Schwerpunkte haben die Kultusminister bei der Reform des Abiturs innerhalb der nächsten fünf Jahre gesetzt. Dabei sollen nicht nur die Prüfungsaufgaben Zug um Zug vereinheitlicht werden. Überprüfen will man zudem nicht nur die schon geltenden gemeinsamen Bildungsstandards für die Oberstufe (bis 2022), sondern auch für den Unterricht in den letzten beiden Schuljahren „eine genaue Anzahl verpflicht zu belegender und in die Gesamtqualifikation einzubringender Fächer einschließlich ihrer Gewichtung“ festlegen (bis 2023). In Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch soll (bis 2023) in Biologie, Chemie, Physik (bis 2025) sichergestellt werden, dass die Abituraufgaben zu 50 bis 100 Prozent aus einem gemeinsamen Aufgabenpool stammen – verändert werden dürfen sie dann, anders als bisher, nicht mehr.

Eine Kommission soll die Länder beraten

Zweiter Hauptpunkt ist die Einsetzung einer wissenschaftlichen Kommission, die die Länder beraten soll. Diese Kommission haben die Länder angekündigt, um einen Nationalen Bildungsrat zu verhindern, den die große Koalition im Bund im Koalitionsvertrag vereinbart hat.

Seit langem steht der Föderalismus wegen der großen regionalen Unterschiede zwischen den Schulen in Deutschland in der Kritik. Mit der jetzt beschlossenen Grundlagenvereinbarung wollen die Länder in allen Bereichen des Schulwesens für mehr Gemeinsamkeit sorgen. Das geht über die bisherige Grundlage hinaus, das so genannte Hamburger Abkommen aus dem Jahr 1964, mit dem die Kultusminister eine gewisse Einheitlichkeit des Schulsystems herstellen wollten. Wichtig ist auch, dass die Länder bessere und vergleichbare Statistiken führen wollen.

Zahlen sollen einheitlich erfasst werden

Allein im Blick auf die Lehrerversorgung, wo die Bedarfsprognosen regelmäßig daneben lagen, ist die Bedeutung dieses Punkte nicht zu unterschätzen. Bei der Digitalisierung wollen sie bis 2025 sicherstellen, dass digitale Lehr- und Lernmittel für alle Klassenstufen und Fächer verfügbar sind. Die KMK-Chefin Stefanie Hubig sprach von einem Beschluss, der „den Bildungsstandort Deutschland nachhaltig stärken“ werde. Die Südwest-Kultusministerin Eisenmann und ihr Kollege Rabe betonten, die Einigung schaffe mehr Verbindlichkeit und Vergleichbarkeit.

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