Cameron Carpenter kommt mit der Academy of Saint Martin in the Fields ins Waiblinger Bürgerzentrum. Foto: Stadt Waiblingen

Das Kulturprogramm im Waiblinger Bürgerzentrum bietet in dieser Saison Klassisches und Innovatives – auch mal gegen den Strich gebürstet.

Waiblingen - Eine Kultband, die nach eigenem Bekunden „Blechmusik für alle Lebenslagen“ spielt. Ein junger Wilder mit Punkfrisur, der sich ausgerechnet an einer Orgel austobt – und das in Begleitung des weltberühmten Londoner Kammerorchesters Academy of Saint Martin in the Fields. Und ein „postmigrantisches“ Theater-Ensemble aus Berlin, das auf witzig-gnadenlose Weise das Miteinander verschiedener Kulturen und Religionen auf die Bühne bringt – Vorurteile, Stereotype und Missverständnisse inklusive. Das sind nur drei von vielen Events, die das Kulturamt Waiblingen in der aktuellen Saison im Bürgerzentrum anbietet.

Jennifer Lindenberger vom Kulturamt und ihr Vorgesetzter Thomas Vuk sind gespannt, wie das neue Programm beim Publikum ankommt. Letzteres besteht längst nicht mehr nur aus Menschen, die im Raum Waiblingen zu Hause sind. „Es kommen auch immer mehr Leute aus Stuttgart hierher“, sagt Thomas Vuk, der neben dem hochklassigen Angebot die vergleichsweise günstigen Preise als Grund dafür sieht.

„Der Vorverkauf läuft bislang richtig gut“, erzählt der Kulturamtsleiter. Als wirkliche Blockbuster habe sich beispielsweise die eingangs erwähnte österreichische Blechbläserband Mnozil Brass erwiesen, die eine äußerst unterhaltsame Bühnenshow abliefere, erzählt Jennifer Lindenberger. Auch die Kombination des jungen Organisten Cameron Carpenter mit der Londoner Academy of Saint Martin in the Fields komme schon gut an, obwohl das Konzert erst im Mai stattfindet.

Ein Abend mit Bildern und Musik

Zur neuen Musiker-Generation zählt auch der einst als Wunderkind gefeierte Pianist Nikolai Tokarev, der im April bereits zum zweiten Mal in Waiblingen vorbeischaut; dieses Mal im Rahmen eines Klavierkonzerts der etwas anderen Art, in dem neben Musik des russischen Komponisten Modest Mussorgsky Spracheinspielungen und Videos eine Rolle spielen.

Bei diesem multimedialen Abend unter dem Motto „Klang sehen – Farbe hören: Kandinsky trifft Mussorgsky“ handle es sich nicht um Effekthascherei, betont Jennifer Lindenberger. Vielmehr habe Mussorgsky seinen Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ 1874 unter dem Eindruck von Bildern des Malers Victor Hartmann komponiert. Ein halbes Jahrhundert später inspirierte das Werk wiederum Wassily Kandinsky zu neuen Bildern und einem synthetischen Gesamtkunstwerk, das im Bürgerzentrum Waiblingen nach den Originalentwürfen inszeniert wird.

Doch auch das gesprochene Wort kommt nicht zu kurz. „Vorhaut“ heißt das Stück, welches das Berliner Ensemble Ballhaus Naunynstraße am 8. Dezember in Waiblingen spielt. Die Farce komme harmlos daher, im Stil des Boulevardtheaters, habe aber ordentlich Tiefgang. Auf der Geburtsstation eines Berliner Krankenhauses fetzt sich eine deutsch-türkische Großfamilie über das Thema Beschneidung – witzig, politisch unkorrekt und ziemlich entlarvend, so dass dem Zuschauer manches Mal das Lachen im Hals stecken bleibt.

Iris Berben liest Gedichte

Mit „Die Dinge meiner Eltern“ ist bereits am 11. November ein Schauspiel zu sehen, welches die Themen Familie und Kindheit aufgreift. „Das Stück betrifft jeden von uns“, sagt Jennifer Lindenberger über das Solo-Stück mit Gilla Cremer. Die Schauspielerin tritt darin als Tochter auf, die das Haus der verstorbenen Eltern ausräumen muss. Auf Schritt und Tritt begegnen ihr Erinnerungen und Emotionen, von Melancholie über Lachen bis zur Wut.

Wer die Kombination von Wort und Ton schätzt, ist beim gemeinsamen Auftritt der Schauspielerin Iris Berben und des bekannten Pianisten Michael Stadtfeld richtig: Am 18. November liest Berben die hoffnungsvollen Gedichte der jüdischen Dichterin Selma Meerbaum-Eisinger, Stadtfeld liefert die passende Musik dazu.

Am 20. Januar treten die Schauspielerin Katja Riemann und ein DJ bei einer szenischen Lesung mit moderner Musik im Bürgerzentrum auf. Thema des Abends ist ein Bestseller: „Sofies Welt“. Jostein Gaarders Roman über die Geschichte der Philosophie als szenische Lesung mit Musik – das dürfte ein interessanter Schnellkurs für junge und ältere Besucher sein.

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