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Ralph Trepl eröffnet am Samstag im Bürgerhaus Möhringen seine erste Einzelausstellung. Der gebürtige Stuttgarter arbeitet bevorzugt mit Acryl, da die Farbe schnell trocknet und eine schöne Leuchtkraft entwickelt.

Möhringen - Rot, Orange, Gelb, ein bisschen Blau dazwischen: auf der Leinwand explodieren die Farben geradezu. So war es naheliegend, dass Ralph Trepl seine erste Einzelausstellung mit der Überschrift „Farben!“ versehen hat. Kräftige, leuchtende Farben sind in seinen Arbeiten zu sehen, das Ausrufezeichen des Ausstellungstitels kommt nicht von ungefähr. Dabei ist der 1962 in Stuttgart geborene Hobbymaler kein auftrumpfender Mensch, doch die Begeisterung für bunte Bilder hat ihn seit einigen Jahren gepackt und nicht mehr losgelassen. Von Samstag, 17. Oktober, an ist seine erste Einzelausstellung im Bürgerhaus Möhringen zu sehen.

Die Laudatio bei der Vernissage wird Willi Trepl halten. Der über 80 Jahre alte Vater des Künstlers ist eigentlich schuld an der neuen Ausstellung des Kunstkreises Möhringen im Bürgerhaus. Willi Trepl, selbst Zeichner und Maler, der auf Porträts und Aktmalerei spezialisiert ist und gemeinsam mit Gisela Abt den Kunstkreis gegründet hat, musste lange darauf warten, dass sein Sohn den Pinsel in die Hand nahm. An einem Abend im Dezember 2005 versuchte sich Ralph Trepl in seinem Domizil im bayerischen Hechendorf an seinem ersten Bild – und war selbst überrascht von dem Ergebnis.

Ein Abend im Dezember änderte vieles

Durch den Vater ist Ralph Trepl frühzeitig mit Kunst in Berührung gekommen. Gemeinsam besuchten sie Ausstellungen und Galerien, das Wohnhaus hing immer voller Bilder. Doch der Sohn ging zunächst andere Wege, studierte Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft in München und ließ sich auf dem Land in der Nähe des Ammersees nieder. Anfang der 80er-Jahre begann er mit der Fotografie und veröffentlichte seine Aufnahmen in Zeitschriften. Er lichtet Möbel und andere Produkte für Firmen ab oder erstellt Landschaftsaufnahmen wie eine Serie über Gletscher. „Auch beim Fotografieren war mir immer die Farbe wichtig“, sagt er und zeigt seine jüngsten Aufnahmen vom Münchner Oktoberfest unter einem strahlenden weiß-blauen Himmel.

An diesem alles entscheidenden Dezemberabend nahm er die Aquarellfarben der Freundin und malte sein erstes abstraktes Bild. „Meinem Vater hat das auf Anhieb gefallen. Er hat es gerahmt und mein Gefühl für Farben und Farbkomposition gelobt“, erzählt Trepl. Das war der Anfang, zunächst entstanden kleinere Formate mit leuchtenden Acrylfarben. Erste Arbeiten wurden in einer Gesamtausstellung des Kunstkreises Möhringen gezeigt. Auf Rat des Vaters aber wechselte er Anfang 2014 das Format auf 80 mal 100 Zentimeter, und die Bilder wurden „großzügiger und wilder“, wie er sagt. Seitdem sind fast 100 Arbeiten entstanden, von denen etwa 70 in Möhringen zu sehen sind. „Das war wie ein Schalter, der umgelegt wurde“, erinnert sich Trepl.

Er arbeitet bevorzugt mit Acryl, da die Farbe schnell trocknet und eine schöne Leuchtkraft entwickelt. In weit ausholenden Bewegungen bearbeitet er die Leinwand mit Pinsel und Spachtel. Die Bewegung geht fast immer von oben nach unten, und die ganz eigene Dynamik der Bilder erfordert große Konzentration, einen Tunnelblick, wie Trepl selbst es beschreibt. Auch körperliche Kraft setzt der groß gewachsene Mann beim Malen ein.

Das Malen bleibt ein Hobby

Für den Hobbymaler, der als freiberuflicher IT-Berater sein Geld verdient, ist die Malerei ein passender Ausgleich. Während er im IT-Bereich analytisch und strukturiert denken muss, um für Klarheit und Benutzerfreundlichkeit von Softwareprogrammen zu sorgen, darf er beim Malen intuitiv und aus dem Gefühl heraus arbeiten. Beides scheint ihm zu liegen. Vater Willi Trepl, der selbst eher ein Kopfmensch ist, findet diese Spontaneität faszinierend. Er selbst, der ein anerkannter Maler ist, hätte solche Bilder nicht malen können, hat er einmal zu seinem Sohn gesagt.

Doch es gibt noch andere Vorbilder, auf deren Spuren Trepl wandelt. Da ist die Stuttgarterin Ida Kerkovius, bekannt für ihre leuchtenden Farben. In München gehört Helmut Sturm dazu, Mitbegründer der Gruppe S.p.u.r. und Vertreter des abstrakten Expressionismus. Auch der gebürtige Stuttgarter Walter Stöhrer gehört dazu: „Seine Dynamik, das Wilde, Verrückte, das Expressive hat mich immer fasziniert“, erzählt Trepl. Action-Painting und die informelle Kunst mit ihrem Prinzip der Formlosigkeit dienen ihm als Inspiration. Seine eigenen Bilder entstehen nach einem inneren Gefühl, aus einem Impuls heraus. Daher werden sie auch nur mit dem Entstehungsdatum versehen, Titel gibt es bei Ralph Trepl nicht. Die Betrachter, so findet Vater Trepl, können in den Bildern spazierengehen, die Farben bringen Gefühle zum Klingen.

So viel Lob freut den Sohn natürlich und spornt an. „Was mich in Zukunft reizen würde, sind noch größere Formate“, sagt Ralph Trepl.

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