Naemi Zoe Keuler ist sich sicher: Kinder profitieren in vielerlei Hinsicht vom Theater spielen. Foto: Kulturkabinett

Das Kulturkabinett bekommt für sein Theater- und Sprachprojekt „Wenn Francesca spielen will“ 15 000 Euro aus dem Innovationsfonds Kunst des Landes.

Bad Cannstatt - Wer regelmäßig auf der Bühne steht, lernt nicht nur mit seinem Lampenfieber umzugehen. Gerade Kinder würden in vielerlei Hinsicht vom Theater spielen profitieren, meint Naemi Zoe Keuler, die Geschäftsführerin des Kulturkabinetts (KKT). Das sehen auch andere so, die Cannstatter Kultureinrichtung bekommt für ihr Theater- und Sprachprojekt „Wenn Francesca spielen will“ 15 000 Euro aus dem Innovationsfonds Kunst des Landes.

Das KKT kooperiert schon länger mit dem Kinder- und Familienzentrum Francesca an der Augsburger Straße. Zu der Einrichtung der Sankt Josef gGmbH gehört sowohl eine Kindertagesstätte als auch ein Hort. Grundschüler und Vorschulkinder hatten bereits in der Vergangenheit Gelegenheit im KKT Theater zu spielen. Allerdings zeitlich immer nur sehr begrenzt, die Kita-Kinder für ein Jahr, die Grundschüler für eine Woche. Das soll sich jetzt ändern.

Für Dezember 2015 ist dann ein Kindertheatertag geplant

Das Projekt „Wenn Francesca spielen will“ ist auf gut zwei Jahre angelegt. Es startet für die knapp 20 Kita-Kinder am 3. Februar und für die rund 18 Schüler der ersten und zweiten Klasse mit einem Schnupperkurs nach den Osterferien. Anschließend werden zwei Theaterpädagogen des KKT einmal pro Woche zwei Stunden lang mit den Kindern arbeiten, am Ende jedes Quartals gibt es eine Aufführung. Neben den Erziehern sollen vor allem auch die Eltern mit ins Boot geholt werden, wie Keuler betont.

Für Dezember 2015 ist dann ein Kindertheatertag im Cannstatter Kursaal geplant. Verschiedene Kindertheatergruppen sollen sich dort präsentieren und austauschen. „Wir wollen etwas Nachhaltiges schaffen“, so Keuler. Der Kindertheatertag soll zu einem fixen Termin im Kalender des Stadtbezirks werden.

79 Prozent der Kinder wachsen mehrsprachig auf

Keuler freut sich über die finanzielle Unterstützung aus dem Innovationsfonds. Sie ist davon überzeugt, dass das Geld gut investiert ist. Die Kinder würden beim Theater lernen frei zu sprechen. Das helfe nicht nur bei jedem Referat, es sei auch ein wichtiger Schritt in Richtung Integration. Immerhin wachsen rund 79 Prozent der Kinder im Familienzentrum mehrsprachig auf. Doch beim Theater geht es nicht nur um die Sprache. Es wird musiziert, die Kostüme werden selbst gebastelt und die Kinder lernen im Team zuarbeiten. „Theater geht nicht allein“, sagt die Geschäftsführerin des KKT. Schließlich stärkt der Auftritt vor Publikum auch das Selbstbewusstsein.

Manchmal kann Theater aber noch mehr: Keuler erzählt von einem Mädchen aus Bosnien. Die Fünfjährige, die gemeinsam mit den anderen Kindern des Familienzentrums ins KKT kam, habe kein Wort Deutsch gesprochen. Aber: „Sie konnte super Tanzen“, erinnert sich Keuler. Und so sei das Mädchen nicht zum Außenseiter geworden. Sie war fest in das Theaterstück integriert und mit der Zeit klappte es auch mit der Sprache.

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