Wieder ein anspruchsvoller Kurs: Kübelesrennen in Bad Cannstatt Foto: Lichtgut/Piechowski/Schmidt

An Altweiberfasching herrscht in Bad Cannstatt Ausnahmezustand. Tagsüber verkaufen Eisbären Matjesbrötchen und Hühner Eier. Am Abend fährt die CDU beim Kübelesrennen einen Doppelsieg ein.

Stuttgart - Das als Maus verkleidete Mädchen drückt sich kurz fest an ihre Mama, als die Felbe auf sie zukommt. Aus Angst vor der Maske will die Kleine gar nicht hinschauen. Doch dann zieht der Hästräger einen Lolli aus der Tasche und das Mäuschen ist entzückt. Solche putzigen Szenen spielen sich nach dem Felbentanz beim Närrischen Wochenmarkt zwischen Stadtkirche und dem Alten Rathaus in Cannstatt ab. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Lumpenkapelle heizt den Zuschauern ein und hilft beim Warmschunkeln, denn die Sonne lässt sich nicht blicken an diesem Schmotzigen Donnerstag.

Ein ganz anderes Treiben herrscht am Abend beim Kübelesrennen. Jedes Team besteht aus drei Teilnehmern. Einer im Kübel, einer der ihn schiebt und einer, der das Schild der Narrenzunft trägt. Der Kurs ist wie immer anspruchsvoll. Im Rennbüro sitzt Werner Rietschke und wacht über die Mannschaftslisten und Zeiten. Er muss sich das Lachen verkneifen, weil ausgerechnet das Teams vom Polizeirevier 6 disqualifiziert werden musste. „Die haben ein bisschen geschummelt“, sagt Rietschke. Einen Doppelsieg gab es für die CDU-Gemeinderatsfraktion, die sowohl bei den Frauen rund um Beate Bulle-Schmid als auch bei den Männern mit Cornelius Kübler dominierten und das beste Gespür für das wacklige Gefährt hatten. Der FDP-Kreisverband mit Judith Skudelny landete auf Platz 14 – für die SPD mit Martin Körner reichte es nur für Rang 27 unter 30 Startern. Bei den gemischten Mannschaften war die Eichendorffschule mal wieder am schnellsten. Sie hatten schon 2016 gewonnen.

Der Büttel und die Bütteline

Zurück in den Nachmittag: Der Cannstatter Büttel und seine Bütteline geben alles auf der Bühne und stimmen immer wieder den Narrenruf „Älles frisch“ ein. Es ist der 33. Wochenmarkt und passend zur Schnapszahl kann man an einigen Ständen auch Obstbrände oder Eierlikör verkosten. Überhaupt haben sich die Marktbeschicker samt ihre Stände aufgebrezelt mit neckischen Kostümen und bunten Girlanden. Kristof Romanczuk verkauft seine Matjesbrötchen am Fischstand im Kostüm eines Eisbärs und wird von Eskimofrauen unterstützt. Und wenn man am Stand vom Hof Leutenecker vorbeikommt fällt einem der Ohrwurm „Ich wollt ich wär ein Huhn“ ein“, denn selbige bringen an der Altweiberfasnet ihre Eier unter die Leute. Selbst die Sträuße bei Blume Steinle leuchten noch ein bisschen bunter, wenn sie von lustigen Clowns verkauft werden.

Die Kälte macht nichts aus

Zahlreiche Narrengruppen stürmen die Bühne. Die Remshexen grooven sich wie jedes Jahr in Cannstatt auf die Fasnet ein, um dann um 18 Uhr in Waiblingen das Rathaus zu stürmen. Die Kälte macht ihnen nichts aus – schließlich stürzen sie sich am Fasnetdienstagabend zum Schluss der Session in den eiskalten Rems. Aber daran wollen sie jetzt nicht denken.

Fastnacht ist aber auch immer politisch und so werden sich die Schüler über eine Forderung der Bütteline wohl ziemlich freuen: „Es gehört längst abgeschafft, dass die Kinder am Schmotzigen Dunschdig noch in die Schule müssen.“

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