Immerhin eine gute Nachricht: Rebellen haben 300 Kindersoldaten frei gelassen. Foto: worldvision

Der Südsudan ist als jüngster Staat der Welt immer noch vom Bürgerkrieg erschüttert – und von tiefer Armut geprägt. Der Markgröninger Rainer Gessler war dort, um beim Brunnenbauen zu helfen.

Juba - Von guten wie von schlechten Nachrichten wird die Wiederaufnahme der südsudanesischen Friedensverhandlungen in Addis Abeba (Äthiopien) vor einer Woche begleitet. Einerseits hat die UN-Mission kürzlich im Südsudan die Freilassung von 224 Jungen und 87 Mädchen in Yambio im Südwesten gemeldet, die von zwei bewaffneten Gruppen als Kindersoldaten rekrutiert worden waren. In den nächsten Wochen sollen weitere 700 Kinder freikommen. Andererseits hat am Montag die Verurteilung eines führenden Oppositionellen zum Tode im Südsudan die Gespräche außerordentlich belastet,wie der Evangelische Pressedienst berichtet.

Todesurteil wegen Hochverrat

James Gatdet Dak, der frühere Sprecher von Ex-Vizepräsident und Rebellenführer Riek Machar, kann gegen die Verurteilung wegen Hochverrat zwar vor dem Obersten Gerichtshof in Berufung gehen, gelingt ihm die Revision aber nicht, wird es gefährlich für ihn. Der Südsudan vollstreckt Todesurteile. Das Urteil gegen Dak strahlt auch auf Kenia aus, dessen Regierung den politischen Flüchtling Dak in den Südsudan ausgeliefert hatte. Aber auch sonst scheinen die Friedensgespräche zäh zu verlaufen, mal lehnten Regierungsvertreter es ab, einen Punkt „Sanktionen“ gegen mögliche Blockierer des Friedensprozesses zuzustimmen, mal setzten Rebellenvertreter die Gespräche aus, da sie über Angriffe der Armee auf ihre Stellungen klagten.

Besonders das Thema Sanktionen scheint im Südsudan ein heikler Punkt zu sein, und der Zorn auf die USA ist derzeit in Juba groß, da Washington einseitig ein Waffenhandelsembargo gegen die Regierung von Präsident Salva Kir verhängt hat. Der Südsudan berief daraufhin seinen US-Botschafter ab, in Juba wurde eine amerikanische Journalistin auf offener Straße von einem Mob verprügelt. Seit Jahren hält ein immer wieder aufflackernder Bürgerkrieg den erst 2011 gegründete Staat in Atem – die großen Ethnien der Dinka und der Nuer bekriegen sich. Das äußert sich auch immer wieder in brutalen Viehdiebstählen, die viele Todesopfer fordern. Ein im letzten Jahr geschlossener Vertrag über die Einstellung der Feindseligkeiten zwischen den Regierungstruppen von Salva Kir, einem Dinka, sowie den Anhängern des nach Südafrika ins Exil geflohenen Ex-Vizepräsidenten Riek Machar, einem Nuer, wird immer wieder gebrochen.

Von Fortschritt ist in der Hauptstadt nichts zu erkennen

Von Fortschritt ist in der Hauptstadt Juba nichts zu erkennen, ausländische Investoren scheuen die Korruption, sowie die Unsicherheit. Die Bevölkerung drangsalierende, weil schlecht oder nicht bezahlte Soldaten, erhöhen das Risiko. Nur die Villen der Elite und einige Luxushotels, in denen angeblich reiche Ministersöhne gelegentlich Dollar zum Spaß verbrennen, sind Anzeichen der Moderne. Seit heftigen Kämpfen in Juba sind die Straßenlaternen zerstört, Dieselgeneratoren brummen, nachts liegt die Stadt im Dunkeln, gelegentlich sind Schüsse zu hören. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat der Regierung in Juba kürzlich ein vernichtendes Urteil ausgestellt: Er habe „noch nie eine politische Elite gesehen, die so wenig Interesse am Wohlergehen der eigenen Bevölkerung zeigt“. Sowohl der ostafrikanische Regionalverband IGAD als auch eine Troika genannte Ländergruppe mit den USA, Großbritannien und Norwegen treten im Südsudan als Vermittler auf. Selbst von der Afrikanischen Union war der Druck auf „alle die den Frieden blockieren“ erhöht worden. Auch für Kir war dies ein deutlicher Fingerzeig, sich an den Friedensgesprächen in Addis zu beteiligen. Sanktionen, wie sie im Falle von Burundi schon funktioniert haben sollen – waren im Gespräch: das Einfrieren von Konten und ein Reiseverbot für Verantwortliche.

Fast vier Millionen Menschen sind vertrieben worden

Das Land verharrt wegen der Kriegslage noch im Stillstand. Der Hunger trifft einen Großteil der Bevölkerung. Zwei Millionen der zehn Millionen Südsudanesen sind in Nachbarländer geflohen, weitere 1,9 Millionen sind im Land selbst vertrieben. Der Südsudan hat mit 68 Prozent die dritthöchste Analphabetenrate der Welt. Das liegt nicht nur an fehlenden Lehrern. „Mädchen zum Beispiel haben gar keine Zeit zum Schulbesuch, die laufen stundenlang zum Wasserholen“, berichtet Rainer Gessler aus Markgröningen, der gerade für den Hilfsverein International Aid Services den Südsudan bereist hat. Die Entfernungen zur nächsten Quelle betrügen zum Teil fünf Kilometer, in einigen Regionen wie dem Bahr a-Ghazal gar bis 15 Kilometer. Der IAS-Verein hilft im Südsudan mit dem Bohren von bis zu 100 Meter tiefen Brunnen. Das Bohrmaterial wird per Flugzeug – der Luftweg ist am sichersten – transportiert. Das Land sei grün und regenreich, so Gessler, aber die Quellen seien oft verdreckt, das Wasser „milchig trüb“.

Gessler hat auch ein Flüchtlingslager in Norduganda besucht, dort sei die Versorgungslage so schlecht, dass viele Sudanesen wieder in ihre Heimat wollten. Einen politischen Hoffnungsschimmer kann Gessler immerhin erkennen: Der frühere BBC-Korrespondent Alfred Taban, eine unabhängige Stimme im Land, der gute Kontakte zur Opposition hat, sei vom Präsidenten zum Vorsitzenden der Vereinigung „Nationaler Dialog“ ernannt worden. Taban, der als Journalist für 17 Tage inhaftiert worden war, hat die Annahme des Amts mit der Bedingung verknüpft, dass die Regierung andere Journalisten sowie aus politischen Gründen Inhaftierte freilässt.

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