Hoher Besuch: Verkehrsminister Winfried Hermann (rechts) hat am Montag die Amphibienschutzanlage im Mahdental besichtigt. Der Nabu-Landesvorsitzende Johannes Enssle zeigt ihm ein Erdkrötenpaar. Foto: Alexandra Kratz

Winfried Hermann hat die vor einem Jahr fertiggestellte Amphibienschutzanlage am Kreisverkehr in Büsnau besichtigt. Bei dieser geht es um den Schutz für Mensch und Tier. Das Regierungspräsidium hat ein Monitoring in Auftrag gegeben.

Büsnau - Hubert Laufer ist jeden Tag am Schattengrund. Dort nimmt der Landschaftsökologe und selbstständige Gutachter die Amphibien in Augenschein, die auf ihrem Weg zu ihren Laichgewässern die Magstadter Straße und die Mahdentalstraße überqueren müssen. Seit dem vergangenen Frühjahr gibt es an den beiden Landesstraßen eine Amphibienschutzanlage. Die kleinen Mäuerchen, welche die Lurche daran hindern, auf die Straße zu hüpfen, haben eine Gesamtlänge von 1,4 Kilometern. Für die Tiere gibt es 23 unterirdische Durchlässe.

Das Regierungspräsidium (RP) hat für fünf Jahre ein Monitoring in Auftrag gegeben, um herauszufinden, wie die Tunnel bei den Tieren ankommen. Das Ziel ist es, dass sich die Zahl der Kröten, Frösche und Molche wieder erhöht. Aktuell sind es wohl um die 3000 Tiere, die dort jedes Frühjahr unterwegs sind. „Wir wollen herausfinden, ob wir für diese noch irgendwo was verändern oder verbessern müssen“, sagt Andreas Hollatz. Er ist beim RP der Leiter der Abteilung Straßenwesen und Verkehr.

Gutachter ist an etwa 80 Tagen am Schattengrund

In diesem Frühjahr ist Laufer jeden Morgen und gegebenenfalls noch einmal am Nachmittag vor Ort, je nach Wetter. Denn die Tiere werden derzeit am Ende der Krötentunnel zunächst in Plastikeimern gefangen, um genau nachzuvollziehen, was im Schattengrund kreucht und fleucht. Von Februar bis Mai werde er an etwa 80 Tagen im Schattengrund unterwegs sein, schätzt Laufer. Dann sollte die Krötenwanderung erst einmal wieder vorbei sein.

Im Frühjahr 2018 ist nur ein kleines Monitoring geplant. Das bedeutet, dass der Gutachter nicht jeden Tag vor Ort ist. Er macht sich nur in den Nächten auf den Weg, in denen die Temperaturen zwischen acht und zehn Grad liegen und daher besonders viele Amphibien wandern. So bekommt er einen Überblick von der Situation am Schattengrund. Für 2019 ist wieder ein umfangreiches Gutachten vorgesehen.

Am Montag hat sich Verkehrsminister Winfried Hermann einen Überblick über die Amphibienschutzanlage im Mahdental verschafft. Allerdings war es ein kalter Morgen, sodass Laufer nur ein einziges Krötenpärchen im Eimer fand. „Das Weibchen trägt das Männchen. Das gehört zum Balzritual“, erklärte der Landschaftsökologe den Vertretern von Politik, Verwaltung und der Medien. Auch Hermann nahm das Krötenpärchen mal auf die Hand. „Das ist ein ungewöhnlicher Termin für einen Verkehrsminister“, räumte er ein. Doch die Zeiten seien vorbei, in denen Straßen einfach ohne Rücksicht auf die Tierwelt gebaut worden seien. Und die Fehler aus früheren Jahren wolle das Ministerium nun korrigieren.

40 Konfliktstellen in Baden-Württemberg

Die Amphibienschutzanlage im Schattengrund ist eine der ersten und größten in Baden-Württemberg. Das Land investierte 1,3 Millionen Euro. Darin enthalten sind allerdings auch Kosten für neue Straßenbeläge. „Das Geld ist gut angelegt“, sagte Johannes Enssle. Es gehe um den Schutz für Mensch und Tier, so der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Nabu. Denn früher haben in Büsnau Ehrenamtliche den Kröten buchstäblich über die Straße geholfen. Sie stellten jedes Frühjahr mobile Fangzäune auf, an deren Enden Eimer standen. Dort landeten die Kröten und konnten dann über die Fahrbahn getragen werden. Doch das war nicht nur zeitaufwendig, sondern am stark befahrenen und schlecht einzusehenden Kreisverkehr auch gefährlich für die Helfer.

Der Schattengrund ist einer von 40 sogenannten Konfliktstellen im Landeskonzept Wiedervernetzung Baden-Württemberg, die der Nabu zusammen mit dem Ministerium identifiziert hat. Das Ziel ist es, dass Straßen für Tiere keine unüberwindbaren Hindernisse mehr sind. Dazu werden dort Querungshilfen gebaut, wo besonders viele Tiere unterwegs sind, weil zum Beispiel eine Autobahn ein Wald- oder Wiesengebiet regelrecht zerschneidet. Im Fall der Kröten sind es unterirdische Tunnel, für Hase, Fuchs, Reh und Wildschwein sind es sogenannte Grünbrücken, die sich über die Fahrbahn spannen. „Wir können nicht alles auf einmal machen. Aber wir arbeiten die 40 definierten Konfliktstellen systematisch ab, und wir liegen damit gut im Zeitplan“, sagte Winfried Hermann.

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