Der Bahnexperte Klaus Wössner zweifelt – doch die Weichen für die Hesse-Bahn werden wohl gestellt. Foto: FACTUM-WEISE

Frostig ist die Atmosphäre zu Beginn gewesen, als sich die beiden Landräte Roland Bernhard und Helmut Riegger getroffen haben. Doch je länger das Gespräch gedauert hat, desto mehr Gemeinsamkeiten wurden gefunden. Und so kommt am Ende eine echte Überraschung heraus: Man will die künftige Werkstatt für Elektrozüge der Schönbuchbahn auch für die Hesse-Bahn nutzen.

Kreis Böblingen - Frostig ist die Atmosphäre zu Beginn gewesen, als sich die beiden Landräte Roland Bernhard und Helmut Riegger getroffen haben. Dabei duzen und kennen sich beide seit Jahren. Doch je länger das Gespräch gedauert hat, desto mehr Gemeinsamkeiten wurden gefunden. Und so kommt am Ende eine echte Überraschung heraus: Man will die künftige Werkstatt für Elektrozüge der Schönbuchbahn auch für die Hesse-Bahn nutzen.

Was im Umkehrschluss bedeutet: über kurz oder lang werden auf der Hesse-Bahn zwischen Calw und Renningen Elektrozüge fahren. Und keine Dieseltriebwagen, was den Anwohnern vor allem in Malmsheim große Sorge bereitet. „Die Verknüpfung der Hesse-Bahn mit der Schönbuchbahn ist die Frucht dieses Gespräches“, formuliert es der Böblinger Kreischef. Sein Calwer Kollege ist etwas zurückhaltender und weist noch auf Unwägbarkeiten hin. Etwa, dass es extrem schwierig sei, für den geplanten Start der Hesse-Bahn 2016 die Elektrowagen zu bekommen. Dennoch sagt auch er: „Das ist in der Tat eine neue Entwicklung.“

Konkret ist geplant, die noch zu bauende Werkstatt in Böblingen gemeinsam zu nutzen. Die kostet immerhin eine erkleckliche Millionensumme, möglicherweise sogar einen zweistelligen Millionenbetrag. „Wir könnten die Auslastung der Station dadurch verbessern“, meint Bernhard.

Und man könnte die Wagen gemeinsam einkaufen. Damit hat man im Böblinger Landratsamt schon Erfahrungen, dort gibt es eine sogenannte „AG Fahrzeugbeschaffung“. Die versucht derzeit, fünf neue Elektrofahrzeuge für die Schönbuchbahn zwischen Böblingen und Dettenhausen zu erstehen. Kämen noch drei für die Hermann-Hesse-Bahn dazu, würde man über acht Waggons verhandeln – und könnte einen besseren Preis herausschlagen.

„Der Markt ist sehr eng, es gibt nur wenige Hersteller, die alle Wagen auf Anforderung herstellen“, erklärt Helmut Riegger. Vielleicht könnten so sogar eine oder zwei Millionen Euro gespart werden.

Allerdings gibt es noch Fragezeichen. Denn der Zeitplan für die Strecke nach Calw ist eng. Bis 2016 muss alles abgerechnet sein, weil dann die Fördermittel des Landes auslaufen. „Wir können deswegen nicht länger warten“, erklärt Riegger. Im Zweifel könnte er sich ein Zwei-Stufen-Modell vorstellen: ein Start mit Dieselwagen, später der Umstieg auf Elektro- oder gar Brennstoffzellen-Antrieb.

Ein Szenario, dass sich auch Roland Bernhard vorstellen kann. Besser sei allerdings, wenn Schönbuch- und Hesse-Bahn parallel mit elektrischen Triebwagen starten würden, so das gemeinsame Ziel. Auch atmosphärisch will man die Konfrontation der Vergangenheit überwinden. Eine politische Arbeitsgruppe soll von Herbst an tagen, in der auch die Landräte und die Kreistags-Fraktionschefs eingebunden sind.

Bis Juli soll zudem das Ergebnis des sogenannten „Stresstests“ vorliegen – damit will der Kreis Calw nachweisen, dass der Parallelbetrieb auf der eingleisigen Strecke zwischen Weil der Stadt und Malmsheim die S 6 nicht beeinträchtigt. Der Auftrag dafür sei an ein Büro vergeben worden – welches genau, will Helmut Riegger nicht verraten. Auf dieser Prüfung besteht der Böblinger Kollege Roland Bernhard: „Ich habe da klare Worte gefunden.“ Auch dass die Lärm- und Abgasgrenzwerte eingehalten werden, müsse garantiert sein.

Selbst der Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt findet die Idee mit Elektrowagen gut: „Das ging in die richtige Richtung.“ Allerdings stimmt er nicht ganz in die Euphorie mit ein: „Die Worte höre ich wohl, aber es müssen jetzt Taten folgen.“ Zweifel hat auch der Bahnexperte Klaus Wössner vom S-Bahn-Chaos-Portal im Internet. Er sagt: „Das Zeitfenster in Weil der Stadt ist zu eng – in sechs Minuten muss die Hesse-Bahn weiterfahren. Wenn es zu Verzögerungen kommt, gerät der ganze S-Bahnverkehr der Region in Gefahr.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: