Jeder zehnte Zeckenbiss in Baden-Württemberg führt zu einer Borrelioseinfektion. Foto: dpa

Der Landkreis Böblingen zählt zu den Risikogebieten für Zeckenbisse. Jeder zehnte Zeckenbiss in Baden-Württemberg führt laut Fachleuten zu einer Borrelioseinfektion. Während dagegen eine nachträgliche Behandlung hilft, raten Ärzte zum Schutz vor einer FSME-Erkrankung zu einer Impfung.

Leonberg/Böblingen - Sie sind kaum zehn Millimeter groß, verstecken sich in Wäldern, Gebüschen und Wiesen und können einen im schlimmsten Fall das Leben kosten: Die Rede ist von den heimischen Zecken – im Frühjahr beginnt ihre Aktivität wieder und damit steigt auch das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden. Dieses Jahr gebe es mehr Zecken denn je, sagen Experten. Abgesehen davon, dass sie 50 verschiedene Krankheitserreger durch einen Biss verbreiten können, stecken sie die Menschen mit FSME an. Gemeint ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis. Das Virus greift das zentrale Nervensystem an und kann bei einem schweren Verlauf zu Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarkenzündungen führen. Durch Medikamente ist das Virus – im Gegensatz zur Borreliose – nicht zu bekämpfen. Wer sich also schützen möchte, braucht eine Grundimmunisierung.

Ärzte empfehlen im Risikogebiet Böblingen eine Impfung

Der Landkreis Böblingen ist ein Risikogebiet, was Zeckenbisse angeht – deswegen ist es umso wichtiger, dass sich die Menschen impfen lassen, empfehlen Experten. „Das kann man zu jeder Zeit machen lassen“, sagt der Allgemeinmediziner Rainer Merk. „Es gibt da keine bestimmten Jahreszeiten. Bei einem frischen Zeckenbiss muss man aber 14 Tage abwarten, um zu schauen, ob Krankheitszeichen auftreten. Wer Fieber hat oder gesundheitlich angeschlagen ist, sollte ebenfalls warten.“ Was allerdings häufig vergessen werde, ist die Auffrischung der Impfung, auf die, laut den Medizinern, besonders 18- bis 60-Jährige achten sollten. „Beim Check-Up kann man einfach seinen Impfpass mitbringen, das schaut sich der Arzt an und kann bei Bedarf die Impfung auffrischen“, sagt der Vorsitzende des DRK-Verbandes.

Der öffentliche Gesundheitsdienst empfiehlt jedem eine Impfung gegen das FSME-Virus. Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, bei längeren Aufenthalten in der freien Natur geschlossene Kleidung und festes Schuhwerk zu tragen. Achselhöhlen, Kniekehlen und Leistenbeugen sollten sorgfältig zu Hause kontrolliert werden – eine besonders wichtige Vorsichtsmaßnahme, vor allem bei Kindern.

Impfungen gegen FSME laufen das gesamte Jahr über

Bei den FSME-Viren ist eine Ansteckung nicht allzu häufig – Statistisch ist es so, dass jeder zehnte Zeckenbiss in Baden-Württemberg aber zu einer Borrelieninfektion führt. „Meine gesamte Familie ist geimpft“, sagt Rainer Merk. Natürlich gebe es auch Menschen, die von Impfungen nichts hielten – „aber bei so einer lästigen Krankheit mit Folgeschäden sollte man sich überlegen, was man sich zumuten möchte.“

In seiner Praxis lassen sich die Menschen zu jeder Jahreszeit impfen, aber besonders zum Frühjahr werden sie für das Thema sensibilisiert, was dann zu einem kleinen Andrang führt.

„Nun, bei Menschen, die den ganzen Tag in geschlossenen Räumen verbringen und dann abends weiter in eine Disco gehen, ist die Grundimmunisierung nicht so dringend. Die kriegen vielleicht eine Zicke, keine Zecke. Und gegen die gibt’s leider keine Impfung.“

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