Die Höfinger Hauptschule ist bereits geschlossen. Foto: factum/Archiv

Wenn es im Landkreis eine Schule gibt, die von den Bildungsreformen der grün-roten Landesregierung profitiert, dann ist es die neue Gemeinschaftsschule Döffingen in Grafenau. Zum vergangenen Schuljahr hatten sich dort 14 Schüler angemeldet.

Kreis Böblingen - Wenn es im Landkreis eine Schule gibt, die von den Bildungsreformen der grün-roten Landesregierung profitiert, dann ist es die neue Gemeinschaftsschule Döffingen in Grafenau. Zum vergangenen Schuljahr hatten sich dort 14 Schüler angemeldet. „Dieses Jahr haben wir 50 Anmeldungen akzeptiert, aber es haben sich noch mehr Schüler beworben“, berichtet der Rektor Bruno Metzger. Die Jugendlichen kommen nicht nur aus den Grafenauer Stadtteilen Dätzingen und Döffingen, sondern auch aus Aidlingen, Böblingen und Sindelfingen. Die Döffinger Schule ist eine von zwei neuen Gemeinschaftsschulen im Landkreis Böblingen. Die andere ist die Eichholzschule in Sindelfingen. Mit dem neuen Schultyp will die Landesregierung ein längeres gemeinsames Lernen ermöglichen.

Der Plan scheint aufzugehen: „Viele der bei uns angemeldeten Schüler haben eine Empfehlung für das Gymnasium oder Realschule“, berichtet der Döffinger Rektor Bruno Metzger. An der Eichholzschule in Sindelfingen ist es ähnlich. Dort liegen die Anmeldezahlen allerdings auf Vorjahresniveau mit etwas mehr als 30 – vielleicht auch, weil lange unsicher war, ob die Schule tatsächlich als Gemeinschaftsschule ins Schuljahr würde starten können.

Die Nufringer Schule wird geschlossen

Den Gewinnern der Bildungsreform stehen auch im Landkreis Verlierer gegenüber. Seit dem jetzt beginnenden Schuljahr müssen Eltern sich nicht mehr an die Grundschulempfehlung halten. Sie können ihre Kinder auch dann auf die Realschule oder auf das Gymnasium schicken, wenn die Lehrer ihnen die Haupt- oder Werkrealschule ans Herz gelegt haben. Manche dieser Schulen stehen deshalb vor dem Aus.

An der Hauptschule in Steinenbronn habe es nach Angaben des Böblinger Schulamtes so wenige Anmeldungen gegeben, dass keine fünfte Klasse mehr gebildet werden könnten. In sieben Gemeinden müssten fünfte und sechste Klasse zusammengelegt werden. Wie schon berichtet kann etwa an den beiden Werkrealschulen in Leonberg nur jeweils eine statt zwei Klassen gebildet werden. Zwei Hauptschulen in Böblingen und Sindelfingen wurden bereits geschlossen, bald folge wohl auch die Nufringer Schule.

Angela Huber, die Leiterin des Böblinger Schulamtes, ist von dieser Entwicklung nicht überrascht. „Wenn ein gut erreichbares Angebot in der Nähe ist, entscheiden sich Eltern vermehrt für Realschule und Gymnasium.“ In ländlichen Gebieten, wo nur die Hauptschule ohne langen Anfahrtsweg zu erreichen sei, seien die Anmeldezahlen deshalb weniger dramatisch eingebrochen, berichtet Huber.

Gemeinschaftsschulen kommen gut an

Vom Drang der Eltern und Schüler nach einem höheren Abschluss profitieren die Realschulen und Gymnasien. Zwar sind die Schülerzahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen – das liegt allerdings am demografischen Wandel und daran, dass im Sommer ein doppelter Abiturjahrgang die Gymnasien verlassen hat.

Im Gegenzug müssen sich diese Schultypen auf Kinder einstellen, denen das Lernen unterschiedlich schwer fällt. Brigitte Dammenhain, Rektorin der Theodor-Heuss-Realschule in Gärtringen, macht das keine Angst. Sie hätten schon immer mit Schülern unterschiedlicher Begabungen umgehen müssen. Die Schulen reagieren darauf mit zusätzlichem Förderunterricht und differenzierten Angeboten.

„Davon sollen aber nicht nur die Schwächeren, sondern auch die Stärkeren profitieren“, sagt Dammenhain. Auch Christiane Schwellinger, die Rektorin der Gerhart-Hauptmann-Realschule in Leonberg, will wie berichtet nicht das Niveau des Unterrichtes senken, sondern „jeden Schüler individuell fördern“. An vielen Gymnasien sind die Anmeldezahlen konstant geblieben. Am Böblinger Lise-Meitner-Gymnasium ist es anders: Hier starten am heutigen Montag drei fünfte Klassen anstatt wie bislang zwei. Für eine gezielte Förderung müssten die Lehrer deshalb so schnell wie möglich die Stärken und Schwächen der Schüler herausfinden, sagt der Schulleiter Hans Oberhollenzer. Grundsätzlich gelte aber: „Jedes Kind ist am Gymnasium willkommen“, betont der Rektor.

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