Joachim Rücker ist zurück im Kreis Böblingen und bei der SPD-Basis. Foto: factum/Weise

Ein Hauch von Aufbruchstimmung weht bei den Sozialdemokraten im Kreis. Erstmals scheint der Wiedereinzug eines SPD-Abgeordneten aus dem Kreis in das Parlament in den Bereich des Möglichen zu rücken – mit dem Ex-OB von Sindelfingen, Joachim Rücker.

Kreis Böblingen - Ein Hauch von Aufbruchstimmung weht bei den Sozialdemokraten im Kreis. Die hat weniger damit zu tun, dass die Genossen seit einiger Zeit im Land mitregieren, sondern vielmehr mit der Bundestagswahl im kommenden Jahr. Erstmals scheint der Wiedereinzug eines SPD-Abgeordneten aus dem Kreis in das Parlament in den Bereich des Möglichen zu rücken. Wenn dies jemandem gelingen könnte, dann Joachim Rücker – da sind sich die Genossen einig. Seine offizielle Nominierung am 25. Oktober scheint nur noch eine Formsache .

Der verlorene Sohn ist in den Landkreis zurückgekehrt, wo er vor fast 20 Jahren einen sensationellen Wahlsieg errungen und dem seit anderthalb Jahrzehnten amtierenden Oberbürgermeister von Sindelfingen das Amt abgenommen hatte. Vergessen sind die Enttäuschung und der Zorn über den plötzlichen Abgang Rückers im Jahr 2001, als er als Vertreter der Vereinten Nationen nach Bosnien ging. „Bei mir sind nur positive Reaktionen auf Rückers Bewerbung als Bundestagskandidat eingegangen“, sagt Andreas Schneider-Dölker, der Vorsitzende des Sindelfinger Ortsvereins.

Der Ärger über seinen Abgang ist verraucht

Viele frühere Weggefährten möchten ihn sehen bei seiner Vorstellungsrunde in den Ortsvereinen im Kreis. Ein Heimspiel ist der Auftakt in Maichingen, wo auch die Genossen aus Sindelfingen und Magstadt dabei sind. Fast 50 Parteimitglieder sind gekommen. Zwei Stunden später im Böblinger Platzhirsch, sind es es wesentlich weniger. Rücker hat Konkurrenz – im Fernsehen läuft ein Champions-League-Spiel mit den Bayern. Etwas lethargisch wirkt die Versammlung der 25 Genossen – so wie häufig in den vergangenen Jahren. Florian Wahl, der junge Landtagabgeordnete bringt schließlich Dynamik in die Runde, als er euphorisch und lautstark Rücker willkommen heißt: „Da ist einer zurückgekommen – um zu bleiben.“ Rücker stellt sich vor, berichtet aus seiner Arbeit der vergangenen zwölf Jahre – als Uno-Gesandter in Bosnien und dem Kosovo, als Botschafter in Schweden und momentan als Chefinspekteur im Auswärtigen Amt.

An vielen Krisenherden der Welt fühlt der 61-Jährige fast zuhause. Dem serbischen Ministerpräsidenten Koštunica zauberte er ein Lächeln auf die Lippen, als er mit ihm über Fußball fachsimpelte. Es sind kleine Anekdoten, die die Weltläufigkeit Rückers demonstrieren. Trotzdem wirkt der Mann nicht abgehoben. Noch immer begegnet er den Menschen auf Augenhöhe.

Keine Berührungsängste mit der Basis

Sein Fachwissen beeindruckt die Genossen. Ob Eurokrise, Rente oder Arbeitsmarkt – Rücker antwortet auf jede Frage detailliert und macht auch komplizierte Sachverhalte verständlich. Und er scheut sich nicht davor, auch einmal Unwissen einzugestehen. „Da muss ich mich erst einlesen“, sagt er auf eine Frage zum Staatsvermögen. Es war diese Form der Kommunikation, mit der Rücker vor 19 Jahren das Sindelfinger Rathaus eroberte. Und damit soll er es auch jetzt schaffen. Euphorisch ist die Stimmung am Ende des Abends. So mancher Genosse hält sogar das Direktmandat für möglich – im schwarzen Wahlkreis Böblingen mit einem CDU-Kandidaten, der das Mandat abonniert zu haben scheint. Andere sind vorsichtiger, fragen Rücker nach seinen Chancen auf einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste. „Dafür ist es noch zu früh“, wehrt Rücker ab. Dass er aber im Hintergrund die Fäden ziehen wird, davon ist auszugehen.

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