In Nufringen wird die Foto: factum/Weise

Zwar stehen den Nufringern pro Kopf in diesem Jahr 7563 Euro für Konsumgüter zur Verfügung. das meiste Geld geben sie aber woanders aus. Insgesamt liegt der Kreis Böblingen bei der Kaufkraft in der Region an der Spitze.

Böblingen - Der Kreis Böblingen schneidet in der Region Stuttgart bemerkenswert gut ab, wenn es um die Kaufkraft geht. Es ist zwar keine Überraschung, wenn eine Untersuchung der Böblinger Industrie- und Handelskammer (IHK) in einer Studie für den wirtschaftsstarken Standort zu dem Schluss kommt, dass die Bewohner besonders wohlhabend seien. Dass jedoch die 5700 Einwohner zählende Gemeinde Nufringen bei der Kaufkraft-Erhebung auf Platz zwei landet, überrascht schon. Die Experten ermitteln für diese Gemeinde dieses Jahr 7563 Euro pro Kopf.

Gute Verkehrsanbindung in Nufringen

In Nufringen hat die Bürgermeisterin Ulrike Binninger die Ortsentwicklung vorangetrieben. Bis Ende des nächsten Jahres wird an der neuen Mitte gebaut. Die Hauptstraße wird saniert, das Einkaufen ist zur Zeit mit Hindernissen verbunden. Aber die Attraktivität für den Handel und die Verbraucher soll gesteigert werden. Zudem lasse es sich in Nufringen gut wohnen, sagt Martin Eisenmann, der Referatsleiter für den Einzelhandel bei der IHK-Bezirkskammer Böblingen. Nufringen habe eine gute Verkehrsanbindung – mit der S-Bahn, der Bundesstraße 14 und der Autobahn 81, fügt er hinzu. Die zwei Gewerbegebiete hätten einen guten Branchenmix und böten zumeist gut bezahlte und sichere Arbeitsplätze, unter anderem bei dem Kunststoffunternehmen Ensinger.

Außerdem ist die Gemeinde für junge Familien interessant. Sie verfügt über drei Kindertagesstätten, eine Grundschule mit einem kommunalen Betreuungsangebot, zwei Mehrzweckhallen und zahlreiche Vereinssportanlagen. Senioren können in einem Altenheim untergekommen. „Die Nufringer aber pendeln weiter weg zu ihrer Arbeitsstätte und kaufen oft woanders ein“, sagt Eisenmann, vor allem zurzeit wegen der Baustellensituation..

2,8 Milliarden Kaufkraft im Kreis

Generell werde im Ortskern einiges an Geschäften und Dienstleistungen geboten. Aber Nufringen sei ein Beispiel für eine Gemeinde, die an ihre Grenzen stoße, meint der IHK-Experte. Für einen großen Elektronikanbieter etwa oder für einen Supermarkt mit tausend Quadratmetern Verkaufsfläche gebe es einfach kein geeignetes Domizil. Also schlage sich die Kaufkraft der Einwohner in der Gemeinde mit einem Einzelhandelsumsatz in diesem Jahr von 2837 Euro pro Kopf nur marginal nieder.

Insgesamt verfügen die Bürger im Kreis in diesem Jahr über mehr als 2,8 Milliarden Euro an einzelhandelsrelevanter Kaufkraft. Das entspricht einem Siebtel der regionalen und knapp vier Prozent des landesweiten Nachfragepotenzials. Jeder Einwohner im Landkreis hat in diesem Jahr durchschnittlich 7298 Euro zum Einkaufen zur Verfügung. Der Landkreis liegt in der Region an der Spitze – vor Stuttgart und den Kreisen Esslingen und Ludwigsburg.

Die Leonberger haben das meiste Geld für den Konsum

Die meiste Kaufkraft im Kreis gibt es in Leonberg mit 7781 Euro pro Kopf. „Dort ist es ähnlich wie in Gerlingen im Kreis Ludwigsburg“, stellt Eisenmann fest. In Gerlingen kann jeder Bürger in diesem Jahr 8302 Euro für Konsumgüter ausgeben. Die Stadt liegt damit in der Region Stuttgart auf Platz eins. „In Leonberg gibt es ebenfalls Wohngegenden, die von Menschen bevorzugt werden, die etwa in leitender Position in einer Firma in Böblingen, Sindelfingen oder in Stuttgart arbeiten“, sagt der IHK-Vertreter. Das wirke sich natürlich auf die dortige Kaufkraft aus, die sich allerdings vor Ort ebenfalls nur teilweise niederschlage, weil viele zum Einkaufen nach Sindelfingen oder in Stuttgart fahren.

Das Schlusslicht in der Kaufkrafttabelle ist das 3700 Einwohner zählende Mötzingen mit 6660 Euro pro Bürger. Der Bürgermeister Marcel Hagenlocher will die rote Laterne bald abgeben. „Wir werden Wohnbauprojekte umsetzen und als Ort attraktiver werden“, sagt er. Im gemeinsamen Gewerbegebiet mit Nagold und den umliegenden Gemeinden sollen neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Sindelfingen landet im letzten Drittel, Böblingen auf Platz zehn

Kaufkraft
: Als Kaufkraft wird das für Konsumzwecke verfügbare Einkommen bezeichnet: Der Betrag, der pro Haushalt übrig bleibt, nachdem alle wiederkehrenden Zahlungsverpflichtungen (etwa Miete, Kosten für Auto und Heizung) abgezogen sind. Die einzelhandelsrelevante Kaufkraft ist das Geld, das im Einzelhandel inklusive Online- und Versandhandel ausgegeben wird (Quelle: Michael Bauer Research und CIMA/BBE Handelsberatung).

Ranking
  Die IHK stützt sich auf die Berechnungen von Michael Bauer Research. Demnach kommt hinter der Stadt Leonberg und Nufringen die Gemeinde Grafenau bei der Kaufkraft pro Einwohner auf Platz drei (7544 Euro). Zehnter ist Böblingen (7411 Euro), Herrenberg Zwölfter (7339 Euro), und Sindelfingen landet unter den 26 Kreiskommunen mit 7024 Euro im letzten Drittel.

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