Zwei Monate lang wird das Laub gesammelt. Foto: dpa

An sieben Containern kann altes Laub abgegeben werden. Manche Kommunen fühlen sich benachteiligt und fordern mehr. So in Weil der Stadt, wo sich Bürger über die zu lange Strecke nach Rutesheim beschweren.

Kreis Böblingen - Wenn das Laub im Herbst fällt, will der Schwabe gemeinhin nicht auf seinen sauberen Bürgersteig verzichten. Und schon gar nicht auf den gepflegten Vorgarten. Das haben die Freien Wähler und die Grünen schon vor gut zwei Jahren festgestellt – und im Kreistag erfolgreich angeregt, doch immer im Oktober und November Container aufzustellen, damit die Kreisbürger die bunten Blätter kostenlos abgegeben können.

Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages hat daher 2014 entschieden, in Leonberg an der ehemaligen Deponie Rübenloch (Warmbronn) sowie an den Häckselplätzen etwa in Rutesheim, Böblingen oder Holzgerlingen Container aufzustellen (siehe Tabelle). Und siehe da: Schon im ersten Herbst wurde fleißig Laub abgegeben, vor allem außerhalb der größeren Städte. Etwa in Rutesheim fast 86 Tonnen von 440 gesamt.

Einige Standorte sind verändert worden

„Wir haben für 2015 einige Standorte noch verändert“, berichtet Wolfgang Bagin, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes (AWB). Einige Ablieferstellen wie Sindelfingen oder Bondorf wurden wieder aufgegeben, dafür andere wie zum Beispiel bei der Vergärungsanlage Leonberg mit dazu genommen. Mit durchschlagendem Erfolg: Im vergangen Herbst sind fast 590 Tonnen Laub abgegeben worden, annähernd die Hälfte mehr als im Jahr zuvor.

Gleichzeitig haben so viele Gartenbesitzer wie noch nie Laubsäcke beim Landratsamt gekauft, nämlich fast 13 000. Blättersammeln liegt offenbar im Trend. Allerdings nutzen auch manche Firmen die Plätze, die eigentlich nur für Privatleute erlaubt sind. „Das Angebot ist für die Bürger gedacht“, sagt Wolfgang Bagin. Gewerbliche Kunden fahren die Blätter direkt zur Vergärungsanlage.

Nun ist es wie so häufig : Ist ein Angebot erst einmal in der Welt, steigt die Nachfrage. Und auch der Unmut, wenn der Weg zur nächsten Sammelstelle allzu weit ist.

Das hat der Weiler Bürgermeister Thilo Schreiber hautnah erlebt: „Es gab einige Beschwerden der Bevölkerung.“ Sogar im Gemeinderat habe es Anfragen gegeben. Denn von Weil der Stadt oder gar Münklingen ist es bis zum nächsten Laubcontainer in Rutesheim ein gutes Stück. „Wir fühlen uns ein wenig als Abfallbürger zweiter Klasse“, schimpft der Schultes im Ausschuss. Warum gebe es in Herrenberg und Gärtringen zwei Container dicht beieinander, aber keinen in den weitläufigen Flächenstadt Weil der Stadt?

Schreiber beantragt daher für seine „Raumschaft mit 19 000 Einwohnern“ einen zusätzlichen Standort. Woraufhin der umtriebige SPD-Kreisrat Manfred Ruckh aus Waldenbuch auch in seiner Heimatkommune sofort einen Mangel diagnostiziert: „Ich wurde auch schon angesprochen.“ Der nächste Standort Holzgerlingen sei weit, man habe wohl „diese Ecke des Landkreises“ nicht bedacht.

Laub zu sammeln, kostet den Kreis 40 000 Euro jährlich

Dem Landrat Roland Bernhard schwant, dass die Büchse der Pandora geöffnet werden könnte. „Wünscht sich sonst noch jemand einen Laubstandort?“, fragt er nur halb ironisch in die Runde der Kreisräte, „Weihnachten ist noch weit weg, aber Ostern naht ja.“ Der AWB-Chef Wolfgang Bagin scheint das schon geahnt zu haben und hat einige Zahlen mitgebracht. „Das Laubsammeln kostet uns 40 000 Euro pro Jahr, unser Personal ist an der Belastungsgrenze“, erklärt Bagin.

Auch tut sich die Vergärungsanlage in Leonberg, in der Biomasse kompostiert wird, schwer mit dem bunten Baumbehang. Gleichzeitig ist im Herbst natürlich in den Biotonnen viel Blattwerk. „Es konnte nicht verhindert werden, dass die Transport-Aggregate verstopft sind“, mahnt Wolfgang Bagin. Zudem habe sich Gas gesammelt und sei verpufft. Man sieht: Das ist eine komplexe Sache.

Der Landrat sieht aber eine Möglichkeit für die Weiler: Einen der beiden Leonberger Standorte aufgeben und in der Keplerstadt einen schaffen. Schließlich liegen die Vergärungsanlage und die alte Deponie Warmbronn nah beieinander – an letzterer wurden auch nur 2,4 Tonnen angeliefert. Im Landratsamt wird jetzt geprüft, ob und wo es neue oder andere Standorte gibt. Bis zum Herbst ist ja noch etwas Zeit.

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