1000 Mercedes-Fahrer schauen einen Ferrari-Film auf dem Cannstatter Wasen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

1000 Autos, eine Marke: Der Kulturwasen war voller Sterne. Mercedes verloste Karten für alle, die im Mercedes kommen. Was lief? Ein Film mit Ferrari! Unser Kolumnist schreibt außerdem über virtuelle Messen und eine grüne City-Oase.

Stuttgart - Als wär’s ein gigantischer Firmenparkplatz: Coupés, Kompaktklasse, Roadster, Busse, Oldtimer – die gesamte Bandbreite der Mercedes-Modelle rollt in einer fast endlosen Schlange zum Kulturwasen. Ausverkauft! Oder besser gesagt: alles von Mercedes bezahlt.

Das nahe Museum hat die Karten unter Daimler-Mitarbeitern im Umkreis von 100 Kilometern sowie unter Mitgliedern der Mercedes-Clubs verlost – als „Dankeschön“ für Engagement in der Pandemie. Einzige Bedingung: in einem Mercedes muss man kommen. Wer kein Auto mit Stern besitzt, hat die Chance, sich eines auszuleihen. Führungskräfte des Konzerns stellen ihre Dienstwagen zur Verfügung. Oder man darf vorn auf einer der Liegen Platz nehmen, von denen je vier in einer Box stehen. „Innerhalb von einer Stunde waren 1000 Tickets weg“, berichtet Friederike Valet, die Kommunikationschefin des Mercedes-Museums erfreut. Weil ihr Open-Air-Kino und ihr Musikfestival in diesem Jahr ausfällt, war der Ausflug zum Kulturwasen eine schöne Idee.

Alle Karten für die Ballettpremiere „Response“ sind weg

Es lebe die Vielfalt auf vier Rädern! Audi ist Sponsor des Festivals am Neckar, und um Ferrari geht es in dem Film „Rush – alles für den Sieg“, der an diesem schönen Sommerabend mit Daniel Brühl als Niki Lauda läuft. Mit dem Rössle, dem Stadtwappen unserer Stadt, zeigt Ferrari Nähe zu Stuttgart. Der Legende nach stammt das Motiv auf dem italienischen Flitzer von einem abgeschossenen deutschen Flugzeug im Ersten Weltkrieg. Und auch Porsche hat ein aufsteigendes Pferd im Firmenlogo.

Schon mehrfach hat der Kulturwasen „ausverkauft“ gemeldet. Am nächsten Mittwoch werden die Freiluftplätze für Gäste, die nicht im Auto kommen wollen, von 99 auf 250 Liegen erhöht. Die weiteren Lockerungen machen es möglich. Voll wird’s auf dem Festgelände am Neckar auch am 25. Juli: Innerhalb von zwei Stunden waren alle Karten für die Live-Schalte weg, bei der die Premiere von „Response“ des Stuttgarter Balletts aus dem Opernhaus (dort dürfen 249 Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen) inklusive eines Solos von Startänzer Friedemann Vogel auf die LED-Leinwand für 4000 Menschen (so viele dürften in Autos und Logenboxen sitzen) übertragen wird.

„Virtuelle Messen boomen“

Kultur trotz Corona – die Stadt hat gelernt, mit dem Virus umzugehen und das Beste daraus zu machen. Die Pandemie sorgt dafür, dass auch Messen und Aussteller Alternativen entdecken. „Virtuelle Messen boomen“, freut sich Robin Wenk, Chef der Stuttgarter Firma Lightshape, die führend ist auf dem Gebiet der VR-Brillen für den Messebummel der Zukunft. Influenzer Dominik Bruntner (48 000 Instagram-Abonnenten), der Mister Germany von 2017, hat das neue Angebot getestet. „War sehr beeindruckend“, sagt er, „bei Automessen ist das optimal.“ Fahrzeuge müssten nicht angeliefert werden, man spare sich weite Reisen, über die Brille könne man quasi direkt in ein Fahrzeug einsteigen, das Interieur und alles sehen. Bruntner: „Bei Genussmessen, bei denen man probieren will, funktioniert dieses Prinzip dagegen nicht.“

Die Speis und Trank ist eine der ersten Messen, die stattfinden

Eine der ersten Messen, die in der Region im Herbst unter Coronabedingungen stattfinden, ist die Speis und Trank am 17. und 18. Oktober in der Alten Kelter in Fellbach. „2020 wirkt für uns wie ein verlorenes Jahr“, sagt Organisator Luca Salvatore. So früh wie erlaubt will er Flagge zeigen. „Wir müssen positiv in die Zukunft schauen“, sagt er., „das Feedback der Aussteller ist super.“ Auch wenn unter Corona eine Messe für 499 Gäste wirtschaftlich nicht lohnend sei, müsse es weitergehen. Dagegen hat Conny Krenn ihre Kulinart im November in der Phoenixhalle abgesagt. Das Land habe das Verbot von Großveranstaltungen für über 500 Personen verlängert, schreibt sie den Ausstellern: „Das Risiko einer kurzfristigen Absage unserer Messen ist zu groß.“

Gärtner gestalten Sommergarten im Dorotheenquartier

In normalen Zeiten will die grün regierte Autostadt Stuttgart zur Reinheit der Luft den Pkw-Verkehr zurückdrängen. Nun sind die unerwünschten Autos die Retter, um uns Kultur zurückzugeben. In der PS-Metropole kann es auch mitten in der City grüne Oasen geben, fern von Staus und Abgasen. Der „Summer Garden“ im Dorotheenquartier, vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau mit vielen Azubis eindrucksvoll realisiert, ist ein überzeugendes Beispiel dafür. Die Innenstadt blüht auf. Eine der schönsten Ruheplätze ist hier entstanden. Geschäftsführer Reiner Bierig hofft, dass es auf diese grüne Weise weitergeht. Sein Traum ist eine Bundesgartenschau in Stuttgart. Für 2031 sollte sich die Stadt dafür bewerben, findet er. Gut so! Die Autostadt kann damit beweisen, dass sie mehr kann als Schmutz, Staus und Streitereien.

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