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Die Entfernung eines Nierensteins ist eigentlich reine Routine – außer, der Patient hat ein Kunstherz. Dies ist am Klinikum Ludwigsburg jetzt gelungen.

Ludwigsburg - Etwa 1200 Patienten lassen sich pro Jahr ihre Harnleiter- und Nierensteine im Klinikum Ludwigsburg entfernen. Die Eingriffe zur Entfernung der Schmerz verursachenden Steine sind normalerweise Routine. „Eine solche Erkrankung ist eigentlich nichts Dramatisches, die Eingriffe machen wir täglich“, berichtet Andreas Jurczok, der Ärztliche Direktor der Urologie am Klinikum.

Doch dann meldete sich vor einiger Zeit der Kardiologe Heiko Mahrholdt aus Stuttgart bei Jurczok. Der Mediziner aus dem mit dem Ludwigsburger Klinikum kooperierenden Robert-Bosch-Krankenhaus hatte einen heute 46 Jahre alten Herzpatienten auf Station, der unter extremen Schmerzen litt: Der Mann, der seit einem Jahr mit einem Kunstherzen lebt und auf ein Spenderherz wartet, hatte Harnleiter- und Nierensteine.

OP mit künstlichem Herzen ist gefährlich

Für die Mediziner war klar: Der Mann muss operiert werden. Für die Mediziner war aber auch klar: Das Risiko eines gängigen Eingriffs war hier viel zu hoch. „Weil er eine hohe Dosis an Blutverdünnungsmitteln zu sich nehmen muss, war die Gefahr eines zu hohen Blutverlustes für den normalen Eingriff enorm“, erzählt der Urologe Jurczok. Sein Team musste sich also etwas anderes einfallen lassen.

Dem Patienten wurde schließlich in einem ersten Eingriff zunächst eine Harnleiterschiene geschaffen, durch die die zertrümmerten Harnleitersteine abgeleitet werden konnten. Nach etwa zwei Wochen konnte der nächste Schritt erfolgen. „Normalerweise punktieren wir die Niere von außen und holen den Stein heraus, das ist keine große Sache“, erzählt der Urologe. Doch in diesem Fall wurde dem Mann ein extrem schmales Lasergerät über die Harnröhre in die Blase geschoben, von dort aus weiter über den Harnleiter hoch in die Niere. Dort wurde der Stein mittels Lasertechnik 20 bis 30 Minuten lang „beschossen“, bis er schließlich herausgespült wurde.

Gute Erfahrung mit der OP-Technik

„Mit dieser minimalinvasiven Operationstechnik machen wir seit Jahren beste Erfahrungen, gerade bei Patienten mit Herzerkrankungen und dem damit einhergehenden Risiko eines hohen Blutverlustes“, sagt Jurczok. Mit an Bord bei der Operation war wegen der zu erwartenden Komplikationen auch der Stuttgarter Kardiologe Heiko Mahrholdt. Denn bei Patienten mit einem künstlichen Herzen besteht nicht nur die Gefahr eines hohen Blutverlustes. Auch die Vollnarkose stellt ein Problem dar, denn nicht jeder verträgt eine solche „Stilllegung“ des Körpers; bei manch einem Patienten sackt der Kreislauf in den Keller. „Hinzu kommt außerdem, dass ein Kunstherz nicht auf die Medikamente reagiert. Normalerweise prüft der Anästhesist während der OP den Kreislauf und alle Funktionen von Körper und Herz. Doch in dem Fall haben wir das Kunstherz an eine Art Computer angeschlossen und von dort aus seine Funktionen und Reaktionen überwacht“, erzählt der Kardiologe. „Kreislaufmanagement“ nennt Mahrholdt das, was Kollegen in Heidelberg und Ulm schon angewendet haben, weil sie häufiger mit Kunstherz-Patienten zu tun haben.

Jener Patient allerdings, der diese Operation in Ludwigsburg gut überstanden hat, ist zum einen einer der ersten Patienten überhaupt, der im Robert-Bosch-Krankenhaus ein Kunstherz implantiert bekommen hat – und zum anderen ist er auch einer der ersten Kunstherz-Patienten, der in Ludwigsburg operiert wurde. Etwa eineinhalb Stunden habe die gesamte Operation gedauert, berichten die Ärzte. Heute geht der Patient bereits wieder arbeiten und wartet weiterhin auf sein Spenderherz. Bis dahin unterstützt ihn zuverlässig das künstliche Herz, das die Ärzte ihm in die linke Herzkammer implantiert haben.

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