Bernd Sieber zieht es beruflich demnächst an den Bodensee. Foto: Ines Rudel

Der Krankenhaus-Geschäftsführer wechselt nach Konstanz und übernimmt einen doppelt so großen Apparat. Wann die Nachfolge geklärt wird, ist noch offen.

Esslingen - Noch vor einem halben Jahr, als er in einem Interview eine Bilanz seiner zehnjährigen Arbeit als Geschäftsführer des Klinikums Esslingen zog, war von Abwanderungsgedanken nicht die Rede. Doch das Angebot, das ihm nun in Konstanz vorgelegt worden ist, war zu verlockend, als dass Bernd Sieber (52) es hätte ablehnen können.

Zu einem noch zu bestimmenden Zeitpunkt wird er Vorsitzender der Geschäftsführung des Gesundheitsverbundes des Landkreises Konstanz. Der Zusammenschluss von vier Kliniken sowie weiterer stationärer und ambulanter Einrichtungen zur Gesundheitsversorgung im Landkreis Konstanz ist mit 3600 Mitarbeitern und 1300 Betten rund doppelt so groß wie das Klinikum Esslingen.

In ruhigeres Fahrwasser gesteuert

Am Mittwoch hat der in Esslingen hoch geschätzte Gesundheitsmanager dem Aufsichtsrat des Klinikums mitgeteilt, dass er noch in diesem Jahr Esslingen in Richtung Bodensee verlassen wird. Bernd Sieber ist es mit seinem ruhigen, verbindlichen Auftreten, gepaart mit einer hohen fachlichen Kompetenz gleich zu Beginn seiner Tätigkeit gelungen, das Klinikum Esslingen nach führungsbedingt eher unruhigen Zeiten zügig aus den Schlagzeilen zu manövrieren.

Kritik an der Kartellamt-Entscheidung

Dafür, dass das Esslinger Krankenhaus dort schneller wieder auftauchte, als ihm lieb sein konnte, konnte Sieber nichts. Denn die von der Stadt und dem Landkreis angestrebte Fusion der Kreiskliniken mit dem Esslinger Haus wurde bekanntlich vom Bundeskartellamt unterbunden, eine Entscheidung, die Sieber auch Jahre später als „vollkommen an der Vernunft vorbeigehend und sachfremd“ geißelte.

Immerhin ist es Bernd Sieber gelungen, die nach der gescheiterten Fusion eine gewisse Zeit drohende Privatisierung des Esslinger Klinikums abzuwenden. Geholfen hat Sieber dabei sicher die Tatsache, dass es ihm über viele Jahre gelungen ist, das Haus wirtschaftlich gut aufzustellen. Dass dabei nicht immer eine schwarze Null am Jahresende stand, ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass die sich im Gesundheitswesen rasant ändernden Rahmenbedingungen nahezu jedes Krankenhaus in Deutschland vor eine schier unlösbare Aufgabe stellt. Insgesamt konnte Sieber aber stets vergleichsweise bessere Bilanzen als die Konkurrenz präsentieren – was letztlich natürlich auch zu seiner jetzt neuen Aufgabe geführt hat.

Hohes medizinisches Niveau

Aber auch das medizinische Niveau des Städtischen Klinikums ist – zumindest in manchen Bereichen – deutschlandweit führend. Dass gleich zwei Chefärzte in schöner Regelmäßigkeit in der Focus-Bestenliste auftauchen und dass das Klinikum insgesamt im Focus-Ranking oft nur von Universitätskliniken und absolut großen Häusern getoppt wird, hat sicher dazu beigetragen, dass sich niemand in Esslingen aktuell eine Privatisierung oder gar den Verzicht auf das Haus vorstellen kann.

Der Esslinger Oberbürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Zieger, bedauert Siebers Entscheidung. Er habe „mit hoher fachlicher Expertise, Empathie und Augenmaß“ die Herausforderungen in Esslingen gemeistert.

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