Für Fensterrahmen wird vielfach Alu verwendet. Es kostet 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Foto: dpa

Nach zwei Jahren Flaute haben sich viele für Industrie und Bauwirtschaft wichtige Materialien kräftig verteuert. Das gilt nicht nur für Öl, sondern auch für Metalle. Eine Preisexplosion wie vor der Finanzkrise zeichnet sich aber noch nicht ab.

Frankfurt - An der Tankstelle merken es viele Verbraucher bereits: Der Ölpreis ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Seit Anfang November kostet die Nordseesorte Brent über 60 Dollar pro Barrel (159 Liter), so viel wie seit gut zwei Jahren nicht mehr. Auch andere Rohstoffe werden teurer, weil die Konjunktur brummt und die Wirtschaft mehr produziert. Das treibt die Nachfrage vor allem nach Industriemetallen, die in zahlreichen Produkten zum Einsatz kommen. Ein Überblick.

Noch im Juli kostete das Fass Öl weniger als 50 Dollar. Für den steilen Preisanstieg seit dem Sommer macht Carsten Fritsch, Rohstoff-Analyst bei der Commerzbank, gleich mehrere Gründe aus: Saudi-Arabien habe in den Sommermonaten deutlich weniger Öl geliefert als sonst üblich. Die Industriestaaten mussten deshalb ihre Vorräte anzapfen, „die Folge war ein kräftiger Lagerabbau“. Hinzu kamen im Herbst Lieferausfälle wegen der Kämpfe zwischen Kurden und der irakischen Armee im ölreichen Nordirak. Obendrein schürten Spannungen zwischen den Förderländern Saudi-Arabien und Iran die Furcht vor einer neuen Krise am Golf.

Fritsch geht aber davon aus, dass die Preise bald wieder sinken werden. „Saudi-Arabien braucht im Winter weniger Öl für den Eigenbedarf als im heißen Sommer, wo die Klimaanlagen im Einsatz sind. Entsprechend werden die Exporte wieder zulegen“, erläutert der Experte. Obendrein habe die Ölproduktion in den USA ein Rekordhoch erreicht. Zwar dürfte die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) auf ihrer Sitzung nächste Woche beschließen, die bereits vor einem Jahr vereinbarten Förderkürzungen aufrecht zu erhalten. Die Opec steckt aber in einem Dilemma: Je stärker ihre Lieferbeschränkungen den Ölpreis in die Höhe treiben, desto lohnenswerter wird die technisch aufwendige Gewinnung des Rohstoffs aus Schiefergestein in den USA. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) erwartet sogar, dass in den Vereinigten Staaten in rund zehn Jahren mehr Öl gefördert als verbraucht wird.

Das silberweiße Metall hat sich seit Jahresbeginn um fast 50 Prozent verteuert. Der Preis nähert sich allmählich dem im Jahr 2001 erreichten Allzeithoch von 1094 Dollar pro Feinunze (31 Gramm). Wie das eng verwandte Platin kommt Palladium vor allem in Katalysatoren und Rußpartikelfiltern zum Einsatz. Platin hat sich allerdings kaum verteuert. Das liegt daran, dass dieses Metall bevorzugt in Diesel-Katalysatoren verbaut wird. Schon im Mai sagten Experten deshalb voraus, der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen werde auch die Nachfrage nach Platin dämpfen. Überdies werde in den neuesten Diesel-Katalysatoren weniger Platin verbaut als in älteren Modellen, schrieben die Analysten der britischen Firma Johnson Mattheys. Diese ist auf die Verarbeitung von und den Handel mit Metallen der Platin-Gruppe spezialisiert. Palladium dagegen profitiert von der weltweit steigenden Nachfrage nach Benzinern. Für den Gesamtpreis eines Autos spielen die Kosten von Palladium und Platin übrigens keine große Rolle: Für den Katalysator eines Benzinmotors genügen nach Angaben des Branchenverbands International Platinum Group Association zwei bis drei Gramm, beim Diesel sind es sieben bis acht Gramm.

Kupfer verfügt über eine hohe Leitfähigkeit für Elektrizität und Wärme. Das rötliche Metall wird für Strom- und Telefonkabel verwendet und ist ein wichtiger Bestandteil von Generatoren, Motoren, Brennstoffzellen und Solarmodulen. Auch für Rohre und zahlreiche Produktionsmaschinen wird der Rohstoff verwendet. Für Bauwirtschaft, Infrastruktur und Industrie ist Kupfer deshalb unersetzlich. Entsprechend empfindlich reagiert der Preis auf Konjunkturschwankungen und geriet ins Rutschen, als 2015 Sorgen über die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in großen Schwellenländern laut wurden. Ende 2016 kam die Trendwende, in den vergangenen zwölf Monaten hat sich Kupfer um 22 Prozent verteuert. Die Überkapazitäten im Markt seien abgebaut, stellte jüngst der Branchenverband International Wrought Copper Council (IWCC) fest. Im Frühjahr hatten Streiks zu Produktionsausfällen in großen Kupferbergwerken in Chile, Peru und Indonesien geführt. Zugleich steigt der Bedarf, vor allem in China.

Bei Aluminium ist ein ähnliches Muster zu beobachten wie bei Kupfer: Nach einem Einbruch 2015 ist der Preis in den vergangenen zwölf Monaten um ein Fünftel gestiegen. Getrieben wird die Rallye unter anderem durch die Schließung von Aluminiumschmelzen in China, dem weltgrößten Produzenten des Rohstoffs. China reagiert damit auf Überkapazitäten am Markt. Zudem sollen mehrere Werke ihre Produktion im Winter reduzieren, um den in chinesischen Großstädten grassierenden Smog in den Griff zu bekommen. Zusammengenommen könnten diese Einschnitte die chinesischen Kapazitäten um zehn Prozent vermindern, schreibt die Weltbank in ihrer jüngsten Prognose zur Entwicklung der Rohstoffmärkte. Vermutlich werde der Effekt aber geringer ausfallen, weil stillgelegte alte Werke durch modernere ersetzt würden – und zum Teil auch durch illegale Produktionsstätten. In Deutschland bekommen höhere Aluminiumpreise unter anderem die Autobauer zu spüren: In einem Pkw europäischer Bauart stecken nach Angaben des Gesamtverbands der Aluminiumindustrie 160 Kilo Alu. Ein Drittel des Aluminiumverbrauchs hierzulande entfällt auf die Autohersteller. Ein Großabnehmer ist auch die Baubranche, die Aluminium unter anderem für Fassaden, Fenster und Dachkonstruktionen verwendet. Wichtigster Rohstoff für das Baugewerbe ist allerdings Stahl. Auch der hat sich zuletzt leicht verteuert – hier sichern sich viele Unternehmen bei Großprojekten aber vertraglich gegen Preissteigerungen ab.

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