Bon Jovi in Stuttgart: 30.000 Fans auf dem Wasen waren begeistert. Foto: Timo Deiner

Roadmovies für die Ohren: Trotzig- rastlose Ausreißer- und Außenseitergeschichten hat die Band Bon Jovi am Freitagabend beim Konzert in Stuttgart wieder in große Rockhymnen verpackt.

Stuttgart - Die Bühne hat sich als riesenhafter Buick-Kühlergrill verkleidet. Und ratternd, knatternd, zuckend startet mit „That’s What The Water Made Me“ am Freitagabend auf dem Cannstatter Wasen der Bon-Jovi-Motor. Ins Publikum grinsend gibt Jon Bon Jovi den lässigen Charmeur. „Show me what you got, Stuttgart!“, zeig mir was du draufhast, Stuttgart, fordert er. Als dann das quäkende Riff von „Bad Name“ über den Wasen dröhnt, lässt sich das Publikum nicht lange bitten. Dass die Gitarre diesmal nicht Richie Sambora spielt, sondern Phil X, fällt nicht weiter auf. Er musste einspringen, nachdem Sambora nach einem Streit mit seinem Chef Jon Bon Jovi bekannt gegeben hat, dass er bis auf Weiteres an keiner Zusammenarbeit mehr interessiert ist.

Rasant spielt sich die Band aus New Jersey durch ihr mit Hits angefülltes Repertoire aus rund 30 Jahren. „Wir haben einen langen Weg vor uns“, kündigt Bon Jovi (51) nach den ersten Songs an. Und immer wieder spielt er auch an diesem Abend den Ruhelosen, Unbehausten, Getriebenen. Einen Mann, der mit seinem Schicksal hadernd das Trotz-alledem zur Lebensweisheit erklärt hat. Ob er auf dem Cannstatter Wasen zu David Bryans hämmernden Klavier im furiosen Frühwerk „Runaway“ von einer Ausreißerin oder in dem vom Country beseelten „Lost Highway“ davon erzählt, wie man sich auf einer einsamen Landstraße selbst finden kann – oft gleichen die Songs Durchhalteparolen oder Roadmovies für die Ohren.

Die alten Hits von Bon Jovi begeistern die Fans

Verpackt sind die Lieder aber stets in so unwiderstehlich-eingängige Rockhymnen, dass es kaum auffällt, dass in ihnen oft nicht nur Zuversicht, sondern auch eine gehörige Portion Schwermut steckt. 30 000 Fans klatschen ausgelassen mit, wenn Stücke dran sind wie das euphorisierende „It’s My Life“, das sich zu einer wilden Soulrevue aufplusternde „Keep The Faith“ oder der Überhit „Livin’ On A Prayer“, den sich Bon Jovi für die Zugaben aufgehoben haben. 30 000 – das sind ganz schön viele Menschen. Und dennoch ist man versucht zu sagen, nur 30 000. Als die Band 2006 schon einmal auf dem Wasen spielten, waren es rund 65 000. Als Bon Jovi 2008 wieder nach Stuttgart kamen und einige hundert Meter weiter im Stadion spielten, kamen immerhin 40 000.

Doch während beim Clubkonzert, das die Band im Januar im Zapata gab, Jon Bon Jovis stadionerprobte Rock’n’Roll-Posen manchmal übertrieben wirkten, sind sie auf der großen Wasen-Bühne genau richtig dimensioniert. Und obwohl zwar die knackigen, von Tico Torres am Schlagzeug gewohnt robust angetriebene Rocksongs das Rückgrat der rund drei Stunden langen Show bilden, gibt es auch Verschnaufpausen. Bei „Superman Tonight“ zum Beispiel, für das es Szenenapplaus gibt, oder bei „Wanted Dead Or Alive“, bei dem sich Jon Bon Jovi von dem elfjährigen Marco, der wie eine kindliche Version seiner selbst aussieht, die Show stehlen lässt. Während Marco den Song ganz allein singt, hat der Bon-Jovi-Frontmann offensichtlich mächtig viel Spaß dabei, mal nicht selbst den Getriebenen, Rastlosen spielen zu müssen.

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