Einkaufen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen. Wo die Stuttgarter am liebsten einkaufen, verraten Sie in der Bildergalerie. Foto: dpa

Laut einer Studie der IHK Region Stuttgart wird im Einzelhandel so viel ausgegeben wie nie zuvor. Die Pro-Kopf-Kaufkraft ist in der Region höchst unterschiedlich ausgeprägt: Wo sitzen die Leute mit dem meisten Geld im Shopping-Portemonnaie?

Stuttgart - Eine 21 mit neun Nullen – die gewaltige Summe von 21 Milliarden Euro werden nach einer Analyse der IHK Region Stuttgart in diesem Jahr in Stuttgart und den fünf Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr im Einzelhandel ausgegeben. 2,77 Millionen Menschen leben in der Region Stuttgart. Das heißt: Jeder Einwohner schiebt durchschnittlich 7569 Euro über die Verkaufstheke – das ist mehr als im Bundes- und Landesdurchschnitt mit Werten von 6924 Euro und 7240 Euro. Besonders viel Geld fürs Shoppen haben Einwohner in kleinen Städten im Speckgürtel Stuttgarts zur Verfügung wie in Gerlingen und Schwieberdingen, unterdurchschnittlich gefüllt ist der Geldbeutel in weit von Stuttgart entfernten Städten wie Geislingen an der Steige und Murrhardt.

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Wohin fließt das Geld beim Shoppen? Das meiste Geld, nämlich fast 5,3 Milliarden Euro fließt in den stationären Handel in der Landeshauptstadt. Dahinter folgen die Städte Ludwigsburg (1,02 Milliarden Euro) und Sindelfingen (720 Millionen Euro). Beide haben auf ihrer Markung große Einkaufszentren, die Kunden anlocken. Dahinter sind Esslingen (645,5 Millionen Euro) und Göppingen (569 Millionen Euro) platziert. Doch ein immer größer werdender Anteil der fürs Einkaufen zur Verfügung stehenden Summe fließt in den Online- und Versandhandel – in diesem Jahr fast 3,7 Milliarden Euro. 2017 lag dieser Betrag noch bei 3,2 Milliarden Euro, zwei Jahre zuvor bei 2,7 Milliarden Euro.

Welche Städte sind besonders attraktiv? Nur in 13 der 62 untersuchten Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern macht der Einzelhandel Umsätze, die über der örtlichen Kaufkraft liegen. Unterm Strich profitiert er also von Kunden aus dem Umland, weil weniger Kaufkraft ab- als zufließt. Dieses Verhältnis messen die Experten mit der Zentralitätskennziffer, die dann mehr als 100 beträgt. Als Käufermagneten erweisen sich die Städte Sindelfingen mit einer Kennziffer von 170,3, Backnang (168,5), Ludwigsburg (168,2) und Göppingen (161,4). Relativ geringe Werte weisen dagegen die Kreishauptstädte Esslingen (102,4) und Waiblingen (94,3) auf. Das gilt vor allem vor dem Hintergrund, dass wegen der gewachsenen Bedeutung des Onlinehandels „alle Städte mit einer Einzelhandelszentralität von nicht mehr als 113 einen Kaufkraftabfluss verzeichnen“, so die IHK-Experten.

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Wie liegt die Stadt Stuttgart? Die Anziehungskraft der Landeshauptstadt beträgt 122,0 – das ist in etwa der Wert der Vorjahre, obwohl in Milaneo, Gerberviertel und Dorotheenquartier in den vergangenen Jahren neue große Einkaufsmalls dazugekommen sind. Damit liegt Stuttgart im Mittelfeld der Region. Auch was die Kaufkraft pro Kopf angeht, sticht Stuttgart nicht besonders heraus. Sie beträgt in der Landeshauptstadt 7710 Euro. Im bundesweiten Vergleich liegt Stuttgart bei der Zentralität auf dem zweiten Platz hinter Nürnberg, bei der Kaufkraft je Einwohner auf Rang vier hinter München, Düsseldorf und Frankfurt, beim absoluten Einzelhandelsumsatz hinter Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt an sechster Stelle.

Wo ist die Kaufkraft besonders hoch? Das meiste Geld zum Einkaufen haben Bewohner von Städten am Rand Stuttgarts – vor allem im Nordosten (Leonberg, Gerlingen, Korntal-Münchingen,Schwieberdingen, Remseck) und auf den Fildern (Leinfelden-Echterdingen, Ostfildern). Vier Städte liegen unter dem Bundesdurchschnitt: Geislingen an der Steige und Eislingen/Fils im Kreis Göppingen, Murrhardt und Welzheim im Rems-Murr-Kreis. Die höchste Kaufkraft pro Kopf weist der Kreis Böblingen mit 7737 Euro aus.

Wie bewertet die IHK die Analyse? Für die Kammer hat „die Region Stuttgart trotz der Debatten um Luftreinhaltung und Fahrverbote ihre Anziehungskraft für Konsumenten behauptet“, sagt IHK-Präsidentin Marjoke Breuning. Mit kundenorientierten Angeboten und klugen Konzepten könnten gute Geschäfte gemacht werden. Die Kommunalpolitik müsse die Rahmenbedingungen aber stärker berücksichtigen. „Umfassende Verkehrsbeschränkungen, großflächige Ansiedlungen von Einkaufszentren in Randlagen oder ein Übermaß an Bürokratie gefährden den Erfolg der Einzelhandelsbetriebe“, sagt sie.

Wer hat die Studie gemacht? Die IHK-Studie beruht auf Prognosen der Michael Bauer Research GmbH, der CIMA Beratung + Management GmbH und der BBE Handelsberatung GmbH. Sie ist zu finden unter www.stuttgart.ihk.de, Nr. 4140398. Dort ist auch die Methodik der Studie erklärt.

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