Spaniens König Felipe bei seiner Rede zum Referendum in Katalonien. Foto: dpa

Felipe VI. hätte in seiner Rede mäßigend auf beide Seiten einwirken müssen, kommentiert unser Politikredakteur Knut Krohn. Doch der Monarch gießt noch mehr Öl ins lodernde Feuer.

Stuttgart - Der spanische König hätte seinen aufgebrachten Landsleuten den Weg zur Versöhnung weisen können. Doch Felipe VI. hat die Chance kläglich vergeben. Er hat mit seiner Ansprache im Fernsehen sogar noch mehr Öl in das seit Sonntag gefährlich lodernde Feuer gegossen. Seiner Meinung nach sind die Rollen im Streit um die Unabhängigkeit Kataloniens klar verteilt: die Schuldigen sitzen in Barcelona. Den katalanischen Behörden wirft der König „unverantwortliches Verhalten“ vor. Und er stellt sich vor die Polizei, die für Recht und Ordnung sorgen müsse. Kein Wort der Kritik wegen des überharten Einsatzes der Beamten am Tag des Referendums, die die Menschen mit Schlagstöcken und Gummigeschossen an der Stimmabgabe hindern wollten. Es ist ein Glück, dass es dabei keine Toten gegeben hat.

Felipe beweist Härte

Felipe VI. beweist nun dieselbe unverantwortliche Härte, wie der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy. Der wollte das katalanische Unabhängigkeitsreferendum auf jeden Fall abwenden – und er hat gute rechtsstaatliche Gründe dafür. Viele Monate hatte der Premier Zeit, sich auf diesen schwierigen Konflikt vorzubereiten. Doch beide Seiten – weder in Madrid noch in Barcelona – waren gewillt, sich aufeinander zuzubewegen, sondern schaukelten sich mit ihren politischen Forderungen immer weiter nach oben.

Die Stabilität Spaniens steht auf dem Spiel

Felipe VI. hat Recht, wenn er sagt, dass die Stabilität ganz Spaniens auf dem Spiel steht. In dieser überaus schwierigen Situation braucht es Ruhe und Größe, um das Land aus einer womöglich existenziellen Krise zu führen. Weder der König noch der Premier scheinen diese Fähigkeiten in sich zu vereinen. Mit der Rede des Königs ist Spanien der Spaltung einen Schritt näher gekommen.

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