Stuttgarts erste Konfirmandengruppe kommt in diesem Jahr aus Feuerbach. Foto: Müller-Baji

Neben Bibelunterricht stehen bei den heutigen Konfirmanden auch ein Besuch im Klettergarten oder bei einer Hilfsorganisation auf dem Programm.

Feuerbach - Probedurchlauf vor dem großen Tag, und Pfarrer Harald Küstermann gab letzte Anweisungen für den Ablauf des Konfirmationsgottesdienstes in der Stadtkirche. Seine Gruppe bildete am Sonntag quasi die Vorhut aller Stuttgarter Konfirmationen, weitere werden in Feuerbach am 12. und am 19. Mai folgen. Das ist so, weil die Gemeinden ihre Termine wählen können, erklärt Küstermann: Ursprünglich hätten Konfirmationen vor Ostern stattgefunden, allerdings haben sich die Maitermine im Laufe der Zeit so eingebürgert, dass man nun dabei bleibe.

Insgesamt 42 Konfirmanden verzeichnet man in diesem Jahr in Feuerbach, erklärt der Pfarrer weiter: „Das ist gut!“ Zwar seien auch hier die Zahlen rückläufig, andererseits liege der Anteil der evangelischen Jugendlichen im entsprechenden Alter, die sich für eine Konfirmation entscheiden, bei immerhin 90 Prozent. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass der Frontal-Konfis-Unterricht von einst Geschichte ist. Vielmehr sollen sich die jungen Leute bei der Vorbereitung auf ihre Konfirmation Gedanken zu den großen Themen des Lebens machen, bei denen die christliche Gemeinschaft eine große Stütze sein kann. Stures Auswendiglernen war also früher, die Erlebnispädagogik ist an ihre Stelle gerückt – besonders bei der Gruppe, die nun am Sonntag konfirmiert wurde: Für sie fand der Unterricht nicht einmal wöchentlich an den Mittwochnachmittagen statt, die das Kultusministerium in den achten Klassen eigens von anderen schulischen Verpflichtungen freihält. Vielmehr leisteten diese Jugendlichen ihre Stunden samstags und quasi im Block ab.

Vertrauensbildender Besuch im Klettergarten

Das ließ Raum für besondere Exkursionen, etwa für einen vertrauensbildenden Besuch im Klettergarten. Oder fürs Nachdenken auf dem Friedhof: „Zunächst malt man einen besonders schönen Grabstein, das geht ja noch. Im nächsten Schritt sollen die Konfirmanden dann aber ein Grab von jemanden finden, der jünger war als sie selbst“, so Küstermann. „Dass niemand sicher sein kann und dass niemand weiß, wie lange das Leben währt – damit müssen sie erst mal klar kommen.“

Wie aber bewerten die Konfirmanden selbst ihre Erfahrungen? Sie erzählen, dass vier Stunden Konfis am Stück „sehr anstrengend“ sein können, dass es aber auch Spaß gemacht habe: Tilo Haist ist besonders der Besuch bei der Stuttgarter Vesperkirche in Erinnerung geblieben. Besonders, weil nicht nur offenkundig Wohnsitzlose arm sind, sondern auch Menschen, denen man es sonst nicht ansieht oder anmerkt. Carlina Ziegler erzählt vom überregionalen Konfistreffen in Mannheim, mit vielen anderen Jugendlichen. Dort habe man aber auch eine Einrichtung besichtigen können, die Zwangsprostituierten hilft: „Das hat uns alle sehr beeindruckt.“

Mitglied der Kirchengemeinde

Wie ist das aber, geht es bei der Konfirmation letztlich nicht doch nur um die Geschenke? Natürlich gebe es Geld, erzählen die Jugendlichen. Carlina Ziegler und Elia Stephan wollen es aber ganz bodenständig „anlegen und für später sparen“. Und wie wird es wohl sein, so als Mitglied der Kirchengemeinde? Nach jedem Konfis-Samstag habe man ja schon beim Sonntagsgottesdienst mitgeholfen, berichten die Jugendlichen. An Weihnachten und auch an Ostern gehöre der Kirchgang mit dazu, an den normalen Sonntagen werde man sie aber wohl nicht antreffen. Obwohl: „Vielleicht später, wenn ich älter bin“, sagt am Schluss doch noch einer von ihnen.

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