Die Qual der Wahl – drei Wahlen auf einmal. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nach den Erfahrungen des Super-Wahlsonntags spricht vieles für eine Trennung von Europawahl und Kommunalwahlen, findet Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Es ist schon paradox: Da wird auf allen Ebenen und Kanälen dafür geworben, wählen zu gehen – erfolgreich, wie die Wahlbeteiligung am vergangenen Sonntag belegt –, und dann stellt sich heraus, dass man darauf gar nicht eingestellt ist, zumindest nicht in den Großstädten.

Der um zehn Prozent größere Andrang in den Wahllokalen am Super-Wahlsonntag, war in der Landeshauptstadt nur mit größter Mühe zu bewältigen. Was wäre passiert, wenn noch mehr Wählerinnen und Wähler von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hätten? Bemerkenswert, dass sich solche Fragen überhaupt stellen.

In unerwarteter Deutlichkeit hat sich gezeigt: Drei gut besuchte Wahlen auf einmal sind eine zu viel. Die Bündelung von Europawahl und Kommunalwahlen war ursprünglich eine Krücke, um diesen oft lahmenden Abstimmungen Wahlpublikum zuzuführen. Angesichts der zur Schicksalswahl ausgerufenen, bedeutungsschweren Europawahl braucht es das nicht mehr. Eine Entflechtung wäre sinnvoll. Nicht nur aus organisatorischen, sondern auch aus inhaltlichen Gründen: Im Wahlenverbund kommen lokale Anliegen zu kurz, erst recht, wenn übergeordnete Themen den Wahlkampf dominieren. Das wird einer Gemeinderatswahl nicht gerecht.

jan.sellner@stzn.de

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