Die Bundesregierung geht laut ARD davon aus, dass der politische Führer der militanten palästinensischen Hamas Ismail Haniyya (li.) Unterstützung vom türkischen Präsident Erdogan (r.) erhält. Foto: dpa

Ankara soll Islamisten fördern – so sieht das die Bundesregierung seit Langem. Aber Protest bleibt aus, kommentiert unser Hauptstadtredakteur Thomas Maron.

Berlin - Die Bundesregierung, so berichtet es die ARD, geht davon aus, dass die Türkei islamistische Gruppierungen im Mittleren und Nahen Osten unterstützt. Mit der Hamas soll die türkische Regierung einer Organisation unter die Arme greifen, die in der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft wird. Der Sender beruft sich zwar auf ein vertrauliches Papier. Aber die Einschätzung deckt sich mit dem, was Regierungsvertreter in Hintergrundrunden von sich geben. Dies ist ein weiterer Beleg dafür, dass die geopolitisch und religiös motivierten Interessen des Nato-Partners Türkei sich mit den strategischen Zielen von EU und Nato kaum noch zur Deckung bringen lassen.

Offiziell hat sich die Bundesregierung in dieser Frage freilich stets bedeckt gehalten, und man darf gespannt sein, mit welchem diplomatischen Kunstgriff diesmal ein Eklat vermieden werden soll. Denn die Regierung kann in der ohnehin komplizierten Lage keine weitere Verschlechterung der Beziehungen riskieren. Merkel hat ja recht in ihrer Analyse, dass die Gegner des EU-Türkei-Flüchtlingspakts ihr Alternativen nennen sollen. Aber das bedeutet im Umkehrschluss eben auch: Die Bundesregierung ist erpressbar. Und wird hinnehmen, dass die Türkei im Verdacht steht, nicht nur mit der EU zu paktieren, sondern auch mit Islamisten der übelsten Sorte.

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