Im Mai endet Jürgen Fitschens (links) Zeit als Co-Chef der Deutschen Bank. John Cryan (rechts) führt das Geldhaus von da an als alleiniger Vorstandschef. Foto: dpa

Die Deutsche Bank schneidet im ersten Quartal 2016 besser ab als erwartet. Doch vor dem größten deutschen Kreditinstitut liegt noch ein beschwerlicher Weg, meint StZ-Redakteur Thomas Thieme.

Stuttgart - Es waren bemerkenswert nachdenkliche Worte, die Jürgen-Fitschen kurz nach dem triumphalen Freispruch im Münchener Betrugsprozess anfang dieser Woche gesprochen hat: Man müsse „alles versuchen, solche Verfahren künftig zu vermeiden“. Damit meinte der im Mai ausscheidende Co-Chef der Deutschen Bank die Prozessflut, mit der sich das Geldhaus seit Jahren im In- und Ausland konfrontiert sieht, unter anderem wegen Manipulationen des Gold und Silberpreises, aber auch wegen Tricksereien beim Referenzzinssatz Libor.

Die Skandale und ihre milliardenschweren finanziellen Folgen führen plakativ vor Augen, wie das schmutzige Wirken weniger vermeintlicher Top-Arbeitskräfte überwiegend aus dem Investmentbereich die Jobs vieler normaler Mitarbeiter in den Filialen bedrohen kann. Nicht nur wegen, aber sicherlich auch infolge dieser Rechtsstreitigkeiten und des Milliardenverlusts für das Jahr 2015 hat der neue Vorstandschef John Cryan den Sparkurs nochmals verschärft. Sein Vorgängerduo Fitschen und Anshu Jain war vor allem daran gescheitert, dass es die Manager eben nicht geschafft hatten, die Prozesswelle zu stoppen und Deutschlands größtes Kreditinstitut in ruhigeres Fahrwasser zu manövrieren.

Mit dem Ergebnis für das erste Quartal 2016 überrascht die Deutsche Bank nun die Analysten und Aktionäre, die einen weiteren Verlust in der Größenordnung von 300 Millionen Euro erwartet hatten. Unter dem Strich stand stattdessen ein Gewinn von 236 Millionen Euro. Die um 1,4 Milliarden Euro niedrigeren Kosten für Rechtsstreitigkeiten im Vergleich zum ersten Quartal 2015 haben das Ergebnis letztlich ins Plus gedreht. Die Bank profitiert davon, rechtzeitig genügend Rückstellungen für die Prozesse gebildet zu haben. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geld an anderer Stelle fehlt, etwa beim Umbau des Filialnetzes, für die Trennung von der Postbank, die Digitalisierung des Geschäfts oder den Rückzug des Kreditinstituts aus mehreren Ländern.

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