Fertigung bei Voith am Stammsitz Heidenheim. Auch am Stammsitz fallen Jobs weg Foto: dpa

Durch harte Einschnitte will das Familienunternehmen Voith ab 2016/17 rund 250 Millionen Euro im Jahr sparen. Das wird gelingen, sagt Wirtschaftsredakteur Walther Rosenberger. Die viel schwierigere Aufgabe wird es aber sein, den traditionellen Anlagenbauer zu einem software-getriebenen Hersteller smarter Maschinen zu machen.

Der Mischkonzern Voith, eines der größten Familienunternehmen der Republik, hat ein Problem. Während andere Firmen in der Vergangenheit Erfolg an Erfolg reihten, sind Umsatz und Gewinn bei den Heidenheimern in den letzten drei Jahren zurückgegangen. Der Gewinn im Haupt-Geschäftsfeld Papiermaschinen ist zuletzt auf einen Mini-Betrag zusammen geschmolzen. Dazu kommt ein zerfasernder Verwaltungsapparat, der sich über viele Jahrzehnte und noch viel mehr ­Werke und Standorte ausgebildet hat.

Ziemlich spät reagiert die Voith-Führung nun. Die Verwaltung wird gestrafft und umorganisiert, das Papiermaschinengeschäft radikal zusammengestutzt. 1600 Stellen weltweit gestrichen. Die Dienstleistungssparte mit rund 18 000 Mitarbeitern soll verkauft werden.

Die Schritte sind hart, aber wahrscheinlich alternativlos. Viel kommt darauf an, ob das Unternehmen seiner sprichwörtlichen Voith-Kultur des Respekts vor den Mitarbeitern gerecht wird. Zumal man nicht ohne betriebsbedingte Kündigungen und sogar die Schließung ganzer Werke auskommen wird.

Voith will aber mehr als nur die Kosten in den Griff bekommen – zurecht. Vom traditionellen Anlagenbauer wollen sich die Heidenheimer in einen Konzern verwandeln, der auch die Schnittstellen zur IT-Technologie beherrscht. Im Grunde will man den umgekehrten Weg gehen wie Google, das sich gerade überall ­Maschinenbauer unter den Nagel reißt. Der Ingenieurs-Konzern Voith will nun im IT-Bereich stark zulegen. Das Ziel ist bei Google wie bei Voith dasselbe: Beim Trend der zunehmenden Vernetzung industrieller Prozesse durch das Internet will man in Heidenheim ein Wörtchen mitreden.

Wie der Schwenk allerdings gelingen kann, ist noch offen. Im Moment versucht sich Voith durch teure Übernahmen und Beteiligungen – etwa am Roboterbauer Kuka – entsprechende Kompetenz an Bord zu holen. Das wird nicht genug sein, denn die Veränderung muss auch von innen kommen. Es gilt, die Denke einer ganzen Belegschaft umzukrempeln. Arbeitsgruppen, wie bislang angekündigt, reichen da nicht aus.

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