Taxifahrer bekommen zunehmend Konkurrenz aus dem Netz Foto: dpa

Die Taxifahrer attackieren den Daimler-Konzern, weil dessen App-Tochter mit Rabatten für MyTaxi wirbt. Doch auch diese Branche wird nicht daran vorbeikommen, sich auf die Digitalisierung einzustellen.

Stuttgart - Als die deutsche Bundespost ihr Monopol auf Telefonanschlüsse zu verlieren drohte, schien den Verbrauchern Schlimmes bevorzustehen, denn die Konkurrenz habe nur ihren Profit im Sinn und nicht den Kunden. Damals kosteten Ferngespräche 1,15 Mark pro Minute, heute sind sie meist in der Flatrate enthalten und das Surfen gleich dazu. Konkurrenz ist meist der Freund des Verbrauchers, nicht dessen Feind, auch wenn der bedrängte Platzhirsch ihm das gern einreden würde.

Der Lernprozess, den die Bundespost hinter sich hat, steht der Taxibranche vermutlich noch bevor. Online-Plattformen wie Uber werden sich eine Zeit lang mit Klagen verhindern lassen – über kurz oder lang werden sie sich aber durchsetzen, weil es für die Dienste sowohl einen Bedarf als auch ein Angebot gibt. Im Grunde müssten Taxifahrer froh sein, dass es mit Apps wie My Taxi Wege gibt, die zwar den Taxizentralen Konkurrenz machen, aber dafür sorgen, dass die Digitalisierung des Mitfahrens nicht noch weiter an den Taxifahrern vorbeiläuft.

Doch anstatt zu begrüßen, dass My-Taxi-Eigentümer Daimler die Branche mit einer Rabattaktion besser ins Spiel bringt, droht sie dem Konzern indirekt mit Boykott. Doch wo will sie dann ihre Autos kaufen? Auch andere Hersteller arbeiten längst an der Digitalisierung des Mitfahrens und sind allenfalls neidisch, dass sie dabei noch nicht so weit sind wie die Stuttgarter.

Die Digitalisierung aufzuhalten ist bisher noch keiner Branche gelungen; und es ist keine gewagte Prognose, dass sich auch die Taxifahrer der Realität stellen müssen, dass den Menschen die App auf dem Smartphone heute weit näher ist als der Telefonhörer. My Taxi könnte der Branche eine Brücke ins digitale Zeitalter schlagen – doch bisher hat es den Anschein, dass sie lieber mürrisch beiseite steht, als diese Brücke zu betreten.

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