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Nur wenn die Kirche das Transparenzgebot einhält, kann sie Vertrauen zurückgewinnen

Stuttgart - Die Katholische Kirche macht ihre Hausaufgaben. Mit den neuen Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch setzt sie ein Signal gegen die Praxis der Vertuschung und Verschleierung von Gewalttaten. Wenn grundsätzlich jeder Verdachtsfall angezeigt wird, erhält die strafrechtliche Verfolgung durch staatliche Behörden endlich Vorrang vor kircheninternen Untersuchungen. Sie dienten oft genug dazu, die Kirche zu schützen.

Jetzt kommt es darauf an, die Leitlinien überall in der Kirche konsequent im Sinne der Opfer anzuwenden. Da kann es sein, dass das Opfer einer Gewalttat die Ansprechpartner der Kirche bittet, die Tat nicht anzuzeigen, um sich zu schützen. Die Leitlinien sehen in solchen Fällen eine Ausnahme von der Anzeigepflicht vor. Die Kirche muss sich aber bewusst sein, dass die Ausnahmeklausel auch missbraucht werden kann, wenn Opfer etwa zum Verzicht auf eine Anzeige gedrängt werden. Da ist es gut, dass alle Gespräche zu protokollieren und vom Opfer selbst oder seinem Vertreter zu unterzeichnen sind.

Nur wenn die Kirche das Transparenzgebot einhält, kann sie verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Die neuen Leitlinien sind dazu ein allererster Schritt. Nicht mehr.

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