Es ist angerichtet: Die Raser können kommen Foto: dpa

Soll man sich über den Blitzmarathon ärgern? Auf keinen Fall, meint StN-Autor Tom Hörner. Für ihn ist die Aktion eine gigantische Spendengala, bei der jeder etwas geben sollte. Warum es ihm dennoch nicht gelang, in eine Radarfalle zu rauschen.

Stuttgart - Es ist ja nicht so, als wüsste man nicht, wohin mit dem Geld. Aber einen ­kleinen Beitrag hätte man gern geleistet, wenn in Deutschland tausende Polizisten auf der Lauer liegen, um der Raserei Einhalt zu gebieten.

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch. Es ging mir nicht darum, mit 250 Sachen durch die 30er-Zone vor einem Kindergarten zu brettern. Das hätte meine finanziellen Möglichkeiten gesprengt. Außerdem ist es saugefährlich. Und was, wenn du dabei von einer Mutter im ­Cayenne überholt wirst? Wenn Sie dich dann erwischen, zahlst du, bis du schwarz wirst – und stehst am Ende doch bloß als zweiter Sieger da.

Nein, darum ging es am Donnerstag dieser Woche nicht. Aber für eine kleine Geschwindigkeitsüberschreitung, so im 15- bis 30-Euro-Bereich, dafür wäre ich zu haben gewesen. Ein Blitzmarathon ist ja auch eine Sache des Gemeinschaftsgefühls, wie eine Fußball-WM. Selbst wenn man ­keinen Dunst vom Kicken hat, guckt man. Allein, um mitreden zu können.

So ähnlich hätte ich mir das auch für den Blitzmarathon gewünscht. Ich wollte nicht die Hitliste der Oberraser anführen, was, unter uns gesagt, kaum möglich ­gewesen wäre. Der Dienstwagen, den ich mir für den Donnerstag ausgeliehen ­hatte, hätte höchstens 190 Sachen ­gepackt. Damit kannst Du heutzutage nichts mehr reißen.

Ein charmantes Briefchen mit Erinnerungsfoto und dem amtsdeutschen ­Hinweis, dass ich die zulässige Höchstgeschwindigkeit um soundsoviel km/h überschritten hätte, wäre schön gewesen. Dann hätte ich gewusst: Ich war dabei.

Wie aber hätte das gehen sollen? ­Morgens auf der Autobahn Stau, abends Stau. Selbst die Standspur war dicht. Kennen Sie das, wenn man im Traum losrennen will und nicht vom Fleck kommt? So kam ich mir vor.

Ich bin zutiefst gefrustet, abgeblitzt. Beim nächsten Mal fahre ich wieder ­Fahrrad. Vielleicht sollten Sie das auch tun. Stellt Euch vor, es ist Blitzmarathon – und ­keiner fährt hin.

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