Oft findet man selbst doof, was man als Mutter so alles sagt. Und nimmt sich vor, es nicht mehr zu tun. Foto: Welzhofer

Es gibt Sätze im Alltag mit ihren Kindern, nach denen sich unsere Kolumnistin jedes Mal ein bisschen vor sich selbst schämt. Und dann sagt sie sie trotzdem wieder.

Stuttgart - Liebevoll, einfühlsam, zugewandt, verständnisvoll und natürlich pädagogisch höchst wertvoll – ja, so wäre ich als Mutter gern. Stattdessen bin ich im Alltag oft die gestresste Frau mit der schlechten Laune, die ihre Kinder anfährt. Hier zehn Sätze, die ich eigentlich nie wieder sagen wollte – und trotzdem immer mal wieder sage -, und Alternativen, die sich (bei uns) bewährt haben.

„Jetzt frag das doch nicht schon wieder!“

Situation: Der Sohn (6) ist ein einziges großes Fragezeichen. Neben neu zu erschließenden Themenfeldern der Zoologie, Astronomie und Paläontologie, fragt er allerdings auch immer wieder die gleichen Sachen.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Fragen stellen ist doof.

Alternativen, die bei uns gut funktionieren: „Überleg erst mal. Ich glaube, das habe ich schon mal erklärt, oder?“ (Falls nicht, dann auf jeden Fall immer wieder von Neuem beantworten)

„Wie siehst du denn aus!?!“

Situation: Wenn ich den Sohn von der Kita abhole, ist er von der Mützen- bis zur Fußspitze mit Matsch überzogen. Kommt derzeit etwa täglich vor.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Matschen/toben/wild sein ist doof.

Alternativen, die bei uns derzeit funktionieren: „Du kannst nächste Woche als Matschmonster zum Kinderfasching gehen!“ (Und auf keinen Fall jeden Abend Schuhe putzen und Jacke waschen, ist Zeit- und Wasserverschwendung und führt zu akutem Sisyphos-Komplex)

„Du bist ein Kind! Du musst doch spielen können!“

Situation: Dem Sohn ist langweilig. Ich will am Wochenende mal wenigstens kurz Zeitung lesen.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Spielen ist etwas, was man tun muss. Ich bin zu doof zum Spielen.

Alternativen, die bei uns immer öfter funktionieren: „Ich möchte jetzt lesen. Geh bitte ins Zimmer und such dir etwas, mit dem du schon lange nicht mehr gespielt hast.“ (Wenn das gar nicht klappt, gemeinsam mit dem Kind etwas überlegen, was es tun könnte. Und wenn das auch nichts bringt, geht bei uns immer ein Hörspiel.)

„Wenn du dich jetzt nicht anziehen lässt, lasse ich dich hier!“

Situation: Der Tochter (knapp 3) schlägt Purzelbäume, während ich versuche, sie anzuziehen und eigentlich schon längst das Haus verlassen haben müsste um rechtzeitig im Büro zu sein.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Mama würde mich tatsächlich einfach alleine hier lassen. Panik.

Alternativen, die bei uns manchmal funktionieren: „Komm, wir machen einen Wettbewerb mit deinem Bruder, wer zuerst angezogen ist.“ (Stachelt auch den größeren Bruder an)

„Wenn du weiterhin so motzig und unhöflich bist, können wir nicht mehr gemeinsam zur Uroma fahren!“

Situation: Der Sohn hat beim Verwandtenbesuch schlechte Laune.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Ich darf keine schlechte Laune haben, sonst werde ich bestraft.

Alternativen, die bei uns meist funktionieren: Papa geht erst mal eine halbe Stunde mit dem Sohn im Hof Fußballspielen.Meist ist ein akuter Energieüberschuss nämlich der Grund für die schlechte Laune.

„JETZT SCHLAF ENDLICH!“

Situation: Es ist neun Uhr. Ich bin sehr müde, die Tochter allerdings überhaupt nicht. Sie hat ja in der Kita einen ausgiebigen Mittagsschlaf gemacht.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Nicht müde sein macht Mama sauer. Die Chance, dass sie daraufhin einschläft, ist außerdem ungefähr so hoch, wie wenn man selbst nicht einschlafen kann und sich vorsagt: „Ich muss jetzt endlich einschlafen!“

Alternativen, die bei uns funktionieren: Keine. Müssen wir aussitzen bis sie keinen Mittagsschlaf mehr macht.

„Ihr müsst das eigentlich schon können!“

Situation: Nach dem Abendessen müssten Tisch, Stühle, Pullis und Kinderhände eigentlich mit dem Hochdruckreiniger behandelt werden, weil die Kinder gegessen haben wie Schweine.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Ich kann etwas nicht, was ich eigentlich können müsste. Ich habe ein Defizit.

Alternativen, die bei uns bisweilen funktionieren: Fünf Tischregeln, deren Einhaltung mit einem Aufkleber belohnt wird.

„Anderen Kinder bekommen wegen so etwas doch auch keinen Anfall!“

Situation: Sohn bekommt mal wieder einen Tobsuchtsanfall, weil sein selbstgemaltes Bild eines Ninjago-Kämpfers nicht ganz genau so aussieht wie die Lego-Figur, die Modell stand.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Wütend oder traurig über etwas zu sein ist doof. Andere Kinder sind besser als ich.

Alternativen, die bei uns manchmal funktionieren: „Also ich finde dein Bild super!“ oder „Beim Malen ist es halt wie beim Fußball. Das muss man immer wieder üben. Beim Fußball wirst du doch auch jedes Mal besser.“

„Hast du jetzt etwa in die Hose gemacht?! Das hast du doch mit Absicht gemacht!“

Situation: Ich habe die Tochter, die sich gerade die Windel abgewöhnt, kurz zuvor gefragt, ob sie Pipi muss, was sie verneint hat. Nun ist die Hose nass.

Wie das beim Kind ankommen könnte: Wenn ich aus Versehen Pipi in die Hose mache, wird Mama wütend.

Alternativen, die bei uns meist funktionieren: Einfach die Klamotten wechseln und dem Kind noch mal ruhig sagen, dass es bitte vorher sofort sagen soll, wenn es Pipi muss.

„Klar hab ich dich lieb, aber das vorher hat mich sehr geärgert.“

Situation: Ich habe geschimpft. Wir haben uns wieder versöhnt. Der Sohn fragt danach: „Hast du mich lieb?“

Wie das beim Kind ankommen könnte: Mama hat mich liebt, aber es gibt immer ein Aber.

Alternativen, die bei uns immer funktionieren: „Ich habe dich sehr lieb!“ Kuss. Kuscheln.

Lesen Sie hier mehr aus der Kolumne „Mensch, Mutter“.

Die Autorin Lisa Welzhofer ist Mutter zweier Kinder und lebt in Stuttgart. In ihrer Kolumne macht sie sich regelmäßig Gedanken übers Elternsein, über Kinder, Kessel und mehr. Sie schreibt im Wechsel mit ihrem Kollegen Michael Setzer, der als „Kindskopf“ von seinem Leben zwischen Metal-Musik und Vatersein erzählt.

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