Wie viel Plastik steckt eigentlich in einem Q7? Foto: Audi AG

Audi schreibt für das diesjährige Naturvision Filmfestival in Ludwigsburg einen Kurzfilmpreis für Umweltthemen aus. Richtig gelesen: Audi.

Kreis Ludwigsburg - Geht es Ihnen auch manchmal so, dass die Widersprüche dieser Welt Sie ratlos zurücklassen? Beispiele gibt es dieser Tage genug: Wintersportlern, denen ihre Olympiade zu kalt ist. Eine 55-Jährige, die als Generalsekretärin eine angeschlagene Volkspartei verjüngen soll. Oder eben Audi. Der Konzern hat derzeit, vorsichtig gesagt, keine gute Presse. Da hätte es wie ein kleiner Befreiungsschlag auf lokaler Ebene sein können zu verkünden, dass man in diesem Jahr beim Ludwigsburger Naturvision Filmfestival einen neuen Preis mit 5000 Euro dotiert.

Prämiert werden sollen Filme, die sich mit dem Thema Plastik und seinen Gefahren für die Umwelt befassen. „Plastik – was vor 100 Jahren als große Verheißung galt, hat sich längst zu einem globalen Problem entwickelt“, heißt es in der Pressemitteilung zum neuen Preis.

Ersetze „Plastik“ durch „Diesel“

Wir ersetzen in diesem Satz das Wort „Plastik“ durch „Diesel“ – und schon sind wir beim nächsten Widerspruch angelangt. Wenige Tage vor der Plastik-Preis-Pressemitteilung standen nämlich erneut Staatsanwälte und Landeskriminalbeamte in Ingolstadt und Neckarsulm für eine Großrazzia bei dem Autobauer auf der Matte – wieder einmal wegen des Vorwurfs illegaler Vorrichtungen zur Manipulation von Abgaswerten von Dieselmotoren. Die Besuche dürften bald Gewohnheit werden.

Nun ist es nicht ungewöhnlich, dass Autofirmen Preise für Themen stiften, die ihnen eigentlich fremd sind. An der Filmakademie in Ludwigsburg gibt es beispielsweise einen Preis für Werbespots, der von Porsche gesponsert ist. Im vergangenen Jahr schaffte es ein Porsche-Werbespot dabei auf Platz zwei.

Projekte zu Bienen haben es der Stiftung angetan

Nun sponsert aber nicht die große, böse Audi AG direkt den Plastik-Preis, sondern die Audi Stiftung für Umwelt. „Nachhaltiges unternehmerisches Handeln in Verantwortung für die Gesellschaft und Umwelt aber auch für die Gesamtwirtschaft ist für die Audi AG eine der Grundmaximen ihrer Geschäftstätigkeit“, heißt es auf der Homepage der Stiftung. Ihre Kernanforderung sei, so heißt es weiter, „freiwilliges Handeln in den Bereichen Ökologie, Soziales und Wirtschaft über die Grenzen der gesetzlichen Verpflichtungen hinaus“.

Im Grunde erübrigt sich hier jeder weitere Kommentar. Vielleicht eine kleine Einordnung: „Tue Gutes und rede darüber“, ist die Maxime jeder erfolgreichen PR-Arbeit. Und die Audi Stiftung tut auch Gutes. Beispielsweise ermöglicht sie Wissenschaftlern, Forschungen über die Tierwelt anzustellen. Nein, die Rede ist nicht von Affen. Besonders Projekte zu Bienen haben es der Audi Stiftung angetan. Möchte man den Abgas-Kritikern damit Honig ums Maul schmieren? Oder erlaubt das Verhalten eines Bienenstocks bei Gefahr Rückschlüsse auf die Strategie eines von der Justiz angegriffenen Autobauers? Nach dem Motto: Die Drohnen kann man opfern, aber schützt die Königin! Wir wissen es nicht.

Hängen geblieben ist bei uns jetzt: Was sind schon Dieselabgase, möglicherweise gar noch manipulierte, im Vergleich zum bösen, bösen Plastik? Kann denn da nicht mal jemand was unternehmen? Wie gut, dass wir Audi haben.

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