Vorsicht ist geboten! Wohl dem, der einen Warnmelder hat. Foto: dpa

Was für den Straßenverkehr gut ist, muss für den Geschäftsverkehr nicht schlecht sein. Gerade jetzt.

Ludwigsburg - Die Technischen Dienste Ludwigsburg haben verraten, wie sie sich auf den Winter vorbereiten. Dass die Mitarbeiter warme Kleidung tragen, heiße Herzen haben und ausreichend Salz im Lager, ist ja allgemein bekannt. Aber darauf, wie es die Technischen Dienste bewerkstelligen, dass Autofahrer und Fußgänger idealerweise gar nichts von glatten Straßen und Gehwegen merken – das kann man sich nicht so einfach denken.

Eine ehrenhafte Arbeit

Es ist nämlich so: Jede Nacht um drei Uhr fährt ein Mitarbeiter durch die Stadt und kontrolliert gefährdete Stellen auf mögliches Glatteis. Brücken sind zum Beispiel solche gefährdeten Stellen oder Bushaltestellen. Entdeckt der Nachtfahrer Glatteis, aktiviert er die Alarmierungskette – und bis zu 100 Kollegen rücken aus und machen die Straßen und Gehwege sicher. Der Kollege, der jede Nacht um drei Uhr aufbricht, hat die Funktion des Glatteiserkennungsdienstes.

Sehr ehrenhaft, denkt man, während man sich den Glatteiserkennungsdienst vorstellt, wie er sich furchtlos durch das nächtliche Ludwigsburg tastet. Und so pragmatisch. Und auch, wenn man noch weiter nachdenkt, unheimlich praktisch für alle anderen Lebenslagen. Famos wäre so ein menschliches Frühwarnsystem, das seinen Nutzer vor Gefahr im Verzug warnt, einem schmerzhaften Sturz oder einem fiesen Fall. Ein Erkennungsdienst für politisches Glatteis noch dazu, das wäre eine Errungenschaft.

Vorsicht kann Kummer ersparen

Ein solcher Dienst, wenn es ihn denn gäbe, könnte einem Turnerbund viel Kummer ersparen. Einem Turnerbund zumindest, der dem Rathaus von Ludwigsburg die Ausrichtung eines Turnfestes anbietet – gegen die Zahlung eines sehr, sehr hohen Zuschusses. Der Glatteiserkennungsdienst, wenn es ihn gäbe, würde bereits vor dem Besuch im Rathaus erkennen, dass dieses Geschäft nicht zum Abschluss kommen kann. „Kein gesundes Kosten-Nutzen-Verhältnis für die Stadt“, würde er sagen – und dem Turnerbund empfehlen, um viel weniger Geld zu bitten. Dann, so die Vorhersage, würden sich der Oberbürgermeister und die Stadträte bestimmt freuen, eine Veranstaltung mit so „großer Ausstrahlungswirkung“ beherbergen zu dürfen.

So wie sie es jetzt tun: Im Mai des Jahres 2020 findet in Ludwigsburg das Landesturnfest statt. Aber die Zusage dafür hat die Stadt dem Schwäbischen Turnerbund halt erst erteilt, nachdem er mit einem ungleich geringeren Zuschuss zufrieden war.

Eine Bank mit viel Gefühl

Was man mit so einem Glatteiserkennungsdienst bestimmt auch prima vermeiden könnte, wären aufgebrachte Bürger. „Gar keine gute Idee“, würde der diensthabende Glatteiserkenner seinem Auftraggeber sagen, wenn er von seiner Testfahrt durch die Stadtteile zurück ist, in denen Flüchtlingsunterkünfte gebaut werden sollen. Von jetzt auf gleich. „Niemals die Bürger vor vollendete Tatsachen stellen!“, würde der Glatteiserkenner raten und stattdessen die Bildung von bürgerbeteiligten Arbeitskreisen empfehlen. Nimmt unheimlich Druck aus der Sache, weiß das Frühwarnsystem im Voraus. Stimmt, lernt die ­Ludwigsburger Verwaltung gerade in ­Hoheneck – und im Nachhinein.

Sehr geschickt im Umgang mit gefährlichen Situationen ist übrigens die Ludwigsburger Kreissparkasse. Seit Jahren will sie ihr Hauptgebäude in der Innenstadt umbauen und verschönern – und wartet vergeblich auf grünes Licht. Dann taucht ein Gerücht auf: Die Bank erwäge einen Wegzug aus der Stadt. Wer das Gerücht gekocht hat? – Niemand weiß es. Aber bestimmt muss die KSK nun nicht mehr lange auf das grüne Licht für ihren Umbau warten. Man sieht: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oder, wie Glatteiserkenner sagen: Die Kuh ist vom Eis.

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