In Herrenberg ist alles Gold, was glänzt: Die Stadt hat viele Fans. Foto: Stadt Herrenberg

Aufgelesen im Kreis: Süßes und Saures. Diese Woche feiert eine Stadt ihre Social-Media-Auftritte, und bei der CDU wird nur aus Datenschutzgründen gehackt.

Herrenberg - Die Stadt Herrenberg feiert sich mal wieder. „Danke für über 6000 Fans“ lautet die Überschrift über der neuesten Erfolgsmeldung aus der Mitmachstadt. Dass weniger als 20 Prozent der Einwohner ihren Wohnort mögen, klingt im ersten Moment zwar nicht so positiv. Aber im Vergleich kann sich Herrenberg sehen lassen: Auf der Social-Media-Plattform Facebook wurde Herrenberg 4000-mal gelikt, bei Instagram hat sie etwas mehr als 2000 Follower, also Abonnenten. Sindelfingen kommt mit genau doppelt so vielen Einwohnern bei Facebook nur auf die gleiche Zahl an Likes, den Böblingener Auftritt (50 000 Einwohner) mögen hingegen weniger als 2000 Menschen – warum auch immer.

Nicht alles ist Gold, was glänzt

Natürlich ist nicht einmal in Herrenberg alles Gold, was glänzt – obwohl zwei Damen der Stadtverwaltung den Erfolg mit dieser Farbgebung bildlich darstellen. Die Facebook-Seite hat sogar 6000 Abonnenten, aber nur zwei Drittel davon mögen offenbar, was ihnen die Verwaltung über den Kanal an Nachrichten zusendet. Und im Vergleich mit einem Riesen wie Cristiano Ronaldo, der mit mehr als 123 Millionen die allermeisten Fans weltweit dort hat, wirken die als „Meilensteine“ gefeierten Zahlen eher winzig. Zumal es zehn Jahre gedauert hat, sie zu erreichen. Bei dem bisher vorgelegten Tempo hätte Herrenberg den Fußballstar in frühestens 300 000 Jahren eingeholt.

Aber für die Kommunen sind diese Publikationskanäle auch mit geringerer Reichweite Gold wert. Darüber können sie sich unfiltriert an ihre Bürger wenden. „Wir freuen uns wirklich sehr über die Anzahl der Fans und sehen diese als Vertrauensbeweis“, sagt Nico Reith, der Leiter der Stabsstelle Steuerung und Kommunikation im Rathaus. Er wirbt damit, dass die Herrenberger damit einen direkten, unkomplizierten Draht zur Verwaltung hätten. Auf diese Weise wird schließlich nicht jeder Ärger gleich an die große Glocke der Stiftskirche gehängt. Das Coronavirus hat die Entwicklung offenbar noch beflügelt: Gerade zu Beginn der Pandemie bemerkte Nico Reith, „wie viele Bürger Nachrichten und neueste Entwicklungen inzwischen via Facebook und Instagram nachlesen“.

Im Lockdown zu viel vor dem Computer

Im Shutdown haben viel zu viele Menschen zu viel Zeit vor dem Computer verbracht. Dazu gehört auch Michael Moroff. Der Ex-Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Böblingen soll in diesem März so weit gegangen sein, das Mail-Konto seines im Februar 2017 abgewählten Vorgängers gehackt zu haben. Normalerweise sind es angeblich immer die Russen, die sich solchen verbotenen Tätigkeiten hingeben, um die Meinung der Massen zu manipulieren. Aber der Leonberger Christdemokrat sprengt die üblichen Muster. Erstens hat er sich nicht an Facebook herangemacht, dabei hätte es die Seite der Kreis-CDU mit ihren im Vergleich zu Herrenberg und sogar Böblingen lächerlichen 871 Likes durchaus nötig, etwas frisiert zu werden. Zweitens bespitzeln sich in der Politik eigentlich eher die Gegner wie im Watergate-Skandal – damals noch analog als Einbruch im Hauptquartier der Demokraten durchgeführt, vom republikanischen Präsidenten beauftragt.

Michael Moroff soll aus Datenschutzgründen gehackt haben, berichteten die Zeitungen (und nicht die Partei auf ihrem Facebook-Kanal). Er habe in dem seit Ende 2016 nicht mehr genutzten Postfach Adressen von CDU-Mitgliedern gefunden, lautete seine Begründung. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft. Der Kreisvorstand „bedankt sich herzlich bei Michael Moroff für seinen engagierten Einsatz für die CDU im Kreis Böblingen“, heißt es in der Mitteilung zu dessen Rücktritt.

Ansonsten blicken deren Mitglieder „optimistisch und geschlossen in die Zukunft“ – für die sie Moroff nur „das Allerbeste“ wünschen. Auf ihrer Facebook-Seite hat sich die Partei längst wichtigeren Themen zugewandt: einer Wanderung der Landtagsabgeordneten Sabine Kurtz. Anders als die Meldung vom Rücktritt des Kreisvorsitzenden, der immerhin vier Likes nach sich zog, hat darunter noch niemand „Gefällt mir“ geklickt.

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