Huhu – ein Geisterbus! Bald auch in Ludwigsburg. Aber wer schnauzt uns dann an? Foto: dpa

In Ludwigsburg sollen Busse ohne Fahrer verkehren. Aber wer raunzt einen dann an? Und wie versteht man Bürgermeister besser? Viele Fragen in der Kolumne Alles Binko.

Ludwigsburg - Die Zukunft ist schon da. Zumindest in der „Smart City“ Ludwigsburg. Demnächst fährt sogar ein Geisterbus vom Bahnhof in die Weststadt. Pardon, ein autonom denkender Bus natürlich. Stellt sich die Frage: Von wem wird man dann angeschnauzt, wenn das Wechselgeld nicht passend ist? Und weil man doch nach 20 Uhr nur beim Fahrer einsteigen soll, wie verhält man sich richtig? Und wer schiebt uns künftig 20 Sekunden vor der geplanten Abfahrtszeit vor der Nase die Tür zu?

Aber es gibt ja schließlich das Living Lab, das Experimentierbüro des Oberbürgermeisters. Dort wird bestimmt eine künstliche Intelligenz ausgebrütet, die dann Ansagen wie „Nächsterhaltgrünbühl“ oder „Dasmachtdannzweifünfzigundzwarsofort“ mit einem sattsam vertrauten unfreundlichen Tonfall vom Band lässt.

Testaufgabe: Wie spricht man unfreundlich?

Gerüchten zufolge soll das Gesicht des Stadtoberhaupts für die IT-Experten Modell stehen – festgehalten im Moment, in dem sich die aus Werner Spec’ Sicht ziemlich nervige Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt im Gemeinderat zu Wort meldet. Ein erster, exklusiver Blick unserer Redaktion auf den so programmierten, oberbürgermeisterlich gemorphten Gesichtsausdruck des Geister-Busfahrers hat den eingesetzten Reporter zutiefst schockiert: Er ist seither dienstunfähig geschrieben und murmelt ohne Unterlass Schulbus-Anekdoten aus seiner frühen Kindheit vor sich hin.

Dabei war uns schon im alten Jahr die Zukunft noch näher. Es wurde im Forum am Schlosspark das „Innovation Valley“ ausgerufen. Start-up-Unternehmer träfen Global Player, so das Versprechen. In der Ankündigung wimmelte es nur so von futuristischen Anglizismen. „Beim Maultauschen-Brunch erwarten Sie jede Menge Insights zu Innovation Valley“, hieß es etwa. Vorträge von 80 „namhaften Speakern“ standen an, die jungen Gründer durften sechs Minuten lange „Start up Pitches“ auf der „Funding Stage“ halten oder lustige Brainstorm-Sessions frequentieren. Und natürlich abends bei der „After Party“ mit einem ganz hohen Tier von Bosch, Daimler oder BASF antichambrieren.

Anglizismen klingen immer besser

Vielleicht wäre eine solche Diktion auch die Lösung für den Roboter-Busfahrer. „Ein smartes Welcome in dieser Transportation-Location“, könnte er flöten. Mit einem Passengers Pitch würden Sie sechs Minuten für eine Fahrkarte vorsprechen, dann in der Customers Lounge entgegen der Fahrtrichtung Platz nehmen und aus dem Fenster Outsights sammeln.

Wenn dann der Computerfahrer ob Ihrer coolen Freshness euphorisch wird, ruft er fröhlich „Cheerio“ und brezelt eigenmächtig mit Tempo 70 statt wie programmiert mit 25 Sachen in den Bahnhof über das Rüttelpflaster, bis es dem Fahrgast das Smartphone aus der Hand haut. Nun muss man nicht zwingend ein Androide sein, um unverständlich zu sprechen. Den Beweis dafür hat dieser Tage der Ditzinger OB Michael Makurath erbracht. In einer Debatte über grüne Gärten in Baugebieten hat er folgenden Satz ersonnen, ja man muss anerkennend sagen, regelrecht komponiert: „Handlungsleitend war die Erkenntnis aus der intensiven und detailscharfen Diskussion, dass keine objektive Begründung für eine minimalinvasive Fortschreibung gefunden werden kann.“

Das hätte selbst Werner Spec mit seinem unerschöpflichen Füllhorn an Kommata und Relativsätzen nicht schöner sagen können. Wir stellen uns dazu noch einmal den Gesichtsausdruck vor von ... Sie wissen schon. Cheerio!

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: