Scheidet im August als Bürgermeister aus: Werner Wölfle Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Bürgermeister Werner Wölfle delegiert das Thema Klinikum-Skandal und hofft, so in Ruhe in den Ruhestand gehen zu können, kommentiert Lokalchef Jan Sellner.

Stuttgart - Darauf muss man erst mal kommen: Werner Wölfle, der in Bedrängnis geratene Sozialbürgermeister, beantragt ein Disziplinarverfahren gegen sich selbst. Das Regierungspräsidium soll als Aufsichtsbehörde klären, ob er sich während seiner Zeit als Krankenhausbürgermeister beim Stuttgarter Klinikum-Skandal etwas hat zu Schulden kommen lassen. Das ist in etwa so, wie wenn jemand bei der Polizei Selbstanzeige erstattet, weil andere schlecht über einen reden – statt dem selbst entgegen zu treten.

Wölfles Versuch eines Befreiungsschlags ist also zunächst ein mal ein Fall fürs Kuriositätenkabinett. Natürlich verspricht er sich davon Entlastung – inhaltlich wie zeitlich. Inhaltlich, weil der Grünen-Politiker davon überzeugt zu sein scheint, dass das Regierungspräsidium ihm ein untadeliges Verhalten attestieren wird. Zeitlich, weil er annimmt, seine Arbeit im Rathaus fortsetzen zu können – ohne auf nervige Fragen von Stadträten und der Öffentlichkeit eingehen zu müssen.

Auf diese Weise hoffen die Grünen, das Thema Klinikum-Skandal aus dem Kommunalwahlkampf heraushalten und hofft Wölfle im August stressfrei und mit Persilschein in den Ruhestand gehen zu können. Nach Lage der Dinge konnte der 65-Jährige ohnehin nicht mehr davon ausgehen, dass ihn eine Ratsmehrheit für eine weitere als Sozialbürgermeister bestätigen wird, auch wenn er dem ursprünglich nicht abgeneigt gewesen wäre und er als gelernter Sozialarbeiter – nach Einschätzung vieler – dieses Amt gut versehen hat.

Fürs Erste ist festzuhalten: Wölfle hat sich aus der Schusslinie genommen – auf unkonventionelle, clevere, aber auch hasenfüßige Weise.

jan.sellner@stzn.de

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