Das Klinikum Ludwigsburg bleibt das einträglichste Haus für die regionale Klinkenholding. Foto: Werner Kuhnle

Das Krankenhaus in Vaihingen ist geschlossen, bald soll das in Marbach folgen. Trotzdem stehen die Kliniken im Kreis Ludwigsburg finanziell noch nicht so da wie erhofft. Schuld sei auch eine Gesetzesänderung, meint der Geschäftsführer.

Ludwigsburg - Dem Patienten geht es langsam und stetig besser, komplett gesund ist er allerdings noch nicht. So könnte man die Zahlen beschreiben, die der Geschäftsführer der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim (KLB), Jörg Martin, am Freitag im Ludwigsburger Kreistag präsentierte. Denn nach fast 3,2 Millionen Euro Verlust im Jahr 2015 und einem geplanten Defizit im laufenden Jahr von etwa 2,6 Millionen werden Martin und die KLB auch in 2017 die schwarze Null, also einen ausgeglichenen Unternehmensplan, nicht schaffen. Mit einem Minus von 2,1 Millionen Euro rechnet der Betreiber der Krankenhäuser im Kreis im kommenden Jahr.

Jörg Martin und der kaufmännische Direktor Axel Hechenberger wähnen sich aber auf dem richtigen Weg. Als Grund für das nach wie vor bestehende Defizit führen sie den gesetzlichen Rahmen an, der sich geändert habe. Der sogenannte Fixkostendegressionsabschlag vermiese die Bilanz, meint Martin: Von jeder Million Euro Umsatz, die die Krankenhäuser mehr erwirtschafteten, müssten sie drei Jahre lang mindestens 35 Prozent abgeben. Allein der KLB gingen dadurch im laufenden Jahr 3,1 Millionen verloren, schätzt Hechenberger. Was Folgen habe: „Sonst hätten wir eine ausgeglichene Bilanz erreichen können.“

Das Marbacher Krankenhaus fährt Verluste ein

Das Ziel der Gesetzesvorgabe sei es, die Fallzahlen an den Kliniken zu drücken, erklärt Jörg Martin. Unnötige Behandlungen sollen erschwert werden.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt indes, dass es weitere Gründe für das Defizit der Kliniken gibt. Das kleine Krankenhaus Marbach ist zum Beispiel nach wie vor ein Verlustbringer: Nach geplant 1,6 Millionen Miesen in diesem Jahr werden es in 2017 wohl mit 1,8 Millionen Euro ebenfalls tiefrote Zahlen sein. Auch der Standort Vaihingen, der in eine Tagesklinik umgebaut wurde, reißt nach wie vor Löcher in die Kasse. Dort erwartet die KLB für 2016 ein Minus von einer Million, 2015 waren es noch mehr als 2,3 Millionen gewesen.

Besser sieht es für die beiden großen Häuser aus: Das 1000-Betten-Klinikum in Ludwigsburg erwirtschaftete in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von mehr als einer Million, im laufenden Jahr rechnet die KLB mit 190 000 Euro, fürs neue Jahr mit einem Plus von 455 000 Euro. In Bietigheim steht im laufenden Betrieb ein Überschuss von 1,3 Millionen. Nach Abzug der Investitionen erwartet der Kliniken-Chef Martin in diesem Jahr einen Fehlbetrag von 119 000 Euro.

Den eingeschlagenen Weg mit wenigen Standorten und dem Ausbau der Spitzenmedizin will Jörg Martin weitergehen. Viel hat die KLB daher investiert, nach der neuen Notaufnahme wird im kommenden Jahr auch das Frauen-Kind-Zentrum in Ludwigsburg eingeweiht, zudem stehen den Spezialisten vom ersten Quartal an neue Operationssäle zur Verfügung.

Neues Frauen-Kind-Zentrum in Ludwigsburg

In Bietigheim soll nach den Beschlüssen des Aufsichtsrats und des Kreistags in den kommenden Jahren ein Zentrum für Altersmedizin entstehen. Laut dem Landrat Rainer Haas, gleichzeitig Aufsichtsratschef der KLB, werden wohl 100 zusätzliche Betten geschaffen. Die chirurgische und die internistische Notaufnahme sollen ebenfalls zusammengelegt werden.

In Vaihingen hofft Geschäftsführer Martin, dass mehr Patienten in die Tagesklinik, die seit Februar in Betrieb ist, kommen – vor allem, nachdem nun ein Altersmediziner fest vor Ort sei. Von Mitte 2017 soll im ehemaligen OP-Trakt des Hauses außerdem ein Simulationszentrum entstehen, in dem Mitarbeiter geschult werden.

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