Am Samstag findet in Stuttgarter wieder das Lichterfest statt. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Konstanz stellt das Feuerwerk bei seinem Seenachtsfest aus Klimaschutzgründen zur Disposition. In Stuttgart ist das kein Thema. Das Feuerwerk am Lichterfest ist nicht in Gefahr. Der Umweltschutz ist aber auch hier ein Thema.

Stuttgart - Wie klimaschädlich ist das alljährliche Lichterfest auf dem Killesberg, dessen Highlight in einer spektakulären Lichtshow inklusive Musikfeuerwerk besteht? Der Blick nach Konstanz macht die Frage relevanter, als sie ohnehin schon ist. Die Stadt am Bodensee hatte Anfang Mai den Klimanotstand ausgerufen. Kurz darauf erwägte der dortige Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU), von 2020 an das größte deutsche Seefeuerwerk abzuschaffen, das alljährlich im Rahmen des Seenachtsfests stattfindet und zu dessen Anlass Raketen im Wert von 80 000 Euro in die Luft geschossen werden. Die Entscheidung steht noch aus.

Auch in Ostfildern, das jedes Jahr tausende Besucher mit der dreitägigen Pyro-Show Flammende Sterne anlockt, diskutiert man mittlerweile die Auswirkungen der Feuerwerke auf die Umweltbelastung – auch wenn die Stadt ebenso wie Stuttgart keinen Klimanotstand ausgerufen hat. Der Veranstalter der Show hält der hitzigen Diskussion allerdings nackte Zahlen entgegen: an drei Tagen entstünden nur rund 150 Gramm Feinstaub, sagte er vor wenigen Wochen gegenüber unserer Zeitung.

Pyrotechniker bezweifelt Auswirkungen bei Verzicht von Feuerwerk

Ähnlich argumentiert Joachim Berner. Der Geschäftsführer der Firma Innovative Pyrotechnik GmbH ist für die 26-minütige Lichtershow verantwortlich, die am Samstag wieder tausende Besucher auf dem Killesberg bestaunen werden. Freilich, es ginge theoretisch auch ohne Feuerwerk, sagt er im Vorfeld des diesjährigen Lichterfests. Ob die Maßnahme aber große Auswirkungen hätte, bezweifelt der Pyrotechnik-Weltmeister, der auf eine Reihe von internationalen Auszeichnungen auf seinem Gebiet verweisen kann.

Gerade einmal 60 Gramm Feinstaub produziere das Feuerwerk, das auch nur den abschließenden Teil der 26-minütigen Lichtershow ausmache. Entschärfend wirke zudem der schnelle Luftaustausch auf dem Killesberg. Am Samstag werden ab 22.15 Uhr 2720 Feuerwerkskörper aus 2250 Abschussrohren abgefeuert. Insgesamt würden während der Show 600 Kilogramm an Feuerwerkskörpern verbrannt. „Das entspricht 60 Säcken oder 600 Kilogramm Grillkohle“, so Fachmann. „Wissen Sie, wie viel Grillkohle allein auf dem Killesberg jeden Tag verbrannt wird?“, so Berner.

Nahverkehr und Mehrweg-Becher

Über das Thema Klimaschutz mache man sich aber durchaus Gedanken, sagt Christian Eisenhardt von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. So appelliere man an die Besucher, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nehmen und das Auto stehen zu lassen. Das unterstützt der Veranstalter auch finanziell: in der Eintrittskarte sind die Hin- und Rückfahrt mit ÖPNV inbegriffen. „Das Kombiticket ist uns eine Herzensangelegenheit“, so Eisenhardt. Dafür verkehrt am Samstag auch eine Sonderlinie (U 25), die ab 15 Uhr von Degerloch/Albstraße aus über den Hauptbahnhof zum Killesberg pendelt, zunächst im Zehn-Minuten-Takt, ab 16.30 Uhr gar alle fünf Minuten.

Wer doch mit dem Auto kommt, ist angehalten, auf dem Parkplatz P 10 auf dem Cannstatter Wasen zu parken und von dort den Shuttle-Bus zu nehmen. Und Eisenhardt verweist noch auf andere umweltfreundliche Maßnahmen. So gebe es in der Gastronomie ein Mehrweg-Bechersystem. Und es werde auf Plastikgeschirr verzichtet. Außerdem setze man bei der Licht- und Lasershow auf umweltfreundliche LED-Technik.

Das Lichterfest in Stuttgart

Programm Die Lichtershow an diesem Samstag beginnt um 22.15 Uhr. Los geht das Lichterfest natürlich schon früher – nämlich um 16 Uhr. Auf die Besucher wartet ein musikalisches Programm mit Live-Bands, Party und Tanz. Ein Kunsthandwerkermarkt, der historische Jahrmarkt von Elizi’s Jahrmarktstheater hat geöffnet. Zudem gibt es ein Kinderprogramm und ein gastronomisches Angebot.

Besucherinfos Tickets für das Lichterfest kosten 18 Euro. Kinder bis einschließlich 6 Jahren haben freien Eintritt. Sie können an den Vorverkaufsstellen erworben werden, telefonisch unter 0711/2 55 55 55 oder im Internet über www.easyticket.de

Geschichte Vor 80 Jahren, am 1. Juli 1939, feierte das Lichterfest in Stuttgart seine Premiere. Das zweite folgte schon kurz darauf am 19. August 1939. Wegen des Krieges fand dann einige Jahre kein Lichterfest statt. Im Juli 1954 war es dann schließlich wieder soweit – vier Lichterfeste wurden in diesem Monat gefeiert.

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