Der Großteil dieser Barriere soll Ende der Woche wegkommen Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Klein, aber oho. Die Baustelle auf dem Kleinen Schlossplatz kostete Stuttgarts Verwaltung viel Arbeit, die Stadt viel Geld sowie Anrainer und Bürger jede Menge Nerven. Jetzt endlich soll die Stelle, wo einst ein chronisch kaputtes Glasoberlicht war, nach dem Umbau geräumt werden. Nebenan geht es weiter.

Stuttgart - Die Arbeiten rund um das einstige Glasband auf dem Kleinen Schlossplatz liegen in den letzten Zügen. Die Lücke, die das beseitigte Glas hinterlassen hatte, ist schon länger geschlossen. Seit Mittwoch dieser Woche sind dort nun LED-Leuchten montiert worden, die in ein Belagstück aus Terrazzo eingelassen sind. Mit ihrem nach oben strahlenden Licht sollen sie eine neue Atmosphäre auf dem Platz schaffen.

Das Terrazzo-Band verläuft just dort, wo im Zusammenhang mit dem Bau des 2005 ­eröffneten Kunstmuseums einst ein Glasband geschaffen worden war: auf dem Kleinen Schlossplatz und damit über Räumen, die zur Ergänzung des Museumswürfels in einem früheren Verkehrsbauwerk unter dem Kleinen Schlossplatz eingebaut worden waren.

Das Glasband musste weg, weil die Glasplatten laufend beschädigt waren. Durch Vandalen oder Skater oder andere Besucher, die damit unsachgemäß umgingen. Nach langem Hin und Her und einem Ringen mit den Architekten, die an ihrer Idee mit dem Glasband hingen, wurde um das Oberlicht herum im November 2013 abgesperrt. Im Mai 2014 begannen die Arbeiten mit dem Ziel, die Glasplatten zu beseitigen, die Lücke über den Museumsräumen mit Betonteilen zu schließen und darüber eine Abdichtung und den Terrazzo aufzubringen. Das Terrazzofeld soll zwischen den Muschelkalkplatten des Platzbelags herausstechen wie zuvor das Glasband, das zur Beleuchtung der Museumsräume darunter eigentlich nie gebraucht wurde.

Die Kosten der Operation kletterten auf rund zwei Millionen Euro. Weitere 200 000 Euro musste das Liegenschaftsamt aufbringen, weil am Rand der Baustelle die Abdichtung zwischen Platzbelag und Museums­decke schadhaft war. Kommende Woche werden voraussichtlich die Bauzäune und die Zelte verschwinden, in deren Schutz die Arbeiten auch im Winter weitergegangen waren. Für Ende der übernächsten Woche plant das Hochbauamt die Übergabe der beendeten Baustelle samt neuer Lichtinstallation in die Obhut des Liegenschaftsamts. Aber ganz verlassen wird der Kleine Schlossplatz von den Bauarbeitern nicht.

Bei der Stele hinter dem Museum musste jetzt auch noch Belag entfernt werden. Die Abdichtungsschicht darunter soll repariert werden. Man habe auch in diesem Bereich in darunterliegenden Museumsräumen Feuchtigkeit festgestellt, erklärte das Hochbauamt. Diese neue Baustelle, die mit dem Glasband nichts mehr zu tun hat, wird noch mindestens bis 6. März vorhanden sein.

Seit einer Woche ist bereits der aus Stahlgerüstelementen gefertigte Steg wieder weg, den die Stadt vor Weihnachten über die Arbeitszelte hinweg gebaut hatte. Er war damals als Einladung an die Passanten gedacht, nicht vor der Baustelle zu kapitulieren, sondern sich einen Weg zu erschließen zu den Geschäften und Lokalen rund um den Platz. Der Steg hatte allerdings gleich Hohn und Spott oder wenigstens Unverständnis bei vielen Passanten ausgelöst. Denn er war für die Passanten nicht gerade komfortabel. Und oft auch gar nicht begehbar, weil die Zugänge gesperrt waren. Dann musste man eben doch um die Baustelle herumgehen, was durchaus möglich war.

„Ein absurder Steg“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, ­Alexander Kotz, unserer Zeitung. Unnötig, ja sogar monströs und abschreckend fanden ihn auch viele andere Betrachter. Der Steg und dessen Beleuchtung hätten die Stadt rund 8000 Euro gekostet, sagte deren Sprecher Sven Matis jetzt unserer Zeitung. Die Anrainer mögen das kaum glauben, sondern denken, dass die Kosten ein Mehrfaches davon betragen. Sowieso nicht enthalten ist der Aufwand für grafisch gestaltete Banner, die den Steg an den Geländern zierten. Dafür zahlten die Anrainer, darunter Winni Klenk, Betreiber der Modeboutique Abseits.

Er räumt ein: „Viele sind nicht über den Steg gegangen.“ Im Weihnachtsgeschäft sei das Ding aber trotzdem wichtig gewesen. Klenk hofft, dass es jetzt schnell geht mit dem Abräumen der Baustelle: „Jeder Tag zählt für uns.“ 13 Monate für die Umgestaltung von 340 Quadratmetern seien längst ein „Schildbürgerstreich“. Die Stadt müsse aus solchen Dramen endlich lernen, einen Baustellenmanager beschäftigen und mit den Betroffenen wirklich kommunizieren.

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