Einst für prominente Gäste der Stadt genutzt: die Villa Gemmingen. Foto: Stephan Klage (z)

Die SPD will die Nutzungsrechte der Stadt für das Bauwerk klären.

S-Süd - Hat die Stadt jahrelang ein Kleinod nicht genutzt, obwohl sie das Recht dazu hatte, die Villa Gemmingen für öffentliche Veranstaltungen nutzbar zu machen? Diesen Verdacht hegt die SPD-Fraktion im Bezirksbeirat Süd und hat darum einen Antrag an die Stadt gestellt, der klären soll, inwiefern die Stadt an dem seit 2000 in Privatbesitz befindlichen Bauwerk Sondernutzungsrechte habe und diese auch heute noch Gültigkeit hätte. Das sollen das Kulturamt und das Amt für Liegenschaften jetzt prüfen.

Seit dem Jahr 2000 ist die Villa in Privatbesitz

Vor 16 Jahren verkaufte die Stadt die Immobilie an Christa Freifrau von Tessin, heute wird sie von denen, die es sich leisten können, für private Veranstaltungen wie Hochzeiten, Firmenfeste oder Empfänge genutzt. Allerdings soll eine Vertragsklausel beim Verkauf geregelt haben, dass die Stadt gewisse Sondernutzungsrechte an der Villa hat. Die Eigentümerin sieht das aber etwas anders: Der Vertrag sichere der Stadt nur sehr eingeschränkte Nutzungsrechte zu.

Bis das geklärt ist, steht auch Bezirksvorsteher Raiko Grieb hinter dem Antrag der SPD-Bezirksbeiratsfraktion. „Sollte der Vertrag eine Gültigkeit haben, sollte die Stadt die Villa Gemmingen auch im Sinne des Stadtbezirks nutzen“, sagt er. Grieb könnte sich vorstellen, die Räumlichkeiten für das jährliche Willkommensfest der Neubürger im Süden, für Rundgänge oder für Informations- und Kulturveranstaltungen zu nutzen. „Besonders für letztere würde sich das Ambiente besonders gut eignen“, sagt Grieb.

Im Antrag der SPD ist außerdem von von einer denkbaren Nutzung von gemeinnützigen Organisationen die Rede. Weiter weist er darauf hin, dass das Bauwerk besondere künstlerische Bedeutung habe und über eine „originäre Ausstattung“ verfüge. Werke namhafter bildender Künstler wie Josef Zeitler, Emil Epple oder Jakob Brüllmann hätten die Villa Gemmingen während der zwei Jahrzehnte währenden Sanierungsarbeiten zu einem „Gesamtkunstwerk vollendet“, das den Vergleich zu den Schlössern Monrepos und Solitude nicht scheuen müsse.

Die Räumlichkeiten seien für öffentliche Veranstaltungen nicht geeignet

Eine Einschätzung, der die Eigentümerin, Christa Freifrau von Tessin, wahrscheinlich nicht widersprechen würde. Dennoch beurteilt sie das Vertragswerk so, dass aus einer Nutzung der Villa für öffentliche Veranstaltungen wohl nichts werden würde. „Wir fühlen uns nur verpflichtet, die Räumlichkeiten für kleine, nicht-öffentliche Veranstaltungen des Bürgermeisteramts zu nutzen“, sagt von Tessin auf Nachfrage unserer Zeitung.

So etwas wie ein Bürgerempfang komme schon deshalb nicht infrage, da die Privaträumlichkeiten von den Festsälen der Villa nicht wirklich abgetrennt seien. „Da gibt es eine teure Bibliothek und Silber. In einem solchen Rahmen ist das völlig undenkbar“, so die Freifrau weiter. Außerdem ende auch die bestehende Vertragsklausel ohnehin mit ihrem Tod, sagt die 77-Jährige.

Wenn die Stadt bis dahin aber Interesse anmelde, etwa besondere, prominente ­Gäste zu empfangen, werde sie die Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stellen – wie es ab und an zu OB Wolfgang Schusters (CDU) Zeiten der Fall gewesen sei. Seit Fritz Kuhn (Grüne) dessen Nachfolge 2013 angetreten hat, habe es für Nutzungen städtischerseits keine Anfragen mehr gegeben. „Ich finde das sehr schade“, sagt Christa Freifrau von Tessin.

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