Nicolas Jülich (li.) von der SG Sonnenhof Großaspach gegen Falko Michel von der U21 des VfB Stuttgart: Nicht immer sind in der Regionalliga Profis unter sich. Foto: Baumann

Die abgewiesene Klage gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Fußball-Regionalliga Südwest zeigt, wie unterschiedlich die Clubs strukturiert sind. Was könnte der Ausweg sein für eine Spielklasse, in der Profis und Amateure am Ball sind?

Stuttgart - Wenn es noch einen allerletzten Beweis gebraucht hätte, die Zerrissenheit in dieser Spielklasse zu dokumentieren, dann war es diese Klage: Sechs Clubs der Fußball-Regionalliga Südwest hatten beim Landgericht Mannheim den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen den geplanten Re-Start an diesem Freitag eingereicht. Angesichts der sehr angespannten Corona-Lage sei es „das komplett falsche Zeichen“ zu spielen, hieß es von Seiten der Vereine TSV Steinbach Haiger, FC Gießen, Eintracht Stadtallendorf, TSV Schott Mainz, Bahlinger SC und FC Astoria Walldorf. Dem Sextett ging es um die Zumutbarkeit der Wiederaufnahme mitten in der Pandemie. Am späten Donnerstag Nachmittag kam nach der mündlichen Verhandlung das Urteil: Klage abgewiesen. „Das Gericht kam zu der Auffassung, dass die Entscheidung zur Saisonfortsetzung ab Dezember rechtens ist und nicht gegen die Grundsätze der Billigkeit verstöß“, teilte die Regionalliga Südwest GbR mit.

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Völlig unabhängig von der Sinnhaftigkeit des nun sicheren Re-Starts, zeigt sich seit Monaten vor allem eines: Die Spaltung innerhalb der Regionalliga ist so gewaltig wie in keiner anderen Spielklasse in Deutschland. Warum? Weil der Status ungeklärt ist. Ist es ein Wettbewerb für Profis oder für Amateure? „Wer soll das klären? Der DFB? Die Landesverbände?“, fragt Frank Fahrenhorst, der Trainer des VfB Stuttgart II zurück. „Es wird immer unterschiedliche Interessen geben.“

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Als 2008 die dritte (Profi-)Liga eingeführt wurde, hatte die Regionalliga noch drei Staffeln (Nord, West, Süd), die Hauptverantwortlichkeit lag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), damit hatte die Spielklasse Profistatus. Das Dilemma begann 2012 mit der Einführung einer fünfgleisigen Regionalliga (Nord, Nordost, West, Südwest und Bayern). Die Regie übernahmen die Landesverbände, damit war es formal die höchste Amateur-Spielklasse in Deutschland.

Riesige Spannweite bei den Clubs

Doch die mehr als 100 Vereine in den fünf Staffeln haben zum Teil vollkommen unterschiedliche Strukturen. „Die Spannweite ist riesig“, sagt auch Thomas Deters, Vorstandsmitglied der SG Sonnenhof Großaspach. Damit bleibt die sportliche Vergleichbarkeit auf der Strecke. Sein Club weist als Drittliga-Absteiger professionelle Strukturen auf, genauso wie der SSV Ulm 1846, Kickers Offenbach, die SV Elversberg oder in anderen Staffeln die Traditionsclubs Rot-Weiß Oberhausen, Rot-Weiß Essen, Fortuna Köln, Energie Cottbus oder Carl Zeiss Jena.

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„Wir können aber auch die Meinungen der anderen Vereine komplett nachvollziehen“, bringt Deters Verständnis für die Sorgen und Nöte der Amateurclubs auf – wie zum Beispiel der TSG Balingen. Beim Regionalliga-Aufsteiger 2018 gehen alle Spieler einem Hauptberuf nach oder sie studieren. Auch auf der Zollernalb sehen sie eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs in diesem Jahr höchst kritisch, dennoch hat man sich nicht an den juristischen Prozessen beteiligt. „Wir halten eine Saisonfortsetzung nicht für sinnvoll, aber eine Klage auch nicht für den passenden Weg“, begründete TSG-Geschäftsführer Jan Lindenmair.

Zweigleisige dritte Liga als Lösung?

Bleibt die Frage, ob mittelfristig eine Reform – und wenn ja welche – die Zerrissenheit der Regionalligen zumindest verkleinern könnte. Immer wieder gibt es Vorstöße für eine zweigleisige dritte Liga. „Die professionell agierenden Regionalligisten könnten sich dann in viel stärkerem Maß dort wiederfinden“, findet Deters dies eine charmante Variante. Doch jetzt geht es erst einmal am Samstag (14 Uhr) mit dem Derby in Aalen weiter. „Wir sind froh über das Urteil, hätten aber auch ein anderes akzeptiert“, sagt der Sonnenhof-Funktionär.

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