Die Zentren geistlichen Lebens der 2013 fusionierten Kirchengemeinde sind die Laurentiuskirche in Rohr (Foto) und die Stephanuskirche in Dürrlewang. Foto: Sandra Hintermayr

Nach Streitigkeiten hat es in der evangelischen Gemeinde in Stuttgart-Rohr/Dürrrlewang seit Sommer 2018 keinen Kirchengemeinderat mehr gegeben. Nun ist das neue Gremium gewählt. Welche Herausforderungen liegen vor den Mitgliedern?

Rohr/Dürrlewang - Es ist ein Paukenschlag gewesen. Im Sommer 2018 hatten sechs Kirchengemeinderäte ihr Amt niedergelegt. Das hatte zur Folge, dass das Gremium aufgelöst und eine ortskirchliche Verwaltung eingesetzt werden musste. So sieht es die Kirchengemeindeordnung vor.

Die Antwort auf die Frage, wie es damals soweit kommen konnte, ist kompliziert. Der geschäftsführende Pfarrer Thomas Rumpf erklärte damals, dass die Sitzungen des Kirchengemeinderats manchmal schwierig gewesen seien. Eine Ursache dafür sei wahrscheinlich die Fusion der Gemeinden Rohr und Dürrlewang gewesen und die damit verbundenen Verunsicherungen und Ängste, die weiterwirken. Die Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs sprach im Dezember des vergangenen Jahres im Rückblick von „unterschiedlichen Vorstellungen, wie die Leitungsaufgabe der Gemeinde im Kirchengemeinderat wahrgenommen wird, welche Kompetenzen und Abläufe es geben soll“.

Wahl stand unter besonderen Stern

Fakt ist, dass die vergangenen 16 Monate für die Menschen in der Kirchengemeinde Rohr-Dürrlewang eine Übergangszeit waren. Diese endete am ersten Advent, als in der ganzen Landeskirche neue Kirchengemeinderäte gewählt wurden. In der Gemeinde Rohr-Dürrlewang stand der Urnengang freilich unter einem besonderen Stern. Vielerorts in Württemberg war es schwierig, genügend Kandidaten für die Gremien zu finden. In Rohr-Dürrlewang war es besonders wichtig, dass das gelingt. Am Ende waren es zwölf Bewerber für elf Plätz und damit ein Bewerber mehr als Plätze zu vergeben waren. „Besonders freut mich, dass drei Mitglieder der ortskirchlichen Verwaltung so viel Freude an der Arbeit hatten, dass sie kandidiert haben, gewählt wurden und nun dem neuen Gremium angehören“, sagt die Dekanin. Darunter ist auch Johannes Burkhardt, der Vorsitzende der ortskirchlichen Verwaltung. Er war bei der Wahl des neuen Kirchengemeinderats sogar der Stimmenkönig.

Gremium kann sich nun neuen Projekten widmen

Gibt es damit nun ein Happy End für die Gemeinde? „Statt einem Happy End hat die ortskirchliche Verwaltung vielmehr einen neuen Anfang und einen Türöffner für eine gute Arbeit des neuen Gremiums geschaffen“, antwortet Vogel-Hinrichs. Sie lobt die Arbeit der ortskirchlichen Verwaltung, die dafür gesorgt habe, dass wieder Ruhe eingekehrt sei und es gesichert weitergehen könne. Als die ortskirchliche Verwaltung eingesetzt worden sei, sei bewusst verabredet worden, dass diese in der Übergangszeit keine neuen Projekte oder Konzepte vorantreibt. Aber natürlich habe das Gremium Ideen und Wünsche entwickelt. Eine große Aufgabe für den nun neu gewählten Kirchengemeinderat werde der Neubau des Kindergartens sein. Zudem gebe es den Wunsch, den Konfirmandenunterricht für Drittklässler einzuführen, der dann in der achten Klasse fortgesetzt werde. Auch in der Arbeit für Frauen werde sich etwas verändern. Denn immer mehr seien berufstätig, die Formate müssten angepasst und neue Zeiten gefunden werden.

Dem neuen Gremium wünscht die Dekanin „Gottes Segen für die gemeinsame Arbeit“. Darin sei alles enthalten: Zuversicht, Vertrauen, Offenheit, Humor, Fantasie und Mut, gelassener Umgang mit Fehlern, Akzeptanz von Unterschiedlichkeit und gegenseitige Wertschätzung.

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