Wir haben uns alle so lieb: Glaube als Wellness für die Seele. Foto: Thaut Images/Fotolia

Wie wird die religiöse Landkarte Deutschlands aussehen? Welche Bedeutung werden Glaube und Unglaube haben? Kehren die Götter zurück oder siechen die Religionen dahin? Um diese und andere Fragen geht es in unserer 15-teiligen Serie „Religion und Glaube 2050“.

Stuttgart - Glaube soll glücklich machen - das vor allem anderen. Immer mehr Menschen, die sich von den Kirchen abwenden oder sich noch nie zugehörig fühlten, entdecken ein geistiges Potenzial in sich. Spiritualität bedeutet für sie Innerlichkeit, Unmittelbarkeit und wohliges Empfinden.

Christ ohne Kirche – Wie passt das zusammen?

Wenn man wie meisten so selten am Gottesdienst und Gemeindeleben teilnimmt, könnte man auch gleich ganz ohne formale Zugehörigkeit zu einer Kirche Christ sein. Diese Ansicht vertreten laut einer Emnid-Umfrage rund 84 Prozent der Deutschen, zugleich bezeichnen sich 75 Prozent gegenüber der Bertelsmann-Stiftung als „religiös“. Christ sein ohne Kirche – wie passt das zusammen?

Glaube ohne Mitgliedschaft

Die englische Sozialforscherin Grace Davie hat für dieses weit verbreitete Phänomen den Begriff „Believing without belonging“ – Glaube ohne Mitgliedschaft – geprägt. Man gehört zwar offiziell noch dazu, aber hat sich innerlich schon längst verabschiedet und nimmt von der kirchlichen Botschaft nur das mit, was einem gefällt und „gut tut“. Einerseits ist die traditionelle religiöse Praxis wie Gottesdienstbesuche und Gebete rückläufig, andererseits schätzen viele die soziale Arbeit der Kirchen und wollen sie als Anlaufstelle an biografischen Wendepunkten oder in Lebenskrisen nicht missen.

Es kommt bei vielen Zeitgenossen nicht gut an, dass die Religionen fordern und herausfordern, dass sie dem Menschen etwas zutrauen und ihn verpflichten und dass ihre Gebote und Dogmen schwer verdauliche Kost sind. Viele Menschen verlangen nach einer leicht konsumierbaren Wellness für die Seele. Der Glaube darf schon deshalb nicht anstrengend sein, weil er vornehmlich in der Freizeit stattfindet und Spaß machen soll.

Unsere Serie: Religion und Glaube 2050

Teil 1: Trend 2050 – Religion, Glaube, Spiritualität

Teil 2: Trend 2050 – Globaler Glaube und Unglaube

Teil 3: Trend 2050 – Der Glaube der Ungläubigen

Teil 4: Trend 2050 – Säkularisierter Glaube

Teil 5: Trend 2050 – Individualisierter Glaube

Teil 6: Trends 2050 – Kirchlicher Glaube

Teil 7: Trend 2050 – Karitativ-diakonischer Glaube

Teil 8: Trend 2050 – Patchwork-Religiosität

Teil 9: Trend 2050 – Pseudo-religiöse Konsumtrends

Teil 10: Trend 2050 – Sanfter Glaube

Teil 11: Trend 2050 – Auf Sinnsuche bei Glaubenden

Teil 12: Trend 2050 – Fundamentalistischer Glaube

Teil 13: Trend 2050 – Fernöstliche Erleuchtung

Teil 14: Trend 2050 – Muslimische Parallelwelten

Abschluss: Religion und Glaube 2050 in 14 Thesen

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