Ein Farbglasfenster aus den Kunstsammlungen der Veste Coburg zeigt den Reformator Martin Luther (1483-1546). Foto: dpa

Die Reformation im Original lesen – ab sofort ist das im Internet möglich. Das „Digitale Archiv der Reformation“ liefert grundlegende Materialien aus dem Jahrhundert der Reformation. Hier einige Kostproben;

Stuttgart - Ob die Bannandrohungsbulle gegen Martin Luther oder die Ziegenhainer Zuchtordnung zum Konfirmandenunterricht: Das „Digitale Archiv der Reformation“ gibt Einblicke in die Anfangszeit der Reformation nach 1517. In dieser Woche ist es nach zweijähriger Arbeit im Internet symbolisch in Weimar freigeschaltet worden. In dem Gemeinschaftsprojekt der Landes- und Staatsarchive aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Sachsen und Brandenburg wurden mehr als 30 000 Dokumente zusammengeführt und in die heutige Sprache übersetzt.

Dazu gehören der Beginn der berühmten Rede Martin Luthers auf Deutsch vor dem Reichstag in Worms 1521 sowie ein Brief seines Gegenspielers Thomas Müntzer an den Rat zu Allstedt. Mit einer Landkarte können sich Interessierte zum gewünschten Ort klicken. Hier einige deftige Kostproben aus dieser einzigartigen Materialsammlung:

Luther bezeichnet den Papst als Antichristen

„Ich sag dir, ein Monstrum aller Ungeheuer! Ich bin so beunruhigt, dass ich fast nicht daran zweifle, dass der Papst eigentlich der Antichrist ist, welchen nach der allgemeinen Meinung die Welt erwartet. Es passt so sehr dazu, wie er lebt, was er tut, redet und anordnet.“ Martin Luther in einem Brief vom 24. Februar 1520 an seinen Berater Georg Spalatin.

Luther wird vom Papst der Kirchenbann angedroht

„Ein Wildschwein aus dem Wald strebt danach, ihn (den Weinberg des Herrn, die Kirche) zu entstellen, und ein unerhört wildes Tier frisst ihn ab.“ Papst Leo X. droht Luther am 15. Juni 1520 den Kirchenbann an, sollte er nicht widerrufen.

Luther widerruft nicht

„Nachdem mir allerdings nach meiner Anhörung zwei Fragen vorgelegt wurden: nämlich, ob ich die Bücher, die unter meinem Namen publiziert worden sind (wie man sich erzählt), weiterhin alle als die meinen anerkenne oder diese zurücknehmen wolle, habe ich als erstes umgehend meine direkte Antwort gegeben und klargestellt, dass ich diese Bücher anerkenne und als meine eigenen anerkenne. Dabei werde ich ein für alle Mal bleiben.“Martin Luther zu Beginn eines Redemanuskripts vom 17./18. April 1521vor dem zweiten Verhör vor dem Reichstag in Worms.

Karl V. verurteilt Luther als Ketzer

„Und um alle anderen ungezählten Bosheiten Luthers um der Kürze willen hier unerwähnt zu lassen, so (lässt sich zusammenfassen:) hat dieser eine, nicht als Mensch, sondern als der böse Feind in Gestalt eines Menschen mit vorgetäuschter Mönchskutte die auf das Höchste verurteilten Ketzereien zahlreicher Ketzer, die lange Zeit verborgen geblieben waren, in eine stinkende Pfütze zusammengesammelt und (dazu) weitere selbst neu erdacht, unter dem Anschein, dass er den Glauben predige.“ Kaiser Karl V. verurteilt Luther im Wormser Edikt vom 8. August 1521 gemäß der päpstlichen Bulle als Ketzer.

Papst Clemens VII. über die Niederschlagung des Bauernaufstandes

„Große Freude hat uns über das erfüllt, was wir von den Abwehrmaßnahmen gegen die gottlosen und schändlichen Lutheraner gehört haben, die Deine Durchlaucht zur Verteidigung des Glaubens klug und tapfer vorgenommen hat.“Papst Clemens VII. in einem Schreiben vom 23. August 1525 an Landgraf Philipp von Hessen, der half den Bauernaufstand blutig niederzuwerfen.

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